Der Himmel ist blau, bestes Wetter, beste Stimmung. Die sogenannten TopSportVereine der Stadt treffen sich, besser gesagt: die 27 Vorsitzenden und Geschäftsführer der großen und professionell geführten Vereine der Metropolregion treffen sich mit dem obersten Sportbeauftragten der Stadt, mit Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD). Ein Gruppenbild an der Elbe, alle lachen, alle sind munter. Herrlich!

Gar nicht herrlich, findet Heike Sudmann, Abgeordnete der Linken in der Bürgerschaft. Sudmann sieht das Bild auf Twitter. Sport-Staatsrat Christoph Holstein (der auch auf dem Bild zu sehen ist, als Zweiter von links) hat es gepostet und dazu geschrieben: "Sportsenator Andy Grote und die Vertreter der #Topsportvereine". Sudmann schaut sich das Bild an, schaut nicht auf den blauen Himmel. Sie schaut stattdessen in die Gesichter und sieht: Männer. Zwar grinsende Männer, aber immer noch: Männer. Allesamt Männer. Das kann doch nicht sein, denkt sich Sudmann wohl und twittert: "Suchbild der #topsportvereine: Wo sind die Frauen?" Und an den Sportstaatsrat schreibt sie: "da gibt es noch viel zu tun".

Was für eine Pleite. Da will der Sportstaatsrat ein nettes Foto posten, und dann so was: Gender-Diskussion.

Was ist da los im Hamburger Sport? Sieht man morgens beim Joggen nicht viel mehr Frauengruppen in den Parks? Bestehen die Yogakurse in der Stadt nicht aus Frauen und ganz wenigen Männern, die nur kommen, weil sie gern eine Frau fänden, die Yoga macht? Warum finden diese Frauen nicht ihren Weg an die Spitze der Clubs? Warum werden all diese Vereine von Männern geführt? Gibt es auch im Hamburger Sport so etwas wie eine gläserne Decke, nach dem Motto: Im Dauerlauf darfst du ruhig die Schnellste sein, aber wenn es um das Amt des Kassenwartes geht, dann hast du keine Chance, heißt ja Kassenwart, das Amt, nicht Kassenwärtin, ist das klar, Baby?

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 22 vom 19. Mai 2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Sportstaatsrat Holstein hat darauf natürlich keine Antwort. Kassenwart, Kassenwärtin, das müssen die Vereine schon selbst unter sich ausmachen. Aber auf die große Frage zu den Frauen an den Spitzen der Hamburger Sportvereine hat er eine Antwort: "Das ist ein Problem." Holstein steht nicht auf der anderen Seite, er widerspricht Heike Sudmann nicht, er pflichtet ihr sogar bei. Er habe bei dem Gruppenfoto noch gescherzt: Guckt mal, sind wir wieder ausgewogen. Er habe noch mit einer Mitarbeiterin von Sportsenator Grote darüber gesprochen, ob er das Bild überhaupt twittern solle. "Aber wenn die Konstellation so ist, dann zeigen wir sie auch."

Sport und Frauen, das ist in Hamburg kein ganz neues Thema. Schon während der Olympia-Bewerbung gab es Diskussionen. Ein Imagefilm zeigte ganz viele Sportler, aber kaum Frauen. Bei der Abstimmung stimmten mehr Männer für Olympia als Frauen. Und auf Verbandstagen oder Konferenzen sieht man oft nur vereinzelt Frauen im Publikum. Wenn, dann protokollieren sie oft für ihren Verein, als Schriftführerin. Ganz schön alte Welt.

Holstein hat deshalb am Montag eine Mail an Heike Sudmann geschrieben. Darin steht: "Ob Sie’s glauben oder nicht: Sie sprechen mir aus der Seele."

Die Politik ist sich also einig. Jetzt muss sich nur noch der Sport bewegen.