In der Dunkelheit des frühen Morgens stehen zwei Männer auf der Kommandobrücke des Motorschiffs Aquarius. Sie starren hinaus auf die schwarzen Wellen des Mittelmeers. Der eine trägt einen weißen Overall, der andere einen roten. Der eine ist Deutscher, der andere Ukrainer. Der eine hat seinen Job aufgegeben, um hier zu sein. Der andere ist hier, weil er seinen Job nicht aufgeben wollte. Es gibt wenig, was die beiden Männer verbindet, aber sie haben dasselbe Ziel: Sie suchen ein Flüchtlingsboot.

Der Mann im weißen Overall heißt Klaus Vogel. 59 Jahre alt, blaue Augen, grauer Stoppelbart, von Beruf Kapitän. Viele Jahre ist er auf großen Containerschiffen gefahren, hat T-Shirts nach Europa transportiert und Flachbildschirme nach Amerika, hat den Pazifik durchquert, den Atlantik, das Mittelmeer. Jetzt presst Vogel das Fernglas an die Augen, sein Gesicht ist noch zerknittert vom Schlaf. Irgendwo da draußen muss das Schlauchboot mit den Flüchtlingen sein. Vogel fragt sich: Haben die Kinder an Bord?

Der Mann im roten Overall ist der Erste Offizier der Aquarius. Er heißt Oleksandr Jurtschenko, 43 Jahre, Bürstenschnitt, massige Arme. Alle an Bord nennen ihn Chief. Ein Ukrainer vom Asowschen Meer, auch er ist jahrelang zur See gefahren. Jetzt hält er ein flaches, längliches Gerät in der Hand, das aussieht wie ein Kricketschläger. Es ist ein Detektor, der piept, wenn jemand Metall am Körper trägt. Der Chief will damit die Flüchtlinge abtasten, bevor sie das Schiff betreten. Er fragt sich: Haben die Waffen an Bord?

In diesem Moment weiß er noch nicht, dass die Menschen, die er retten wird, nicht einmal Schuhe tragen.

Der Chief steckt sich eine Zigarette an. Vogel, Nichtraucher, starrt über den Bug. Behäbig hebt und senkt sich die See. 30 Seemeilen bis zur libyschen Küste.

Vor wenigen Tagen hat die Europäische Union in der Ägäis das Meer verriegelt. Sie hat Verträge mit der türkischen Regierung geschlossen, hat Soldaten aufs Meer geschickt und am Festland Zäune ziehen lassen. Seit diesem Montag werden Flüchtlinge, die über Griechenland nach Mitteleuropa fliehen wollten, in die Türkei zurückgeschickt. Die Balkanroute ist geschlossen, die Flüchtlingszahlen sinken. Dort, wo die Aquarius an diesem Märzmorgen im Wasser liegt, steigen sie: im zentralen Mittelmeer, zwischen Libyen und Italien.

Federica Mogherini, die EU-Außenbeauftragte, schickte kurz vor Ostern einen Brief an die europäischen Regierungen. 450.000 Menschen, schrieb sie, könnten dieses Jahr von Libyen nach Europa fliehen – dreimal so viele wie 2015. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sissi spricht von einer "neuen Flüchtlingswelle", Frankreichs Präsident François Hollande von einer "ernsthaften Gefahr". Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière mahnt, der Weg von Libyen nach Italien könnte zur neuen Hauptroute der Flüchtlinge werden. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Befürchtungen der EU-Politiker stimmen: Dann legen sich die Winterstürme. Dann beginnt auf dem Mittelmeer die neue Saison. Die Saison des Ertrinkens. Mehr als 3.000 Menschen haben allein im vergangenen Jahr auf dem Mittelmeer ihr Leben verloren.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 16 vom 7.4.2016.

Der Monitor des Radargeräts wirft einen grünen Schimmer auf Klaus Vogels Stirn. Vor einer Stunde, um 4.31 Uhr, hat die Satellitenfunkstation der Aquarius unter lautem Sirenengeheul einen Notruf der italienischen Küstenwache ausgedruckt, einen dünnen Zettel mit blassen Buchstaben: Ein Schlauchboot mit Flüchtlingen sei in Seenot geraten.

In der Ferne sieht Vogel die libysche Küste, die Lichter der Millionenstadt Tripolis, den schwachen Schein der Fischerdörfer. Dort irgendwo muss das Flüchtlingsboot in der vergangenen Nacht abgelegt haben.

Noch vor zwei Jahren, als erstmals mehr als hunderttausend Menschen über das Mittelmeer kamen, schickte Italien seine Marine und Küstenwache, um die Flüchtlinge aus dem Wasser zu holen. "Mare Nostrum" hieß die Operation, "unser Meer". Sie rettete Zehntausende und kostete Millionen. Dann konnte die italienische Regierung die Einsätze nicht mehr bezahlen und bat die EU um Geld. Vergeblich. Mare Nostrum wurde beendet, die meisten Flüchtlinge waren von nun an auf sich allein gestellt.

