Die AfD reagiert auf die Lügenwissenschaft ähnlich wie auf ihre Schwester, die Lügenpresse. Die Wissenschaft lügt nur dann, wenn die Erkenntnisse der Partei nicht passen. Taugen die Ergebnisse als Argumente für die eigene Sache, wird mit Ausrufezeichen auf sie verwiesen.

Diese Schizophrenie kann man auch bei der Mitte-Studie beobachten, etwa im Twitter-Feed von Beatrix von Storch. Sie zitiert in einem Screenshot Klaus Schroeder, einen Extremismusforscher an der FU Berlin, der den Leipziger Wissenschaftlern in einem Interview Belanglosigkeit und den "reißerischen Titel" vorwarf und darauf verwies, dass der Rechtsextremismus in Deutschland mit fünf Prozent ja einen Tiefstand erreicht habe. Von Storch schreibt dazu: "Niemand braucht den Rechtsextremismus so sehr wie die Linken, die von seiner Bekämpfung leben." Unterschiedliche Schlüsse derselben Studie werden mal als Pseudoforschung gegeißelt, mal untermauern sie die eigene Argumentation. Mut zur Wahrheit? Mut zur selektiven Wahrnehmung.

Die Aussagen des Forschers Schroeder passten der AfD dabei bestens und wurden in sozialen Netzwerken hundertfach geteilt. Seit Jahren reagiert Schroeder bissig auf die Mitte-Studie – diesmal unterstellte er ihr mit Verweis auf die Studienfinanziers, die grünennahe Heinrich-Böll-Stiftung und die linke Rosa-Luxemburg-Stiftung, hier sei parteipolitische Wissenschaft gemacht worden.

Auf Twitter forderten AfD-Anhänger direkt die Gründung einer eigenen Stiftung (die ersten Versuche der Partei auf diesem Feld blieben bislang erfolglos). Doch auch ohne Stiftung publiziert die Partei schon eigenes Aufklärungsmaterial. Die Thüringer AfD-Fraktion hat gerade Der Islam: Fakten und Argumente als kostenloses Buch herausgebracht, mit einem Vorwort von Fraktionschef Björn Höcke, Auflage 100.000. Der Autor, Michael Henkel, kommt zwar ohne eine Quelle im Original aus, schließlich ist er kein Islamwissenschaftler. Dafür zitiert er ziemlich häufig aus der Lügenpresse.