Der Regisseur Roland Emmerich weiß sehr genau, wie man unsere Gegenwart auseinanderreißt, überschwemmt und in die Luft sprengt. Weniger hingegen weiß er darüber, was sich mit einer möglichen Zukunft nach dem Weltuntergang anstellen ließe. Für seinen neuen Film, der an diesem Donnerstag in die Kinos kommt, ist das ein Problem. Denn Independence Day: Wiederkehr handelt von der Zukunft, auch wenn er vorgibt, im Jahr 2016 zu spielen.

Der Film ist die Fortsetzung zu seinem Klassiker Independence Day, Kinohit des fernen Sommers 1996 und damals eine innovative Mischform aus Katastrophen- und Science-Fiction-Streifen: Außerirdische landen auf der Erde, sie wollen die Menschheit ausrotten, und sie schrecken auch nicht davor zurück, sehr teure Spezialeffekte einzusetzen, um das Weiße Haus in einem Feuerball aufgehen zu lassen. Der Film wurde der Krieg der Welten für die aufmerksamkeitsschwache Generation Tamagotchi. Und für Emmerich begründete er den Ruf als Weltenzerstörer aus dem Schwabenland, als Erneuerer des Katastrophenfilms in Hollywood. Viele ähnliche Blockbuster folgten, von Emmerich selbst und von anderen. Nun kehrt der Meister zum Ursprungsmaterial zurück.

Die Außerirdischen haben dazugelernt, sie greifen effizienter an

Zwanzig Jahre nach der damals missglückten Alien-Invasion ist die Erde eine andere, zumindest bemühen sich die Politiker in der Fortsetzung laufend darum, das zu unterstreichen. Die Menschheit sei zusammengewachsen, verkündet die US-Präsidentin Lanford (Sela Ward) zu Beginn des Films. Kriege gebe es nicht mehr, und in dieser alternativen Gegenwart scheint piefige Nationalstaatlichkeit nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Amerikaner, Chinesen, Europäer, alle ziehen an einem Strang.

Die Städte, um die man in einem Emmerich-Film schon von der ersten Sekunde an bangt, sehen auch nicht aus wie die im echten Jahr 2016. Sie sind schon in der Zukunft angekommen. Die Menschheit hat sich die überlegene Technologie aus den abgestürzten Alien-Untertassen geborgt, das ging schneller, als auf die Jungs im Silicon Valley zu warten. Jetzt fliegen kleine Raumschiffe zu Mars und Mond, wo eine internationale Militärbasis mit Superkanone die Homelands beschützen soll. Falls doch wiederkehrt, was da Fieses in der Dunkelheit, hinter der Schulter des Orions, lauert.

Aber ach, alles vergebens. Außerirdische greifen an! Schon wieder! Und wieder pünktlich zum amerikanischen Unabhängigkeitstag. Diesmal sogar in einem noch dickeren Raumschiff, es wirft seinen Schatten auf den Atlantik, den ganzen, von Lissabon bis New York City. Wir werden wieder ausgerottet. Und die Außerirdischen haben dazugelernt, sie gehen effizienter vor als zuletzt. Demolieren nicht mehr jede Weltstadt einzeln, sondern die eine mit der anderen. Gleich mehrere asiatische Metropolen heben die Angreifer aus dem Boden und lassen sie mit all ihren Wolkenkratzern, Autos, Garküchen und Einwohnern auf London herabregnen, als hätte jemand die Erde wie eine Landkarte zusammengeklappt. Emmerich inszeniert hier seine zerstörerische Variante des meditativen Städtefaltens, das Christopher Nolan einst für seinen Film Inception erfand.

Die Vernichtungseffektmaschine surrt, es läuft rund wie immer bei Emmerich. Der Mann hat ein einmaliges Gespür dafür, seine globalen Tobsuchtsanfälle nicht zu abstrakt aussehen zu lassen. Er kann sie herunterbrechen ins Fassbare, ins Detaillierte und nebenbei sogar mit beiden Augen zwinkern. Als ganze Landstriche von der verrückten außerirdischen Gravitation zerrissen werden, zeigt Emmerich uns einmal prominent im Vordergrund eine Straßenlaterne, deren Licht flackert und dann erlischt. Als Zuschauer, der von Alien-Invasionskatastrophen bisher, toi, toi, toi, verschont geblieben ist, lässt sich diese Kleinigkeit natürlich viel besser mit den eigenen Bedrohungsängsten in Schwingung bringen als ein Himmel, der auf die Erde stürzt.

Irgendwann in der Mitte des Films, man ist kurz abgelenkt und kommt ins Nachdenken, weil man sowieso den Überblick über die zahlreichen Helden und ihre Emmerich-typischen Familienverhältnisse verloren hat (war jetzt die Tochter der Präsidentin gleichzeitig die Staffelführerin der Kampfpiloten?), fängt es an. Etwas stört, und zwar so sehr, dass man den Film fortan in Gänze unsympathisch findet. Es ist die Ausstattung dieser seltsamen Zukunft. Futuristisches Design ist zusammengeschrumpft worden zu hoch entwickelter Militärtechnik, zu Kampfanzug und Lasergewehr. Als habe diese Gesellschaft ihre Lektion gelernt und sei nun mehr interessiert an größerer Feuerkraft als an komfortablen Zügen oder schicken Gadgets. Die Außerirdischen wirken in ihren Outfits aus Knochen und Schleim jedenfalls lebendiger, menschlicher als die US-Soldaten, die in sterilen Plastikraumanzügen herumrennen müssen.