Europa verabschiedete sich von seinen Idealen. Klaus Vogel verabschiedete sich von seinem Job. Er war damals Kapitän bei der deutschen Großreederei Hapag-Lloyd. Im Fernsehen sah er die Bilder der Toten, die im Wasser trieben, dort, wo auch er alle paar Wochen mit seinem Containerschiff vorbeikam. Vogel erinnerte sich an die frühen achtziger Jahre, an das südchinesische Meer, er war noch ein junger Seemann. Auch damals schwammen kleine Boote im Wasser, mit Flüchtlingen aus Vietnam. Vogels damalige Reederei wies die Besatzung an, das Gebiet weiträumig zu umfahren.

Klaus Vogel weiß, dass es Flüchtlinge schon immer gab. Er ist nicht nur erfahrener Seemann, sondern auch promovierter Historiker. Als seine Kinder klein waren, verbrachte er einige Jahre an Land und studierte Geschichte.

Vogel gründet einen Verein: SOS Mediterranee

Die Vietnamesen, sagt er heute, seien ihm nie aus dem Kopf gegangen. Diesmal will er die Flüchtlinge nicht umschiffen. Er will ihnen helfen. Vor einem Jahr ist Vogel zum ersten Mal Großvater geworden. Er sagt: "Wie soll man einem Kind erklären, dass wir die Menschen einfach ertrinken lassen." Also hat er seinen Job aufgegeben. Seinen Beruf hat er behalten. Statt Container will er jetzt Menschen an Bord nehmen.

Hapag-Lloyd stellte ihn von seiner Arbeit frei, und Vogel lebte vorerst von seinen Ersparnissen. Er fand Mitstreiter, die ähnlich fühlten wie er: Geschwister und Freunde, Seeleute und Reeder, Politiker, Schauspieler, Ärzte. Sie gründeten einen Verein: SOS Mediterranee. Sie suchten Spender und fanden Geld, mehr als eine Million Euro. Sie suchten ein Schiff und fanden die Aquarius, 77 Meter lang, zwölf Meter breit, der Rumpf orange, der Schornstein schneeweiß. Sie suchten Retter und fanden ein Team: einen Unternehmensberater aus München, ein erfahrener Segler, der Regatten fuhr, dort, wo jetzt die Flüchtlinge sterben. Einen Schiffsoffizier aus Syrien, der heute in Bremen lebt. Einen Übersetzer aus Eritrea, der selbst über das Mittelmeer floh. Bei der Hilfsorganisation Ärzte der Welt fand Vogel Ärztinnen und Krankenschwestern. Normalerweise kümmern sie sich um Menschen in Katastrophen- und Krisengebieten. Jetzt schickt man sie nach Europa. In ein Katastrophengebiet namens Mittelmeer.

Dies ist Vogels erste Fahrt mit der Aquarius. Er wird an diesem Tag die Schreie von Menschen hören, die um ihr Leben kämpfen. Er wird einer Fregatte der Royal Navy begegnen und zusehen, wie ein Schlauchboot im Meer verschwindet. Dazwischen, inmitten der Wellen und Schaumkronen, wird er auf all die Halbwahrheiten und Widersprüche der europäischen Flüchtlingspolitik treffen.

Wieder heult die Sirene, ein zweiter Notruf, diesmal spuckt der Drucker die Position des Flüchtlingsbootes aus: 33°26 nördliche Breite, 13°14 östliche Länge.

Vogel beugt sich über die Seekarte. Mit Lineal und Zirkel steckt er die Koordinaten ab, zeichnet Bleistiftkreuze ins Meer. Das erste Kreuz setzt er nördlich von Tripolis – das sind die Flüchtlinge. Das zweite Kreuz etwas weiter im Osten – hier liegt die Aquarius.

Vogel misst die Entfernung: "Nicht mal acht Seemeilen", sagt er. "Fuck", sagt der Chief, "das ist nah." Der Chief tippt die Koordinaten ins Navigationssystem ein und ändert den Kurs auf Nordwest. Er legt den Steuerhebel um. Volle Kraft voraus. Die Motoren der Aquarius dröhnen, die Bugwellen schäumen, der Rumpf durchschneidet die glatte See. Es ist jetzt 5.40 Uhr. Noch eine knappe Stunde, dann müssten die Männer das Schlauchboot erreichen.

