Wie kommt es, dass bei politischen Podiumsdiskussionen oft nur Männer auf der Bühne sitzen? Dafür eine überzeugende Erklärung zu finden fällt Organisatoren von Konferenzen und Workshops immer schwerer. Egal, ob IT-Gipfel oder Konferenzen zu Frauenrechten (ja, doch!) – die Öffentlichkeit achtet heute auf so etwas. Der beliebte Tumblr-Blog All Male Panels führt genüsslich stark XY-lastige Podien auf. Sechs führende Denkfabriken in Washington haben über 200 Konferenzen zum Thema Nahost abgehalten, und bei erstaunlichen 65 Prozent saß nicht eine einzige Frau auf dem Podium. Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum waren nur 23 Prozent der Sprecher und Moderatoren Frauen. 20 Prozent der Expertenteams, die die große Bandbreite der Themen Energie, Flüchtlinge und die finanzielle Zukunft Europas abdeckten, waren ausschließlich mit Männern besetzt. Vor allem in sicherheitspolitischen Runden herrscht ein Frauenmangel.

Vermutlich macht sich niemand mit Absicht daran, ein Podium rein männlich zu besetzen. Einige lassen schlicht außer Acht, wie wichtig die Beteiligung von Frauen ist, und sagen: "Hier geht es gar nicht um Geschlechterrollen, da ist das doch egal." Oder: "Nicht so wild, wir haben eine Moderatorin." Wohlmeinende Organisatoren verzweifeln immer wieder an vermeintlich unüberwindlichen Hürden. "Es gibt keine Expertinnen zu diesem Thema" oder "Wir haben eine eingeladen, aber sie hat abgesagt" höre ich oft. Ich empfehle dann: Seien Sie weniger verbissen, aber dafür klüger. Hier habe ich sieben Ratschläge für Ihr nächstes sicherheitspolitisches Panel:

1. Versuchen Sie zu verstehen, warum Geschlechtervielfalt wichtig ist. Unabhängig vom Thema verbessert eine breite Spanne an qualifizierten Stimmen und Perspektiven die Qualität des Gesprächs. David Rothkopf vom Magazin Foreign Policy gehört zu den Männern, die nicht als Redner auftreten, wenn keine Frauen eingeladen sind. Er sagt: "Man kann keine ernsthafte Diskussion führen oder Ergebnisse nachhaltig beeinflussen, wenn die Perspektive der Frauen außen vor bleibt."

2. Allgemeine Bekenntnisse reichen nicht. Formulieren Sie deutlich, wie groß der Anteil qualifizierter Frauen im Panel und insgesamt sein soll. Stoßen Sie auf Probleme, wenden Sie sich an eines der vielen Netzwerke, in dem sich Fachfrauen zusammengeschlossen haben.

3. Binden Sie Frauen in die Vorbereitungen ein. Wer keine Frauen in die Planungen einbezieht, steht nachher ohne Frauen auf der Bühne da. Das ist wenig überraschend.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 16 vom 7.4.2016.

4. Achten Sie darauf, wie Sie Frauen anfragen. "Wir haben ja Frauen eingeladen, aber die haben alle Nein gesagt", klagen Organisatoren gern. Aber die Frage, warum Frauen Einladungen ablehnen, sollte untersucht werden. In einigen Fällen gibt es ein kniffliges Problem: Frauen zögern manchmal, sich zu "Expertinnen" zu erklären. Veranstalter können Frauen aber die Zusage erleichtern. Sie könnten beispielsweise eine Frau, die bei einem früheren Termin gesprochen hat, eine andere Frau einladen lassen. Vor allem sollte den angefragten Teilnehmern von Anfang an klar sein, dass andere Frauen auf der Bühne sein werden.

5. Suchen Sie nicht nach Ausreden. Sprechen Sie mir nach: "Ich werde kein rein männliches Podium zusammenstellen und dann noch schnell eine Moderatorin einladen." Das ist der Klassiker. Teilnehmende (und eingeladene Rednerinnen) durchschauen diese Masche. Das Podium wird nach seinen Meinungen und Erkenntnissen gefragt, während es der Moderation zufällt, das Gespräch in Gang zu halten. Beides sind wichtige Rollen, aber sie sind nicht identisch. Frauen können – und sollten – beide Aufgaben übernehmen.

6. Überprüfen Sie Ihre Kriterien. "Mein ganz wichtiges Event braucht unbedingt Redner aus der ersten Liga!" ist eine gern vorgebrachte Entschuldigung. Sehr bequem, denn je höher die Position – zumindest in Regierungskreisen –, desto seltener trifft man auf Frauen. Es gibt zwar auch reichlich ranghohe Frauen, die man ansprechen könnte, trotzdem ist eine Position nicht der einzige Indikator für Einfluss. Vor Kurzem habe ich eine Podiumsdiskussion bei einer internationalen Sicherheitskonferenz geleitet. Neben Spitzengenerälen aus Kanada und den USA war dort auch Amira Yahyaoui, eine beeindruckende Rednerin aus Tunesien. Sie leitet eine Organisation, die für Transparenz und Verantwortlichkeit in der Regierungsarbeit kämpft. Sie hat mehr Follower auf Twitter als die tunesische Fußballnationalmannschaft. Wir dürfen uns von Titeln nicht blenden lassen.

7. Vorsicht bei unterschwelligen Botschaften. Wenn eine Publikumsfrage zum Thema Geschlechtergleichheit kommt, wenden Sie sich nicht automatisch an die Frauen im Podium! Auch Männer sind ein Geschlecht.

Mit diesen Schritten können wir bei unseren Round Tables und den Podiumsveranstaltungen den Sicherheitsdiskurs erweitern. Und mehr noch: Mehr Vielfalt bei Sicherheitskonferenzen wird sich auf andere Bereiche auswirken, von den Medien bis zu Verhandlungstischen. Wir brauchen viele verschiedene Perspektiven – nicht nur die der Frauen, sondern auch die der Jugend, der Minderheiten und andere –, um kreativ zu sein im Umgang mit globalen Bedrohungen.

Aus dem Englischen von Matthias Schulz

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