Das Ziel erscheint unglaublich: Im Jahr 2050 sollen Roboter den menschlichen Fußballweltmeister schlagen. Dafür wird trainiert in den RoboCups, jährlichen Turnieren mit Robotermannschaften aus Mexiko, dem Iran oder Australien. Das Team B-Human der Uni Bremen ist viermaliger Weltmeister und das beste Team Europas. Die Spieler: Naos, kleine weiße Roboter, deren Plastikkörper an Playmobil-Figuren erinnern.

Ein Nao will gerade aufs Tor schießen, fällt dabei aber um. Das passiert oft. Er liegt mit dem Rücken auf einem Teppich-Fußballfeld, das Informatikstudenten im Uni-Flur ausgerollt haben. Sie haben die Software der Roboter geschrieben – heute ist Projektpräsentation. Um das Feld stehen Typen mit Brille, mit Bart, mit Bart und Brille. Und eine Studentin. Die Naos gehen ihnen nicht mal bis zum Knie. Einer startet. Auf einer Leinwand erscheinen Bilder, gefilmt von der Kamera auf seiner Stirn. Er dreht den Kopf und tippelt los. Dann fällt der Nao wieder hin. Diesmal liegt er auf dem Bauch, hievt sich in einem Ruck hoch. "Wie geil!", ruft ein Student. "Der Move ist neu, oder?" Zustimmung aus der Runde. Fachsimpelei. Er kann jetzt in zweieinhalb Sekunden aufstehen, sechs Sekunden schneller als vorher. Und die Bewegung schont sein Hüftgelenk. Ich lerne: Naos sind zarte Geschöpfe. Die Zahnräder aus Plastik brechen leicht, während der Meisterschaften muss nach fast jedem Spiel einer repariert werden.

Jesse, ein Student mit Cap und Brille, verzieht sich in den Projektraum, um zu programmieren, ich komme mit. Wir gehen vorbei an WM- und EM-Trophäen, bis zu einer Tür, die er mit seiner Karte öffnet. Es riecht nach Kaffee, auf dem Tisch liegen Kabel, Boxen und ein abgegriffener Zauberwürfel. Jesse holt einen Nao aus der Ecke und drückt auf den Knopf auf seinem Bauch. Lichter blinken auf. "Sie treffen Entscheidungen komplett alleine?", frage ich. "Im Prinzip ja. Wenn man die Software selbst geschrieben hat, weiß man aber natürlich ungefähr, was kommt", sagt Jesse. Außerdem zeigen die LED-Lichter an den Augen, ob der Nao gerade verteidigt oder angreift, was er sieht. Linkes Auge, weißes Licht: Er sieht den Ball. Der ist seit diesem Jahr nicht mehr rot, sondern schwarz-weiß. Für den Nao gar nicht so leicht von den grau-weißen Robotern zu unterscheiden. Solche neuen Regeln für die RoboCups kommen jedes Jahr dazu, damit die Software sich weiterentwickelt.

Schachspieler haben der künstlichen Intelligenz schon seit Jahren nichts mehr entgegenzusetzen, vor Kurzem siegten die Maschinen auch im Go, dem wohl kompliziertesten Strategiespiel, das sich der Mensch ausgedacht hat. Upcoming: die Eroberung des Fußballplatzes.

Ich schaue auf den Nao. Seine LED-Augen leuchten, seine linke Plastikhand ist mit Tape abgeklebt. Nach ein paar Schritten fällt er um. Noch scheitert er an einer Falte im Teppich.