Am Anfang der Nero-Show im Rheinischen Landesmuseum steht uns der Protagonist als Jüngling gegenüber – in Marmor gehauen, unschuldig, noch nicht Kaiser. Wir sehen ein wandfüllendes, seit hundert Jahren nicht mehr gezeigtes Werk des Historienmalers Joseph-Noël Sylvestre: Nero beim Testen; ein Sklave stirbt an einer Probe des Gifts, mit dem Nero später Stiefbruder Britannicus aus dem Weg räumen ließ. Und plötzlich sind wir staunende Betrachter antiker Trümmer. Eine Brandruine steht für die nächste Station seines Lebens – die Feuersbrunst Roms. Inszeniert mit dem durchgeglühten Eisengitter und echten Keramikscherben aus einer Töpferwerkstatt des alten Roms.

Der römische Kaiser Nero, von Mutter Agrippina im Jahr 54 mit allen Mitteln (auch mit mörderischen) an die Macht gebracht, ist zu einer der berühmtesten Figuren der Geschichte geworden. Fünf Jahre lang regierte er ordentlich. Aber dann: Er ließ seine Mutter erdolchen, nachdem es misslungen war, sie im Meer zu ertränken. Er verprasste Milliarden, indem er Orgien feierte, mit dem "Goldenen Haus" einen Protzpalast bauen und ein 36 Meter hohes Bronzebildnis von sich errichten ließ. Er machte sich lächerlich, als er sich länger als ein Jahr in Griechenland herumtrieb und mit 1.808 Siegerkränzen zurückkehrte – gewonnen in Olympia, Delphi oder Sparta bei Sport- und Gesangswettkämpfen, deren Sieger stets von vornherein feststand.

Nero verstand sich als Künstler, regierte aber ein Weltreich. Er tat dies am Ende so liederlich, dass der Senat ihn für vogelfrei erklärte und er mit 30 sein Leben beendete. Die ehemalige römische Provinzhauptstadt Trier erinnert in diesem Jahr mit gewaltigem Aufwand an den gescheiterten Kaiser. In drei Ausstellungen mit mehr als 700, teils spektakulären Exponaten geht es um angebliche und wirkliche Wahrheiten über Nero. Im Landesmuseum erfährt man, dass der Imperator Rom nicht angezündet hat – er war zu dem Zeitpunkt verreist. Das Museum am Dom ergründet Neros Hatz auf die Christen. Und im Stadtmuseum Simeonstift findet sich jener Niederschlag, den Nero posthum in der Kultur gefunden hat: Nero als Popstar, Frauenmörder, lüsterne Hauptfigur im pornografischem Filmschaffen.

Die drei Ausstellungen in Trier bis 16. Oktober: "Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann" (Rheinisches Landesmuseum); "Nero und die Christen" (Museum am Dom); "Lust und Verbrechen. Der Mythos Nero in der Kunst" (Stadtmuseum Simeonstift)