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Soja hat einen guten Ruf: Die Bohne ist ein Allround-Nahrungsmittel, dient Vegetariern in Form von Tofu als Fleischersatz. Umso schockierender war die Nachricht, mit der die Europäische Gesellschaft für menschliche Reproduktion und Embryologie 2008 an die Öffentlichkeit ging: Ein Forscher der amerikanischen Harvard-Universität hatte in einer Studie an 99 Männern festgestellt, dass diejenigen, die mindestens eine halbe Portion Sojanahrung pro Tag zu sich nahmen, eine geringere Spermienkonzentration aufwiesen. Bei stark Übergewichtigen war der Effekt besonders ausgeprägt. Der Wissenschaftler machte die im Soja enthaltenen Isoflavone dafür verantwortlich.

Diese Isoflavone gehören zu den sogenannten Phytoöstrogenen – das sind hormonähnliche Stoffe, die in Pflanzen enthalten sind. Sie sind nicht identisch mit menschlichen Hormonen, können aber in unserem Körper an die Hormonrezeptoren andocken. Dort können sie entweder ähnlich wie die weiblichen Geschlechtshormone wirken oder aber einen umgekehrten Effekt haben, weil sie die echten Östrogene in ihrer Wirkung behindern. Die Harvard-Studie wurde allerdings von anderen Wissenschaftlern kritisiert. Sie hatte nämlich keine Unterschiede in der absoluten Spermienmenge feststellen können. Und in asiatischen Ländern, wo viel Soja verzehrt wird, sind die Männer generell weder verweiblicht noch in großer Zahl unfruchtbar. Die meisten Forscher sagen heute: Männer können ohne Angst um ihre Fruchtbarkeit Sojaprodukte essen.

Bezüglich seiner Wirkung auf Frauen wird dem Soja hingegen von manchen Forschern Positives nachgesagt. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker vermutete im Jahr 2000, dass Phytoöstrogene wie eine Art Hormonersatztherapie wirkten. So hätten Asiatinnen mit hohem Sojakonsum weniger Beschwerden in den Wechseljahren und ein um 25 Prozent niedrigeres Brustkrebsrisiko.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 18 vom 21.4.2016.

Von der Einnahme spezieller Präparate mit hoher Isoflavon-Dosierung riet das Gremium allerdings ab. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schloss sich dem Urteil an – die Wirkungen dieser Präparate seien viel zu wenig erforscht.

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