Der Chief schlurft auf die Nock, auf den Balkon der Kommandobrücke, und pustet Rauch in die kalte Morgenluft. Er ist ein Mann, der viel raucht und wenig spricht. Wenn Vogel und seine Leute mittags in der Schiffskantine essen, sitzt der Chief vorm Fernseher, kaut an seinen Schweinerippchen und schaut Russia Today – jenen Kanal, den viele Deutsche für Putins Propagandasender halten. Der Chief wäre nie auf die Idee gekommen, Flüchtlinge aus dem Meer zu fischen. Er steuerte die Aquarius schon, als sie noch ein Vermessungsschiff war und zu den Ölfeldern vor Westafrika fuhr. Dann sank der Ölpreis, die Aufträge wurden rar, und plötzlich war da dieser seltsame Deutsche, der im Mittelmeer Menschen retten wollte. Er bot Jurtschenko an, als Erster Offizier auf der Aquarius zu bleiben. Der Chief hatte die Wahl: Flüchtlingshelfer oder vielleicht gar keinen Job. Jetzt soll er Menschen retten, vor denen er sich fürchtet.

"Die haben ansteckende Krankheiten", sagt der Chief. "Ebola, Krätze, Aids."

Er hat nicht nur einen Metalldetektor besorgt, er hat auch Latexhandschuhe und einen Mundschutz dabei.

Der Chief raucht mit tiefen Zügen. Er sagt: "Ihr könnt doch nicht ganz Afrika nach Europa holen, wo sollen die alle hin?" Die Asche rieselt auf das weiß gestrichene Deck. Dort, in den Ritzen des verschweißten Stahls, liegt feiner, roter Staub. "Wüstensand", sagt der Chief. Der Schirokko hat ihn herübergeweht, der Wüstenwind aus Libyen.

Libyen ist ein Land ohne Flüsse, bedeckt von der Sahara. Unter dem Sand und der Erde liegen riesige Mengen Öl. Das Öl hat Libyen reich gemacht, so reich, dass fast zwei Millionen Menschen ins Land kamen, um hier Geld zu verdienen, auf den Ölfeldern, auf Baustellen, in Fabriken und Hotelküchen. Sie stammen aus dem Nachbarstaat Ägypten, aber auch aus Nigeria, Gambia, Senegal, aus Bangladesch und von den Philippinen. Sie suchten ein besseres Leben, in einem Land, von dem sie glaubten, es könne sie reich machen. Jetzt müssen sie zusehen, wie dieses Land zerfällt.

Europa verspricht Geld. Afrika verspricht Grenzschutz

Viereinhalb Jahre nach dem Tod des Diktators Muammar al-Gaddafi hat der libysche Staat aufgehört zu existieren. Zwei verfeindete Regierungen und Dutzende Milizen kämpfen um die Macht. Flughäfen und Fabriken verrotten, einige Städte sind vom Strom abgeschnitten, Medikamente und Lebensmittel werden knapp. Die Amerikaner werfen Bomben, Islamisten plündern Städte und enthaupten Menschen am Strand. Der sogenannte Islamische Staat hat inzwischen etwa 3.000 Kämpfer im Land, schätzen Beobachter der Vereinten Nationen. Er kontrolliert auch einige Fischerdörfer. Deren Bewohner handeln nicht mehr nur mit Fisch, sondern längst auch mit Flüchtlingen. In manchen Gegenden ist der Menschenschmuggel zur größten Einkommensquelle geworden, sagen EU-Militärs.

Schon bevor der Krieg nach Libyen kam, versuchten Menschen von hier aus Europa zu erreichen. Aber es waren nicht sehr viele, und sie kamen im Wesentlichen aus zwei Regionen: aus westafrikanischen Ländern wie Nigeria und Senegal. Und vom Horn von Afrika, aus Somalia und Eritrea. Jetzt aber brechen auch jene auf, die eigentlich nie nach Europa wollten: die Bauarbeiter, Mechaniker und Küchenhilfen, die in Libyen auf Wohlstand hofften. Im vergangenen Jahr saßen Tausende Menschen aus Bangladesch in den Gummibooten.

Nun, nach der Schließung der Balkanroute, werden sich vermutlich auch Syrer, Iraker und Afghanen auf den Weg nach Libyen machen.

Der Chief hält das Fernglas an die Augen. Schweigend scannt er den Horizont. Er sieht die dunklen Wogen, die blassen Gebirgsketten Libyens. Nur das Schlauchboot sieht er nicht. Vogel steht auf der anderen Seite der Brücke, auch er hat das Fernglas im Gesicht. Nichts.

Minuten später, um 6.20 Uhr ein Ruf, es ist der Chief: "Da sind sie!" Er deutet mit dem Finger auf einen Punkt in der Ferne, irgendwo zwischen den Wellenkämmen. Vogel nickt. Ein hellgraues Schlauchboot. Wie eine wabbelige Luftmatratze tanzt es auf dem Wasser. Vogel läuft mit schnellen Schritten aufs Deck. Er schlingt sich eine Schwimmweste um den Leib, zieht die Gurte straff. Sein Funkgerät rauscht und knackt. In leisem Stakkato gibt er Kommandos: "Alle Mann an Deck. Rettungsboote fertig zum Einsatz."

