6. Die Show geht erst richtig los

Am 16. Juni 2015 fährt Donald Trump im Trump Tower eine goldene Rolltreppe herunter, neben ihm ein paar Fernsehkameras und seine inzwischen dritte Ehefrau, Melania, mal wieder eine Osteuropäerin. Trump steigt auf eine Bühne und sagt: "Unser Land hat ernste Probleme. Früher haben wir noch Siege gefeiert, aber jetzt feiern wir keine Siege mehr."

Dann spricht er die Sätze, die ihm wie auf Bestellung die Titelseiten der Zeitungen in aller Welt sichern. "Wenn Mexiko seine Leute schickt, dann schicken sie nicht die Besten. (...) Die bringen Drogen, die bringen Kriminalität." Die Einwanderer, sagt Trump, seien "Vergewaltiger". Aber: "Manche, nehme ich mal an, sind auch gute Leute."

"Also, Ladys und Gentlemen, ich bewerbe mich offiziell als Präsident der Vereinigten Staaten, und wir werden unser Land wieder great machen."

Professoren, Journalisten, Wahlforscher – ernst nimmt ihn keiner. Was sie nicht davon abhält, über ihn zu reden, über ihn zu schreiben, die Kamera auf ihn zu richten. Es ist Geschichte, die sich wiederholt: Trump treibt die Auflagen und Einschaltquoten hoch. Alles andere ist zweitrangig.

Im ersten Jahr seines Wahlkampfes berichten die Medien über Donald Trump fast dreimal so ausführlich wie über Hillary Clinton. Für die entsprechenden Werbeplätze hätte Trump zwei Milliarden Dollar zahlen müssen.

Als die Journalisten ihn endlich ernst nehmen, als sie endlich recherchieren und kritische Fragen stellen, da hat er schon eine Anhängerschaft, die so groß ist, dass sie von allein weiterzuwachsen scheint. Journalisten? Braucht er jetzt nicht mehr.

Donald Trump via Twitter, 13. März 2016: Die erfolglose New York Times ist wirklich eine der schlimmsten Zeitungen. Die schreiben Lügen und rufen nicht einmal an, um ihre Aussagen zu überprüfen. Wirklich schlechte Leute!

Die amerikanische Justiz, die Stadt New York, die Banken, die Medien, die Republikanische Partei – gegen sie alle hat Donald Trump in den vergangenen Jahrzehnten gekämpft. Gegen sie alle hat er gewonnen, obwohl er meistens ganz allein war, weil sie zu schwach oder zu mutlos waren, sich gegen ihn zu stellen. Heute arbeiten für Hillary Clinton 1.000 hauptamtliche Wahlhelfer. Lauter Experten, Statistiker, Analysten, Politologen. Donald Trump beschäftigt weniger als 100.

Aber das heißt nicht, dass er weniger Unterstützung hätte. Ihm helfen viele Millionen Anhänger da draußen in diesem weiten Land. Die weiße Mittelschicht, die weiße Arbeiterschicht, die zu ihm aufsieht. Die so sein möchte wie er.

Donald Trump via Twitter, 9. Mai 2016: Die unehrliche Hillary Clinton sagt, sie hat mehr Vorwahlstimmen als Donald Trump. Aber ich musste 17 Konkurrenten schlagen – sie nur einen!

Donald Trump via Twitter, 10. Mai 2016: Warum beharren die Medien, mit starker Unterstützung der unehrlichen Hillary, auf der falschen Aussage, dass ich die Steuern erhöhen will?

Donald Trump via Twitter, 10. Mai 2016: Habt kein Mitleid mit der unehrlichen Hillary!

Trump hat seine Gegnerin ins Visier genommen. Wenn morgen Wahlen in Amerika wären, würden laut aktuellen Umfragen 48 Prozent der Wähler für Hillary Clinton stimmen, 45 Prozent für ihn. Die restlichen sind noch unentschlossen. Es wird knapp. Einen einzigen, einen letzten Kampf muss er noch gewinnen, um sich die wichtigste Immobilie der Welt anzueignen: das Weiße Haus.