Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist ein Lobbyverein, und deshalb kämpft er gegen eine mögliche Helmpflicht für Radler so wie früher der ADAC gegen die Gurtpflicht für Autofahrer. Das ist sein gutes Recht. Sein Hauptargument: Wenn ein Helm verpflichtend vorgeschrieben würde, dann ginge die Zahl der Radfahrer zurück, und erwiesenermaßen gebe es in Ländern mit wenigen Radlern schwerere Unfälle.
Da wird ein wenig von hinten durch die Brust argumentiert, und bei vielen Radfahrern kommt die Botschaft an: Der Helm nützt sowieso nichts. Das aber kann man getrost als Unsinn bezeichnen. Zum Glück wird bei den meisten Unfällen der Kopf nicht in Mitleidenschaft gezogen. Doch wenn der Kopf ernsthaft betroffen ist, dann kann der Helm Leben retten. Das ergab eine große Studie von Forschern der University of Arizona, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Die Auswertung der Akten von über 6.200 Radfahrern mit Hirnverletzungen ergab: Bei Helmträgern waren die Verletzungen geringer, und es traten weniger Todesfälle auf.
Daraus folgt nicht zwingend, dass der Helm zur Pflicht werden muss. Das ist auch etwa in den USA nicht so, wo längst die Mehrheit der Radler ihren Kopf schützt. Aber die Fahrradlobby könnte aktiver für ihn werben. Wenn er nicht als lästig gälte, sondern ein cooles fashion statement wäre , könnte der Anteil der Helmträger zunehmen, ohne dass der erfreuliche Trend zum Rad gebremst würde.
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Kommentare
Ich bin seit mehr als 25 Jahren ADFC-Mitglied und kann mich nicht daran erinnern, dass sich der ADFC jemals gegen das Tragen eines Fahrradhelmes ausgeprochen hätte. Ganz im Gegenteil, der ADFC empfiehlt das Tragen des Helmes und testet Fahrradhelme regelmäßig für seine Publikationen. Insofern erweckt Ihr Kommentar also zunächst einmal einen falschen Eindruck.
Die dringende Empfehlung, einen Helm zu tragen, steht aber keinesfalls im Widerspruch dazu, sich gegen eine Helmpflicht auszusprechen: Letzten Endes steht es jedem Bürger frei, bestimmte Risiken einzugehen order es eben zu lassen. So müsste man mit demselben Argument, eine Helmpflicht einzuführen, eben zB auch das Rauchen verbieten.
Die Helmpflicht führt rechtlich zu einer Beweislastumkehr: Selbst wenn der Fahrradfahrer keinerleit Verschulden am einem Unfallereignis trägt wird er nachweisen müssen, dass er die Verletzungen, die er erlitten hat, auch erlitten hätte, wenn er einen Helm getragen hätte. Dies würde letzten Endes zu einer starken Entlastung von Autofahrern führen, weshalb sich interessanterweise ja auch der ADAC in den 90er Jahren für die Helmpflicht von Fahrradfahrer stark gemacht hat.
Der Vergleich mit der Gurtpflicht hinkt aus zwei Gründen: Erstens geht es hier - zumindest auch - um den Schutz der Mitfahrer im Pkw. Diese verdienen einen besonderen Schutz. Zweitens entstehen bei motorisierten Fahrzeugen (Motorrädern und Pkw) vollkommen andere Kräfte und Geschwindigkeiten.
Was mir bei dieser Diskussion nicht ganz klar ist - wäre eine Motorradkombi und Motorradhelm auf dem Fahrrad nicht erheblich sicher als ein einfacher Fahrradhelm?
Sollte man hier nicht die Motorradkombi verpflichtend einführen?
Wüsste jetzt nicht, was dagegen spricht.
Alternativ mal gefragt - wieviele schwere Fahrradunfälle werden vermieden, wenn man einfach das Auto in der Stadt verbietet?
Also mein Lösungsvorschlag: Motorradkombi + Helm zur Pflicht, Auto in der Stadt verbieten.