Die Retter eilen aus ihren Kajüten. Sie zwängen sich in Neoprenanzüge, quetschen die Füße in Gummistiefel, streifen Helme und Windjacken über, zerren Säcke mit Schwimmwesten über das Deck. Die Krankenschwestern sortieren Verbandszeug und Medizin. 700 Wolldecken haben Vogels Leute an Bord gebracht, 120 Infusionsbeutel, 3.000 Wasserflaschen, vier Dixi-Klos, Dutzende Umzugskartons mit gespendeten Kleidern. Außerdem: zehn Leichensäcke, keimdicht und geruchsneutral.

Vogel bekommt einen Arm zu fassen, zieht einen Mann an Bord

Während Vogel durch sein Fernglas das Schlauchboot im Blick behält, sitzen zu Hause in Deutschland womöglich Menschen vor ihren Computerbildschirmen und betrachten die Aquarius. Im Internet sind Artikel über den deutschen Kapitän erschienen, der im Mittelmeer Flüchtlinge rettet. Pegida zeigt Fotos der Aquarius auf ihrer Facebook-Seite. "Verblendete Vollpfosten", schreibt jemand in die Kommentarspalte. "Organisierte Schlepperbande" ein anderer. Während auf dem europäischen Festland wütende Bürger durch die Straßen ziehen, während Politiker Rückübernahmeabkommen unterzeichnen und Soldaten Zäune ziehen, um die Flüchtlinge draußen zu halten, fährt Klaus Vogel aufs Meer, um sie reinzuholen.

Tausende Boote, Hunderttausende Menschen – es scheint, als sei das Mittelmeer eine unkontrollierbare Grenze, durchlässig wie eine Mauer aus Pappe. In Wahrheit ist es ein hochgerüsteter Wassergraben, bewacht von nordafrikanischen Polizisten. Die EU hat mit zahlreichen Ländern Afrikas Abkommen geschlossen. Die Verträge variieren im Detail, folgen aber demselben Prinzip: Europa verspricht Geld. Afrika verspricht Grenzschutz. In Mauretanien und Marokko, in Algerien und Tunesien patrouillieren Grenzpolizisten, um die Flüchtlinge aufzuhalten, in Häfen und an Stränden, zu Wasser und an Land. Die Europäer liefern die Ausrüstung: Schnellboote und Lastwagen, Wärmebildkameras und Röntgengeräte. Die EU agiert wie ein internationaler Konzern. Sie hat die Bewachung ihrer Grenzen outgesourct. An Staaten, in denen Migranten so gut wie keine Rechte haben. In Marokko haben Grenzpolizisten die Schlauchboote der Flüchtlinge aufgeschlitzt, auf dem offenen Meer. In der Türkei werden selbst Schwangere und Minderjährige zurück nach Syrien geschickt.

Mit dieser Politik haben die Europäer erreicht, dass kaum ein Flüchtling von Tunesien nach Italien übersetzt. Oder von Marokko nach Spanien – obwohl die Fahrt dort kürzer wäre: Das Meer in der Straße von Gibraltar ist nicht viel breiter als ein Fluss.

Nur mit einem Land in Nordafrika gibt es keinen Vertrag, weil dort kein Staat existiert, keine Regierung, mit der man verhandeln könnte: Libyen, 300 Kilometer von der italienischen Insel Lampedusa entfernt.

Kapitän Vogel und seine Crew sind jetzt so nah, dass sie die Flüchtlinge mit bloßem Auge sehen: 50 Menschen, vielleicht mehr, dicht gedrängt auf dem Schlauchboot. Kaum einer, auch das ist jetzt zu erkennen, trägt eine Schwimmweste.

Die Aquarius als schwimmende Notaufnahme

"Ready", sagt Vogel in sein Funkgerät. Er steigt ins Rettungsboot, ein Schnellboot mit knallrotem Rumpf. Das Boot hängt an einem faustgroßen Haken über der Reling der Aquarius. Vogel schaukelt im Wind. Der Chief lässt das Boot hinab, die Hydraulik dröhnt und schnauft, das Boot klatscht auf die Wellen. Für einen Moment liegt es ruhig, dann röhrt der Außenborder auf und hinterlässt eine Spur aus türkisblauem, sprudelndem Schaum. Vogel steht vorn am Bug, fünfzig Meter noch bis zu den Flüchtlingen, dreißig, zwanzig, Vogel beugt sich nach vorn, Wasser spritzt ihm ins Gesicht.

