Für Kurse an der Trump University zahlten Studenten Zehntausende Dollar. Einige fühlen sich betrogen und wollen jetzt ihr Geld zurück. Der Rechtsstreit explodiert mitten im US-Wahlkampf.

Noch nie gab es einen Kandidaten wie Donald Trump. Er prahlt mit der Größe seines Vermögens, seiner Finger und seiner Genitalien, ruft bei Veranstaltungen zu Schlägereien auf, macht sich über politische Gegner lustig und beschimpft die Presse. Nichts davon hat seinen Aufstieg zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner aufhalten können. Er könne sich auf die Fifth Avenue, die bekannte Einkaufsmeile in New York, stellen und jemanden erschießen und würde doch gewählt werden, sagte er. Er, der große Geschäftsmann, stehe für Erfolg. Trump equals success.

Doch ausgerechnet sein Vorgehen als Geschäftsmann könnte ihm nun zum Verhängnis werden. Trump soll Tausende Kunden in die Irre geführt und betrogen haben. Es geht um die Trump University, ein privates Institut, das versprach, Teilnehmer in die Erfolgsgeheimnisse des Donald und seiner Immobilieninvestments einzuweihen. "Besser als Harvard" sei sein Institut, behauptete Trump. Absolventen würden durch den Unterricht in die Lage versetzt, Millionen mit Immobilien zu verdienen.

Das Ganze sei ein Lockvogelangebot gewesen, bei dem Verbraucher mit falschen Versprechen geködert worden seien, um ihnen ein überteuertes Produkt anzudrehen. Das sagt Eric Schneiderman, der Generalstaatsanwalt von New York, er hat die Trump University auf 40 Millionen Dollar verklagt. Neben Schneiderman, der die Klage im Namen von 5.000 Teilnehmern angestrengt hat, laufen noch zwei weitere Verfahren. Eines davon ist eine Sammelklage in Kalifornien, die 2010 von der Yogalehrerin Tarla Makaeff initiiert wurde. Sie hatte insgesamt 60.000 Dollar für Kurse an der Trump University bezahlt und fühlte sich hinterher betrogen.

Von Anfang an stand die Trump University im Visier der New Yorker Behörden. Sie mahnten das private Institut schon gleich nach der Gründung 2005 ab, weil es keine Zulassung als Universität hatte, sich aber so nannte. 2010 wurde es in "Trump Entrepreneur Initiative" umgetauft und 2011 schließlich geschlossen. Wohl weil die zahlungswilligen Teilnehmer ausblieben. Das berichtete der Fernsehsender CBS unter Berufung auf ein internes Schreiben.

Die Dozenten arbeiteten auf Kommission – und schwatzten den Studenten neue Kurse auf

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 27 vom 23.6.2016.

In ihrer Werbung versprach die Trump University, der Namensgeber wähle die Lehrkräfte persönlich aus. Doch Donald Trump selbst gab vor Gericht an, er habe nicht einen einzigen Lehrer eingestellt. Dem großen Meister kamen die Teilnehmer nur in Form eines Pappaufstellers nahe, neben dem sie sich ablichten lassen konnten. Auch bei der Entwicklung der Seminarunterlagen sei Trump nicht oder nur geringfügig involviert gewesen, so der Vorwurf der Kläger. Diese Arbeit erledigte ein unabhängiges Subunternehmen. Die Lehrkräfte hatten kaum Erfahrung im Immobiliengeschäft, berichteten ehemalige Angestellte der Trump University. Dafür waren sie erfahren im Vertrieb und arbeiteten auf Kommission. Bei den kostenlosen Einführungsseminaren bearbeiteten sie die Teilnehmer, damit sie ihnen einen dreitägigen Kurs für 1.495 Dollar abkauften. Bei diesen Veranstaltungen hätten die Trump-University-Vertreter dann mit Methoden von Drückerkolonnen versucht, noch deutlich teurere Kurse zu verkaufen. Das teuerste Angebot war das "Gold Elite Program", das bis zu 35.000 Dollar kostete. Dazu versprach man den Teilnehmern, dass sie ein Jahr lang die Hilfe eines Mentors in Anspruch nehmen könnten. Ein solches Programm aber habe es nie gegeben, sagen die Kläger.