"Christoph Drösser ist ein Fußgänger und deshalb kämpft er gegen eine mögliche Helmpflicht für Fußgänger so wie früher der ADAC gegen die Gurtpflicht für Autofahrer. Das ist sein gutes Recht. Sein Hauptargument: Wenn ein Helm verpflichtend vorgeschrieben würde, dann ginge die Zahl der Fußgänger zurück, und erwiesenermaßen gebe es in Ländern mit wenigen Fußgängern schwerere Unfälle.
Da wird ein wenig von hinten durch die Brust argumentiert, und bei vielen Fußgängern kommt die Botschaft an: Der Helm nützt sowieso nichts. Das aber kann man getrost als Unsinn bezeichnen. Zum Glück wird bei den meisten Unfällen der Kopf nicht in Mitleidenschaft gezogen. Doch wenn der Kopf ernsthaft betroffen ist, dann kann der Helm Leben retten. Das ergaben verschiedene Studien. Die Auswertung der verschiedenen Studien ergab: Bei Helmträgern waren die Verletzungen geringer, und es traten weniger Todesfälle auf.
Daraus folgt nicht zwingend, dass der Helm zur Pflicht werden muss. Das ist auch etwa in den USA nicht so, wo längst die Mehrheit der Fußgänger ihren Kopf schützt. Aber die Fußgängerlobby könnte aktiver für ihn werben. Wenn er nicht als lästig gälte, sondern ein cooles fashion statement wäre, könnte der Anteil der Helmträger zunehmen, ohne dass der erfreuliche Trend zum zu Fuß gehen gebremst würde."
Ebenso hilfreich: Helme beim Autofahren. Helme im Haushalt. Und Schwimmwesten. Gerade bei den Unwettern zurzeit sollten alle Schwimmwesten tragen!
Helme reichen nicht! Ich denke man sollte sich auch für die Einführung einer allgemeinen Gurtpflicht in allen Lebensbereichen stark machen.
Beim Fahrradhelm haben wir z..Z. eine paradoxe Studienlage. Viele Studien legen eine Schutzwirkung gegen bestimmte Verletzungen nahe. Steigen aber in Ländern die Helmtragequoten (wie in den USA oder Australien), dann geht der Anteil von Kopfverletzungen bei Radlern kaum zurück.
Was dagegen auffällt ist, das in den USA der behelmte Radler wesentlich gefährlicher lebt als der unbehelmte in den Niederlanden.
Wenn man etwas für die Sicherheit von Radfahrern tun möchte, dann ist weniger der Helm, als die Radinfrastruktur und das allgemeine Verkehrsbewußtsein entscheidend.
1.) wenn es weniger Fahrradfahrer gibt (z.B. wegen Helmpflicht) wird Fahrradfahren gefährlicher.
2.) In einer Studie investieren die Probanden Geld riskanter, wenn sie einen Helm tragen. Da scheint es nicht unplausibel, dass Helmträger unbewusst riskanter Fahren.
3.) Autofahrer behandeln Helmträger eventuell aggressiver (nicht sicher, dass es dazu Daten gibt).
Ingesamt, wie Sie sagen, eine unsichere Datenlage, die kein Gesetz mit weitreichenden negativen Folgen rechtfertigt.
Sorry aber der Artikel ist Unsinn.
Der Fahrradhelm erfährt deshalb so viel gegenwind weil er Autofahrer riskanter Überholen und generell weil es eine billigere Lösung ist als sichere Radwege zu bauen. Ich trage bei sportlichem Radfahren immer Helm, wenn ich am Sonntag Brötchen hole brauche ich keinen. Gäbe es Helmpflicht würden einige Leute eben nicht mehr Radfahren. Die fehlende Helmpflicht in einer der führenden Fahrradnationen, den Niederlanden, könnte ebenfalls zum nachdenken anregen.
"Ich trage bei sportlichem Radfahren immer Helm, wenn ich am Sonntag Brötchen hole brauche ich keinen."
Ganz genau so. Auf dem MTB gehört der Helm zur Grundausrüstung, in der Stadt nervt er nur.