Es ist in diesem Moment, als fahre Klaus Vogel mit seinem Rettungsboot in eine Filmkulisse hinein: Schlauchboot mit Afrikanern, im Hintergrund das weite Meer. Zigfach gezeigt in den Beiträgen der Nachrichtenmagazine und Brennpunktsendungen. Elend in Dauerschleife. Unzählige Male hat Vogel dieses Bild gesehen. Jetzt aber, da es nur noch wenige Meter sind, hört er, wie die Menschen schreien, er sieht, wie sie zittern, er riecht, wie sie stinken. Der Gestank ist stärker als der Wind.

Ein Mann im Schlauchboot richtet sich auf, streckt sich den Rettern entgegen, ein anderer stößt ihn zur Seite, das Schlauchboot fängt an zu schaukeln, die Menschen schlagen jetzt um sich, eine Welle schwappt ins Boot, sie schreien, sie brüllen. Vogel, der sonst so ruhig ist, brüllt zurück: "Easy! Everybody easy!" Er senkt die Handflächen vor der Brust, als könne er die Panik dämpfen. Später wird Vogel sagen, er habe sich gefühlt, als sei ein Tier auf ihn losgegangen.

Vogel wirft Rettungswesten auf das Schlauchboot, die neonroten Luftpolster fliegen durch den Morgenhimmel, die schwarzen Gurte flattern im Wind. Die Flüchtlinge streifen die Westen über. Eine Welle drückt das Rettungsboot gegen das Schlauchboot, dann schiebt eine andere Welle die Boote wieder auseinander. Vogel bekommt einen Arm zu fassen, zieht einen Mann an Bord.

Vogel und sein Rettungsteam bergen 64 Männer und 10 Frauen; Kinder sind nicht auf dem Boot. Später wird Vogel erfahren, dass fast keiner der Flüchtlinge schwimmen kann.

Wieder knattert der Außenborder. Das Rettungsboot hält auf die Aquarius zu. Am Horizont geht die Sonne auf, der Himmel färbt sich rosa, in der Ferne ist ein blassgrauer Streifen zu sehen: Libyen. Irgendwo dort, auf dem Meer, verläuft eine unsichtbare Linie. Zwölf Seemeilen vor der Küste trennt sie das Staatsgebiet Libyens von internationalen Gewässern. Die Linie liegt am äußersten Rand Europas – aber sie markiert einen Widerspruch, der die EU im Innersten zermürbt: den Widerspruch zwischen Hinschauen und Weggucken. Zwischen dem Schutz der Grenzen und dem Schutz der Menschenwürde.

Schaffen es Flüchtlinge, die Zwölf-Meilen-Grenze zu überwinden, haben sie das Recht, in Europa Asyl zu beantragen. Mit dem Überschreiten der Grenze werden sie zu juristischen Einzelfällen, zu einer offiziellen Angelegenheit: Man bringt sie an Land, nimmt ihre Fingerabdrücke, notiert ihre Namen. Man prüft in einem aufwendigen Verfahren, ob sie schutzbedürftig sind.

Schaffen es Flüchtlinge nicht über diese Grenze, bleiben sie für die EU unsichtbar. Egal ob sie Schutz vor Folter suchen oder bloß einen besseren Job – für die EU, die sonst keinen Aufwand scheut, um Flüchtlinge in Kategorien zu sortieren, sind sie dann alle gleich. Gleich chancenlos.

Sollte es der EU irgendwann gelingen, auch mit dem libyschen Staat ein Grenzschutzabkommen zu schließen, wird es vor allem eins bewirken: dass es kaum mehr jemand fertigbringt, die unsichtbare Linie im Meer zu überwinden.

Die Flüchtlinge, die Klaus Vogel an diesem Tag rettet, haben es über die Linie geschafft. An einer Strickleiter klettern sie aufs Deck der Aquarius. Vogel steht unten im Rettungsboot und schiebt die Menschen die Leiter hoch. An der Reling wartet der Chief. Er fuchtelt mit seinem Metalldetektor herum. Die Flüchtlinge haben keine Schuhe, sie haben kein Gepäck, sie haben nichts als ihre triefenden Kleider: vollgesogene Steppjacken, durchnässte Jogginghosen. Müde, aufgeweichte Körper. Der Chief legt den Metalldetektor beiseite und hilft den Menschen aufs Schiff – ohne Latexhandschuhe, mit bloßen Händen. Auch den Mundschutz wird er an diesem Tag nicht benutzen. Eine schwangere Frau klettert an Bord. Sie wankt, sie fällt, dann übergibt sie sich. Ein Mann sackt bewusstlos zusammen. An manchen Füßen klaffen Wunden, tief und fleischig, am Rand verkrustet von der salzigen See. Auf dem Achterdeck, neben den Dixi-Klos, knien vier Männer und drücken die Stirn auf den nassen Stahl. Sie beten.

