Das Gerät sieht aus wie ein Ding aus einer anderen Welt: Ein milchig-weißer Acrylplattenteller, durch den das leuchtend rote, elegant gerundete Chassis durchschimmert. Alle anderen Bestandteile sind schwarz: Tonarm, Tonabnehmer, Treibriemen. Der Elemental-Plattenspieler der Firma Pro-Ject könnte im Outlander Nachtclub aus Star Wars stehen und experimentelle Synthesizermusik aus dem 22. Jahrhundert abspielen – so futuristisch sieht das Werk eines gestalterischen Minimalismus aus.

Was für viele fast wie aus der Zeit gefallen wirkt, gehe weg wie warme Semmeln, sagt Pro-Ject Firmenchef Heinz Lichtenegger: "Dieses Gerät hat unglaublich viele Leute motiviert, sich einen Plattenspieler zu kaufen. Weil es nicht nur gut klingt, sondern eben auch super aussieht."

Seit gut einem Vierteljahrhundert baut der Mittfünfziger Lichtenegger, ein grau melierter, alerter Schnellsprecher mit messianischem Gestus, analoge Klangwiedergabegeräte. Manche nennen ihn gar den Steve Jobs des Plattenspielers. Fast im Alleingang und nur kraft seines Willens und seiner Überzeugung hat er aus Pro-Ject eine Firma gemacht, die 600 Mitarbeiter beschäftigt, in Österreich, Tschechien und der Slowakei produziert und mittlerweile eine Produktpalette von mehr als 60 verschiedenen Modellen in allen Preiskategorien, von 200 bis 9.500 Euro, anzubieten hat. Die teuren Geräte, sagt Lichtenegger, würden von Liebhabern gekauft, die dafür auf ein neues Auto oder einen Urlaub verzichteten. Das sei aber immer noch ein gutes Geschäft: "Für einmal Malediven bekommt man schon einen ultimativen Spieler, der das ganze Leben Freude macht!"

Dieser Artikel stammt aus der Österreich-Ausgabe der ZEIT Nr. 24 vom 2.6.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Vor Kurzem erfolgte im Weinviertel der Spatenstich zu einem neuen Headquarter, mit dem die nächste Raketenstufe gezündet werden soll: "Derzeit bauen wir rund 14.000 Plattenspieler pro Monat. Doch ich rechne mit Zuwachsraten von 20 bis 30 Prozent. Das heißt: In drei bis fünf Jahren sind wir sicher bei 200.000 bis 250.000 Geräten pro Jahr." Das ist, wenn man es mit dem Markt für Mobiltelefone oder Computerspiele vergleicht, immer noch lächerlich wenig. Doch beachtliche Zahlen, angesichts der Tatsache, dass die Vinylplatte noch vor wenigen Jahren als mausetot galt. Die Haptik einer LP, die luxuriösen Cover und die Spieldauer von zweimal 20 Minuten sind wieder attraktiv. Seit 2006 hat sich der Umsatz von Vinyl verzehnfacht, vergangenes Jahr waren es weltweit mehr als 300 Millionen Dollar.

Heinz Lichtenegger ist nicht nur Händler und Produzent von analogen Geräten – in seinen Werken werden auch Verstärker und Boxen und sogar eine zigarettenschachtelgroße Box zur Verbesserung der digitalen Streamingqualität hergestellt. Vor allem aber ist er der Papst des guten Klanges. Seine Mission ist ein Kreuzzug gegen all jene Falschmünzer, die Hi-Fi predigen, aber Gulaschsound verkaufen.

Eigentlich, meint Lichtenegger, müsse man die Großindustrie verklagen, weil die immer billigere Materialien verwende und teure Geräte herstelle, die längst nicht mehr der Industrienorm DIN 45.500 entsprächen, durch die hochqualitative Klangwiedergabe definiert sei: "Da wird ein Kastl so hingebaut, dass da etwas herauskommt aus der Plastikkiste, das vielleicht technisch stereo ist. Aber dadurch, dass die Lautsprecher so knapp beisammen stehen, sind sie praktisch mono. Wir leben heute in einer Mono-Welt."