Jüngst starben drei Ost-Prominente: Klaus Ampler, Johannes Bauer und Margot Honecker. "Neptun" Ampler war das Radsport-Idol meiner Jugend; 1963 gewann er die Friedensfahrt. Der Posaunist Johannes Bauer zählte zu den großen Improvisatoren des Free Jazz. Margot Honecker war Volksbildungsministerin der DDR und erwarb sich derart unvergessliche Verdienste, dass Medien-Deutschlands Nachrufe gewiss bis Chile schallten. Ampler und Bauer fand ich nirgends gewürdigt. Immerhin gewährte die Süddeutsche Zeitung Emma-Maria Lange, der gleichfalls verstorbenen Schöpferin des Fernseh-Kobolds Pittiplatsch, eine West-Fußnote. Die wenigen Zeilen handelten von Pippi Langstrumpf.

Ereignete sich Ost-Geschichte nur auf höchster SED-Ebene oder in kirchlichen Widerstandskreisen? Diese einheitsdeutsche Unbildung ist so erbärmlich, dass man die Internationale singen möchte: "Uns aus dem Elend zu erlösen / können wir nur selber tun!" Diesbezüglich beging die Stadt Jena am vergangenen Freitag eine rühmenswerte Tat. Die Europapokal-Helden des FC Carl Zeiss Jena durften sich ins Goldene Buch eintragen – exakt 35 Jahre nach dem Europapokal-Finale vom 13. Mai 1981. Die Festrede des Ostkurveurs mitsamt den historischen Fakten lässt sich auf ZEIT ONLINE nachlesen. Hier nur so viel: Hans Meyers Zeiss-Kicker schlugen in dramatischen Schlachten AS Rom, Pokalverteidiger Valencia, den walisischen Kampfclub Newport County und Benfica Lissabon. Im Düsseldorfer Finale unterlag Jena hauchdünn den überragenden Georgiern von Dynamo Tbilissi. Ob dieser Schande explodierte der Genosse Biermann, Werksboss des VEB Carl Zeiss. Er ließ das Festbankett abräumen und beköstigte die Heimkehrer mit Straftraining.

Jetzt wurde in Jena etwas gutgemacht. Die späte Ehrung kuriert auch ein großes Ost-Problem: die Missachtung der eigenen Geschichte. Was war, gilt oft generell als minderwertig, weil geschehen in der Diktatur. Doch wer sich selbst geringschätzt, taugt auch wenig zur Demokratie. Ich halte es mit dem Apostel Paulus: "Prüft aber alles, und das Gute behaltet." In meiner Erinnerungskiste schlummert Klaus Amplers Autogramm, ergattert am 17. August 1969 beim Kowalit-Preis in Waltershausen (Ampler gewann). An Johannes Bauers Todestag lauschte ich seinem Quartett Doppelmoppel, aufgenommen in Quebec am 17. Mai 1998. Von Margot Honecker habe ich kein Souvenir.