Trumps neue Schule ist eine Welt, die eine Abneigung gegen alles Intellektuelle nährt. Disziplin ist wichtiger als gute Noten. Im Verborgenen jedoch wachsen pubertäre Anarchie und Grausamkeit. Das Schikanieren der Schwächeren ist ein inoffizielles Ritual. Trump setzt sich schnell an die Spitze der Hierarchie.

Mit 18 Jahren schließt er die Schule ab und geht zunächst auf ein nicht besonders gutes College in der Bronx, einem Arbeiterstadtteil von New York. Seine Noten reichen nicht für eine Eliteuniversität. Donald Trump hat jedoch Glück: Ein Schulfreund seines älteren Bruders arbeitet im Zulassungsbüro der angesehenen University of Pennsylvania und verschafft ihm dort einen Studienplatz. 1968 schließt Trump sein Wirtschafts-Grundstudium ab.

Es ist die Zeit der Bürgerrechtsbewegung und der Studentenproteste. Amerika ist in Aufruhr, Tausende junge Menschen träumen von einer besseren Welt. Hillary Clinton, die zur selben Zeit studiert wie Trump, entwickelt sich in diesen Jahren zu einer bekannten Aktivistin. Trump dagegen hält sich von den Protesten fern. Politik interessiert ihn nicht. Eine bessere Welt? Er ist doch schon reich, nach der Uni wird er in das Unternehmen seines Vaters einsteigen, was soll da noch besser werden?

Hillary Clinton und Donald Trump: Der Wahlkampf des Jahres 2016, er ist auch zu begreifen als Machtprobe zweier nahezu gleich alter und doch sehr unterschiedlicher Generationsgenossen. Babyboomer gegen Babyboomer.

Wayne Barrett, investigativer Journalist: Donald Trump hat einen riesigen Spiegel gegenüber seinem Schreibtisch im Trump Tower. Als er einmal gefragt wurde, zu wem er aufschaue, wenn er Rat suche, sagte er: "Zu mir selbst. Ich schaue mich im Spiegel an."

2. Ein erster Kampf

Im Juni 1972 steht ein Mann namens Godfrey Jacobs vor den Beach Haven Apartments, einem New Yorker Wohnkomplex, der zum Imperium der Trumps gehört. Die Familie besitzt 27.000 Mietwohnungen in New York, der 26-jährige Donald ist inzwischen Chef des Unternehmens, eines der größten in der amerikanischen Immobilienbranche.

Godfrey Jacobs würde gerne eine Wohnung mieten, aber der Hausmeister teilt ihm mit, es sei nichts frei. Dann sieht sich ein anderer Mann, George Johnston, die Apartments an. Er bekommt auf der Stelle einen Mietvertrag angeboten. Der Unterschied: Jacobs ist schwarz, Johnston ist weiß.

Beide Männer arbeiten in Wahrheit für eine Bürgerrechtsorganisation. Die Erlebnisse der Testmieter beweisen: Donald Trump hat gegen den Fair Housing Act verstoßen. Das Gesetz soll verhindern, dass Schwarze auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt werden.

Linke Studenten sind nun im ganzen Land unterwegs, um Verstöße gegen das neue Gesetz aufzudecken. Auch Hillary Clinton war zwischenzeitlich dabei. Die Recherchen der Staatsanwälte und des FBI ergeben: Trump hat seine Angestellten angewiesen, Unterlagen schwarzer Bewerber abzulehnen und mit einem "C" zu markieren. "C" für colored. Farbig. Ein klarer Gesetzesbruch.

Michael D’Antonio, Trump-Biograf: Donald Trumps Vater soll Verbindungen zum Ku-Klux-Klan gehabt haben. 1927 wurde er bei einer gewalttätigen Demonstration des Ku-Klux-Klan festgenommen.

Im Herbst 1973 beginnt das Gerichtsverfahren gegen Donald Trump. Am 12. Dezember hält er im New Yorker Hilton-Hotel eine Pressekonferenz ab. Er sagt: "Die Vorwürfe der Klage sind absolut lächerlich." Trump kündigt eine Gegenklage an. Die Regierung wolle ihn zwingen, Wohnungen an "Sozialhilfeempfänger" zu vermieten – ein Codewort für Schwarze.

Michael D’Antonio: Das war das erste Mal, dass Donald Trump diese Taktik benutzte: Er tat so, als sei in Wahrheit er das Opfer, dem ein Unrecht widerfährt.

Das Gerichtsverfahren dauert fast zwei Jahre, bis 1975. Es leidet darunter, dass nie richtig klar war, wie ein Verstoß gegen den Fair Housing Act zu bestrafen ist. Und kann man eine gemischte Mieterschaft überhaupt per Gesetz erzwingen? Am Ende sieht das Gericht davon ab, Donald Trump zu verurteilen. Er muss sich lediglich verpflichten, schwarzen Bewerbern künftig die gleichen Chancen zu geben wie weißen. 1978 werden die Richter feststellen, dass Trump sich nicht an die Auflagen gehalten hat. Aber auch dann wird er nicht verurteilt, sondern lediglich ermahnt. Noch 1983 leben in einigen seiner Wohnkomplexe fast ausschließlich Weiße, wie eine Bürgerrechtsgruppe recherchieren wird.

Heute, im Wahlkampf, fordert Donald Trump, Gesetzesbrecher endlich wieder richtig hart anzufassen. Wären die New Yorker Richter in den siebziger Jahren den Maßstäben des Donald Trump von 2016 gefolgt, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner wäre heute wohl ein anderer. Aber Trump hat damals Glück. Man lässt ihn gewähren.

Es ist dies ein Muster, das sich durch sein Leben ziehen wird: Immer wieder profitiert er von Zuständen, die er später kritisiert.

Trumps Vater hatte vor allem billige Mietskasernen in den New Yorker Stadtvierteln Queens und Brooklyn gebaut. Nach der für ihn so glimpflich ausgegangenen Begegnung mit der Staatsgewalt macht sich Donald Trump daran, das Geschäft auszuweiten: in das teure Manhattan.