Zehn Tage waren Kapitän Vogel und Chief Jurtschenko auf See. Zehn Tage haben sie auf diesen Moment gewartet, der eine, weil er musste, der andere, weil er wollte. Nie waren sie sich so ähnlich wie jetzt: zwei Männer, nass und verschwitzt, erschöpft von der Rettung und betäubt vom Elend. Beide schweigen, beide werden sich später zurückziehen, der Chief auf die Kommandobrücke, Vogel in seine Kajüte.

Unter Deck verwandelt sich die Aquarius in eine schwimmende Notaufnahme. Die Krankenschwestern verteilen Decken und Handtücher, messen Fieber, fühlen den Puls. Alle 74 Flüchtlinge kommen aus Westafrika. Viele von ihnen sind das, was man in der Sprache Europas einen Wirtschaftsflüchtling nennt: ohne Chance auf Asyl.

Schlepper prügeln die Flüchtlinge auf die Boote

Unter den Flüchtlingen, die in den vergangenen Jahren nach Europa flohen, zählen Menschen wie sie zur Kaste der Vergessenen. Europa stritt über die Syrer, über Afghanen, Iraker und Iraner. Fast nie war von Afrikanern die Rede. Gekommen sind sie trotzdem. Glaubt man den Statistiken der Vereinten Nationen, dann steigt auch ihre Zahl von Jahr zu Jahr.

Vogel hat mit dem Rettungsboot das Boot der Flüchtlinge an die Aquarius herangezogen. Nun, da alle Menschen geborgen sind, bleibt im Schlauchboot eine trübe Suppe zurück. Ein Gemisch aus Salzwasser und Ölschlieren, in dem Holzspäne schwimmen, leere Wasserflaschen, Verpackungen von Powerriegeln, Fetzen von Kleidern, ein Schuh. Vogel steht an der Reling und schaut hinunter ins leere Schlauchboot. Er deutet auf den maroden Außenborder, mit Klebeband umwickelt. "Damit überlebst du keine zwei Tage", sagt er. Er schaut auf die alten Holzplanken, die den Boden des Bootes verstärken. Und sieht, woher die Wunden an den Füßen der Flüchtlinge kommen: Offenbar stammen die Planken von einer Baustelle oder aus einem verfallenen Haus, Metallstifte ragen aus dem Holz hervor, fingerlang, scharf und spitz. "Das sind keine Schlepper", sagt Vogel. "Das sind Verbrecher."

Es ist oberstes Ziel der EU, die Schlepper zu bekämpfen. Weil sie auf dem libyschen Festland dafür keine Verbündeten findet, versucht sie es auf dem Wasser. Sie schickt Kriegsschiffe: Fregatten und Korvetten, sogar einen Flugzeugträger. Seit einem Dreivierteljahr geht das Militär vor der libyschen Küste auf Schlepperjagd. Deutschland beteiligt sich mit zwei Schiffen und 950 Soldaten an der Mission. Sie trägt den sperrigen Namen "European Union Naval Force – Mediterranean", kurz Eunavfor Med.

Das Problem ist nur: Es gibt auf dem Wasser keine Schlepper. Die Schlepper bleiben an Land. Sie prügeln die Flüchtlinge auf die Gummiboote, zeigen ihnen, wie man Außenborder und Steuerruder bedient, geben ihnen ein Satellitentelefon, die Nummer der italienischen Küstenwache und gerade genug Diesel, um es bis zur Zwölf-Meilen-Grenze zu schaffen. Dann schieben sie die Boote ins Wasser.

So beschreibt es der Befehlshaber der Eunavfor-Mission, der italienische Admiral Enrico Credendino, in einem Bericht an das Sicherheitspolitische Komitee der EU. Der Bericht kam im Februar 2016 über die Internetplattform WikiLeaks an die Öffentlichkeit.

Auf der Kommandobrücke der Aquarius kann man der Schlepperbekämpfung der EU zuhören, über Funk, UKW, Kanal 16. Man hört, wie Offiziere der italienischen Fregatte Aviere mit ihren Kollegen vom britischen Schiff Enterprise sprechen, man hört, wie Marinesoldaten der deutschen Korvette Ludwigshafen am Rhein vorbeikommende Containerschiffe und Fischerboote kontrollieren. Verrauschte Wortfetzen, Kommandos in gebrochenem Englisch. Manchmal, an klaren Tagen wie heute, können Vogel und der Chief die Kriegsschiffe auch sehen. Als graue Umrisse am Horizont.

Einer der Umrisse wird plötzlich größer, das Schiff hält auf die Aquarius zu, lautlos gleitet der Rumpf durch die See. Von Minute zu Minute kommt das Schiff näher, es ist eine Fregatte der britischen Navy, mit Helikopter und Kanonen an Bord. Wortlos sehen Vogel und der Chief zu, wie das Kriegsschiff die Aquarius umkreist und sich vor das leere Flüchtlingsboot schiebt. Rauch steigt auf. Als die Fregatte abdreht, ist das Schlauchboot verschwunden.

