Es geht um einen alten Schülermythos: Wenn eine wichtige Klassenarbeit ansteht und man daran nicht teilnehmen will, soll man am Vorabend Zahnpasta essen – zuverlässig stellt sich dann Fieber ein, also ein objektiv messbarer medizinischer Grund, zu Hause zu bleiben. Wie viel Zahnpasta man essen soll, darüber schweigt sich der Mythos aus.
Was kann an krank machenden Stoffen in der Zahncreme drin sein? Es geht natürlich um das Fluorid, das in fast jeder Zahnpasta steckt und uns vor Karies schützen soll. Der Stoff ist umstritten, zuletzt machte vor drei Jahren die Legende von der schleichenden Vergiftung der Bevölkerung die Runde (siehe Stimmt’s? Nr. 7/14).
Damals verwies ich auf die Regel des Paracelsus, dass die Dosis das Gift macht. Zu viel Fluorid kann tatsächlich schädlich sein. Kurzfristig droht eine akute Fluoridvergiftung, langfristig die chronische Fluorose, die sich vor allem in weißen Flecken auf den Zähnen äußert, bei höheren Dosen können auch die Knochen brüchig werden.
Uns interessiert hier die akute Vergiftung mit Fluoriden. In der wissenschaftlichen Literatur kursiert eine "wahrscheinlich toxische Dosis" (probably toxic dose, PTD) von fünf Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Gewicht von 70 Kilo sind das 350 Milligramm Fluorid, das entspricht etwa dem Fluoridgehalt in drei Zahnpastatuben. Für kleine Kinder sind entsprechend geringere Mengen toxisch. Und Spezial-Fluorzahngel, das man nur einmal in der Woche anwendet, kann die zehnfache Konzentration enthalten – wenn ein Kleinkind daran genuckelt hat, sollte man zum Arzt gehen.
Wie äußert sich so eine Fluoridvergiftung? Die Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magenkrämpfe, eventuell Atembeschwerden. Alles sehr unangenehm – aber von Fieber ist nicht die Rede. Ein Schüler, der sich quält und am Abend vor einer Klausur eine Tube Zahnpasta oder mehr verdrückt (ich weiß nicht, ob man das überhaupt schafft), erlebt unter Umständen eine sehr unangenehme Nacht. Am nächsten Morgen aber ist er höchstwahrscheinlich fieberfrei. Und muss mit Bauchschmerzen an der Prüfung teilnehmen.
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Kommentare
Besser ist es vor Klassenarbeiten Mohrrüben zu essen, das stärkt die Sehkraft und man kann besser abschreiben.
Auch ein Mythos.
Das Bundesamt für Risikobewertung schrieb 2005:
"Fluorid ist für den Menschen nicht lebensnotwendig. Dagegen kann ein zu viel an Fluorid zu einem Gesundheitsrisiko werden."
http://www.bfr.bund.de/cm...
Ich halte mich dran und kaufe auch nur fluoridfreie Zahncremes. Um Krankheiten vorzutäuschen, würden mir andere Sachen einfallen.
Haben Sie noch Zähne?
Schon General Jack D. Ripper wusste um die Gefahren der Fluoridierung und trank deshalb nur reines Wasser und reinen Whisky ;-)
Tat er nicht. Er trank destilliertes Wasser oder Regenwasser und reinen Alkohol.
Wobei mich nebenbei interessieren würde, was reinen Whisky ausmacht. Es sind die „Verunreinigungen”, die den Geschmack ausmachen…
Als ich klein war, da gab es so ein leckere Kinderzahncreme. Leider fällt mir der Name nicht mehr ein.
Jedenfalls haben wir die immer so genascht. Schlecht wurde mir nie und auch sonst gab's keine körperlichen Beschwerden.
Kinderzahncreme enthält häufig weniger oder teilweise sogar gar kein Fluorid.
Die durchschnittliche Konzentration von Fluorid in Kinderzahnpasta ist 500 ppm, während in herkömlicher Zahnpasta 1500 ppm Fluorid enthalten sind.