Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Nasenbluten kann auf unterschiedliche Weise entstehen. Manchmal ist eine Verletzung der Nasenschleimhaut die Ursache, oft kommt die sogenannte Epistaxis aber aus heiterem Himmel, ohne erkennbaren Anlass. Wie bekommt man die Blutung am schnellsten wieder gestoppt?

Der schlechteste Ratschlag: den Kopf in den Nacken legen. Das Blut kann dann zwar nicht herausfließen. Das heißt aber nicht, dass es zu fließen aufhört – es sucht sich nur einen anderen Weg, nämlich den durch den Rachen. Das kann sehr unangenehm sein und insbesondere bei kleinen Kindern zu Brechreiz führen – man muss dann nicht nur die Blutflecken aufwischen.

Ein weiteres Hausmittel ist der nasse Lappen im Nacken, alternativ auch ein Kältepack aus dem Eisfach. Auf manche Menschen mag das beruhigend wirken, andere – wie der Fragesteller dieser Woche – finden das eher unangenehm. Aber hilft es? Die Theorie hinter der Lappentherapie: Kälte an der Haut führt dazu, dass sich die Blutgefäße an der Oberfläche zusammenziehen. Und dann, so die Vorstellung, fließt weniger Blut in den Kopf, und aus der Nase fließt weniger heraus.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 28 vom 30.6.2016.

Nun ist das weiche Nasengewebe, der Ort der Blutung, recht weit vom Hals entfernt. Kann der nasse Lappen also eine so weitreichende Wirkung haben? Im Jahr 2003 wollten Mediziner der Universität Marburg es genauer wissen. Sie untersuchten den Kälteeffekt an 56 Probanden. Allerdings waren sie nicht so herzlos, bei ihnen absichtlich ein Nasenbluten herbeizuführen. Stattdessen kühlten sie deren Halsbereich und schauten dann nach, ob sich der Blutfluss im sogenannten Locus Kiesselbachi vorne in der Nase, veränderte. Ihr Ergebnis, veröffentlicht in der Zeitschrift Clinical Otolaryngology and Allied Sciences: "Nach der Anwendung von Eis im Halsbereich konnte kein statistisch signifikanter Effekt auf die Blutgefäße der Nasenschleimhaut festgestellt werden."

Der Lappen im Nacken hat also allenfalls Placebowirkung, im schlechtesten Fall fügt er dem Opfer des Nasenblutens noch weitere Pein zu. Was hilft dann wirklich? Ärzte raten dazu, den Kopf nach vorn zu beugen und die Nase leicht mit den Fingern zuzudrücken. Letztlich muss man darauf warten, dass die Blutung von selbst aufhört.

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