Im ersten halben Jahr der Marine-Operation wurde nur ein einziger Schlepper verurteilt. Weil die Militärs an die Drahtzieher des Fluchtgeschäfts nicht herankommen, konzentrieren sie sich darauf, die Boote der Schlepper zu zerstören, damit sie kein zweites Mal benutzt werden können. Mit der Folge, dass die Schlepper statt stabiler Holzboote nun billige Gummiboote aus China verwenden, was die Überfahrt noch gefährlicher macht.

Flüchtlingen, die außerhalb der Zwölf-Meilen-Grenze, in internationalen Gewässern, in Seenot geraten, müssen die Marinesoldaten helfen – auch wenn ihr Mandat anders lautet. Tausende Menschen haben sie in den vergangenen Monaten aus dem Wasser geholt. Aus Kriegsschiffen wurden Rettungsschiffe. Die EU hat Ländern wie Marokko Millionen überwiesen, damit von dort aus niemand mehr über das Meer gelangt. Nur um am Ende jene Menschen, die in der vergleichsweise ungefährlichen Straße von Gibraltar nicht durchgelassen werden, ein paar Hundert Seemeilen weiter östlich aus dem Meer zwischen Libyen und Italien zu fischen.

"Was hat Sie so müde gemacht?", fragt die Ärztin. Der Mann sagt: "Libyen."

"Braucht man uns hier überhaupt?", fragt der Chief, als er am Tag vor der Rettungsaktion den Funkverkehr der Royal Navy mithört. Die Briten sind gerade dabei, mehrere Dutzend Flüchtlinge zu bergen. Da weiß er noch nicht, dass schon am nächsten Tag das Schlauchboot mit den 74 Afrikanern in Seenot geraten wird – und außer der Aquarius kein anderes Schiff in der Nähe sein wird. Und dass nur wenig später, Ende März, 120 Menschen vor der libyschen Küste ihr Leben verlieren werden.

"Stromstöße im Kopf" und "Rape Kit" an Bord

Auf der Aquarius ist es still geworden. Im Schlafsaal ist der blaue Linoleumboden mit Decken und Menschen bedeckt. Sie hocken, kauern, liegen. Klaus Vogel, noch immer im weißen Overall, steckt den Kopf durch die Tür. Niemand bemerkt ihn. Langsam lässt er den Blick über die müden Körper wandern. Keiner der Flüchtlinge weiß, dass er, der gut bezahlte Kapitän von Hapag-Lloyd, sein gewohntes Leben aufgegeben hat, um ihres zu retten. "Hello everybody", flüstert er, so leise, dass es keiner hört. Dann geht er wieder.

In der Kajüte, in der die Kranken behandelt werden, nähen die Ärztinnen Wunden und schienen Knochen. Sie legen Infusionen für die Dehydrierten, setzen Spritzen gegen die Übelkeit, verabreichen Schmerzmittel. Eine Frau kommt herein. Sie ist schwanger. Die Ärztin legt ihr das Stethoskop auf den Brustkorb, tastet den Rücken ab. Als sie nach dem Vater des Kindes fragt, bricht die Frau in Tränen aus.

Im Jahr 2014 hat der Flüchtlingsdienst des Jesuitenordens Menschen befragt, die aus Libyen nach Europa flohen. Viele Frauen und Männer berichteten von Polizisten und Wachmännern, die sie mit Eisenstangen schlugen, mit Schlagstöcken, Ketten und Holzplanken. Die ihnen Stromstöße mit Elektroschockern verpassten. Die Frauen zum Sex zwangen, mehrmals täglich, allein und in Gruppen. Ein amerikanischer Journalist, der Anfang des Jahres nach Libyen reiste, berichtete von Schleppern, die Flüchtlingsfrauen so lange vergewaltigen ließen, bis sie schwanger wurden. Mit einer Schwangeren an Bord, sagte ein Schlepper dem Journalisten, könne er mehr Geld für die Tickets verlangen – weil die Flüchtlinge von ihren Rettern dann besser behandelt würden.

Die Ärztinnen auf dem Schiff haben sich auf solche Fälle vorbereitet. In einer Plastikbox bewahren sie Medikamente für misshandelte Frauen auf: Wundsalbe, die Pille danach und Antibiotika gegen Geschlechtskrankheiten. "Rape Kit" nennen sie diese Box.

Ein hagerer Mann aus dem Senegal betritt die Kajüte.

"Was fehlt Ihnen?", fragt die Ärztin.

"Ich habe Ohrenschmerzen."

Die Ärztin schaut ihm ins Ohr. "Hat es aus Ihrem Ohr geeitert?", fragt sie.

Er schüttelt den Kopf.

"Haben Sie Schnupfen?"

Er schüttelt den Kopf.

