Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist ein Lobbyverein, und deshalb kämpft er gegen eine mögliche Helmpflicht für Radler so wie früher der ADAC gegen die Gurtpflicht für Autofahrer. Das ist sein gutes Recht. Sein Hauptargument: Wenn ein Helm verpflichtend vorgeschrieben würde, dann ginge die Zahl der Radfahrer zurück, und erwiesenermaßen gebe es in Ländern mit wenigen Radlern schwerere Unfälle.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 24 vom 2.6.2016.

Da wird ein wenig von hinten durch die Brust argumentiert, und bei vielen Radfahrern kommt die Botschaft an: Der Helm nützt sowieso nichts. Das aber kann man getrost als Unsinn bezeichnen. Zum Glück wird bei den meisten Unfällen der Kopf nicht in Mitleidenschaft gezogen. Doch wenn der Kopf ernsthaft betroffen ist, dann kann der Helm Leben retten. Das ergab eine große Studie von Forschern der University of Arizona, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Die Auswertung der Akten von über 6.200 Radfahrern mit Hirnverletzungen ergab: Bei Helmträgern waren die Verletzungen geringer, und es traten weniger Todesfälle auf.

Daraus folgt nicht zwingend, dass der Helm zur Pflicht werden muss. Das ist auch etwa in den USA nicht so, wo längst die Mehrheit der Radler ihren Kopf schützt. Aber die Fahrradlobby könnte aktiver für ihn werben. Wenn er nicht als lästig gälte, sondern ein cooles fashion statement wäre , könnte der Anteil der Helmträger zunehmen, ohne dass der erfreuliche Trend zum Rad gebremst würde.

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