Welches Brot zu welchem Grillfleisch passt, ist eine dieser Alltagsfragen, deren Bedeutung ich bislang verkannt habe. Glücklicherweise warnte mich der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks nun vor den Gefahren einer falschen Entscheidung. Gerade noch rechtzeitig vor der nächsten Grillparty mit Freunden am Wochenende.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 30 vom 14.7.2016.

Bratwurst sei demnach mit Weizenmischbrot zu verzehren, Lammfleisch mit Sauerteig. Aber Vorsicht bei Soßen! Bloß kein Baguette zu Ketchup, so das Warnschreiben, dazu empfehle sich "eher ein Brot, das auf Augenhöhe agiert". Roggenmischbrot ist mit Ketchup auf Augenhöhe, und das ist wichtig, weil das Auge ja immer mit am Tisch sitzt und mitessen will. Bei der anspruchsvollen Brotauswahl sei möglichst die richtige "philosophische Linie" einzuhalten, heißt es weiter. Zwar haben sich die großen Denker zwischen Platon und Habermas nie abschließend zu Wurst-Brot-Fragen geäußert, der kategorische Imperativ der philosophischen Stabsstelle des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks jedoch besagt: "Helles Brot zu hellem und dunkles Brot zu rotem Fleisch." Damit komme ich klar.

Trotzdem wird die Komplexität des Themas unterschätzt. Vergleichbare Erkenntnisse liefern nämlich auch angrenzende philosophische Gebiete zu den Menschheitsfragen "Welcher Wein zu welcher Wurst?", "Welcher Käse zu welchem Bier?" oder "Welcher Käse zu welchem Brot?". Auf einer Metaebene besagen die Antworten alle, dass man entweder Gleiches mit Gleichem, sich leicht voneinander Unterscheidendes oder komplett Gegensätzliches miteinander kombinieren sollte, und zwar zwingend, außer es schmeckt nicht. Die eigentliche Gefahr besteht folglich darin, sich zu lange mit bescheuerten Geschmacksregeln aufzuhalten und darüber zu vergessen, dass die Glut am Grill längst erloschen und der letzte Freund gegangen ist, nachdem er sein Bier ausgetrunken hat.