"Hat Ihnen jemand auf Ihr Ohr geschlagen?"

Er nickt.

Ein anderer Flüchtling sagt, er habe "Stromstöße im Kopf". Einer weint, einer klagt, er sei unendlich müde. "Was hat Sie so müde gemacht?", fragt die Ärztin. Der Mann sagt: "Libyen."

Der Mann heißt Lamin. Er kommt aus Gambia, aus der Hauptstadt Banjul. Er sagt, die Schlepper in Tripolis hätten ihn geprügelt, mit den Kolben ihrer Gewehre. "Businessmen" nennt er sie. "They own you", sagt er, sie besitzen dich. Glaubt man Lamin, dann schickten ihn die Schlepper von morgens bis abends zum Arbeiten: Er musste die Terrasse schrubben und Wäsche waschen bei einer libyschen Familie, Ziegel und Zementsäcke schleppen auf dem Bau, irgendwo vor den Toren von Tripolis, für ein paar Dinar. Ein Jahr lang habe es gedauert, dann habe er 1.000 Dinar beisammen gehabt, 650 Euro, den Preis für einen Platz im Boot, für das Ticket nach Europa, einen kleinen Zettel mit blauem Stempel. Viel billiger geht es nicht. Im Winter geben die Schlepper Rabatt – weil dann weniger Flüchtlinge die Überfahrt wagen. Das Risiko zu sterben ist größer als im Sommer: Das Wasser ist kälter, die Wellen sind höher und die Stürme unberechenbar.

Bei der Abfahrt an einem Strand bei Tripolis, sagt Lamin, seien vier oder fünf Menschen ertrunken. Stockfinster sei es gewesen, die Menschen seien vom Boot gerutscht, er habe sie schreien gehört. Irgendwann seien die Schreie leiser geworden. Und dann verstummt. Er sei nicht zu den Menschen ins Wasser gesprungen, habe ihnen nicht geholfen, sagt Lamin, obwohl er doch schwimmen könne, er, ein Junge vom Atlantik, von der Mündung des Gambia-Flusses. "Möge Gott mir vergeben", sagt er.

Auf dem Deck legen die Männer ihre Hosen zum Trocknen aus. Einer kniet auf dem Boden und entfaltet einen aufgeweichten Zettel. Mit Kugelschreiber hatte er darauf Telefonnummern notiert, bevor er ins Schlauchboot stieg, Kontakte in Italien. Winzige blaue Ziffern, die jetzt vom Wasser zu verwischen drohen. Er legt den Zettel in die Sonne. Er kam ohne Rucksack an Bord, ohne Pass. Nur den Zettel brachte er mit.

Als alle Kleider getrocknet, alle Wunden verarztet sind, werden aus den panischen Tieren, von denen Klaus Vogel sprach, wieder Menschen. Lamin blinzelt in die Sonne. Irgendjemand hat ihm eine Zigarette gegeben, die er sich mit einem Landsmann aus Gambia teilt, einem hageren Mittzwanziger mit Holzkette um den Hals. Er sagt, er habe eine wichtige Frage: "Ist Bayern noch in der Champions League?"

Oben auf der Brücke steht der Chief. Die Küstenwache hat ihm eine Order geschickt: Die Aquarius soll die Flüchtlinge nach Lampedusa bringen. Der Chief ändert den Kurs. Mit 74 Frauen und Männern an Bord, eingehüllt in Decken und weiße Handtücher, fährt die Aquarius zurück nach Europa. Zwölf Stunden später wird die Insel wie eine steinerne Scholle im Meer auftauchen. Im Gänsemarsch werden die Flüchtlinge über die Gangway schreiten, in Wollsocken werden sie europäischen Boden betreten. Lamin wird als Letzter von Bord gehen. Klaus Vogel wird an der Gangway stehen und jedem die Hand zum Abschied reichen.

Vorher aber, am Abend nach dieser, seiner ersten Rettungsfahrt, sitzt Klaus Vogel im Bauch der Aquarius, in der Kantine des Schiffs. Er hat den Kopf auf die Hände gestützt und spielt Schach mit einer der Krankenschwestern. Hinter ihm, auf dem Fernsehschirm, laufen Nachrichtenbilder aus Griechenland. Das Dorf Idomeni, die abgeriegelte Grenze nach Mazedonien. Die Kamera zeigt bunte Zelte und riesige Pfützen, man sieht Kinder, die in der Kälte zittern, Frauen, die im Schlamm ihre Babys wickeln, Männer, die gegen den Grenzzaun drücken, Polizisten, die Tränengas sprühen. Es sind die ersten Bilder einer neuen europäischen Wirklichkeit. Die Balkanroute ist abgeriegelt. Aber die große Flucht ist nicht zu Ende. Es gibt einen neuen, alten Weg nach Europa. Er führt über Libyen.