Betaversion wird in der IT-Branche eine Software genannt, die vor der endgültigen Freigabe als Testversion herauskommt. So stellen etwa Softwarefirmen einen unfertigen Browser oder ein neues Onlinespiel ausgesuchten Personen zur Verfügung, um mit deren Hilfe die Software zu optimieren. Wenn der PC dann mal abstürzt, wird keiner verletzt. Und schließlich weiß der Kunde, worauf er sich eingelassen hat.

Tesla-Chef Elon Musk hat kein Computerspiel auf den Markt gebracht, aber er argumentiert auf Twitter und im Blog des Unternehmens im Falle seines in Verdacht geratenen Autopiloten genauso: Nach dem tödlichen Unfall mit einem Tesla Model S in Florida, dessen Fahrer auf Autopilot geschaltet hatte, schrieb er: Der Autopilot verlange "die explizite Bestätigung, dass das System neue Technologie ist und sich noch in einer öffentlichen Betaphase befindet, bevor es freigeschaltet werden kann". Überschrieben ist der Blog-Beitrag mit "Ein tragischer Verlust", Musk spricht den Hinterbliebenen des Tesla-Fans sein Beileid aus.

Formal hat Musk recht: Jeder Tesla-Fahrer muss bestätigen, die Warnhinweise gelesen zu haben, bevor er das System aktiviert. Vor jedem Einschalten wird er aufgefordert, seine Hände am Steuer zu behalten, und darüber informiert, dass er weiterhin "die Verantwortung für das Fahrzeug trägt".

Doch reicht das, um die Experimentierlust der eingefleischten Tesla-Fans zu zügeln? Es bestehen Zweifel. Stellen doch seit Monaten Autopilot-Nutzer verräterische Videos ins Netz, in denen sie sich auf dem Rücksitz rekeln oder anderen Zerstreuungen nachgehen – während die Software lenkt.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 30 vom 14.7.2016.

Die US-Verkehrsaufsichtsbehörde NHTSA hat "vorläufige Ermittlungen" gegen Tesla Motors aufgenommen. Und auch in Europa ist der Elektroauto-Pionier aus Kalifornien ins Visier der Behörden geraten. "Wir ermitteln den Sachstand", heißt es beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg. Sollte mit dem Begriff "Beta" tatsächlich eine "unfertige Version" gemeint sein, so das KBA, wäre die Software hierzulande nicht genehmigungsfähig gewesen. Die Typgenehmigung des Tesla Model S für Europa stammt jedoch von der Zulassungsbehörde RDW in den Niederlanden, damit gilt sie für die gesamte EU. "Die Holländer gelten in der Branche nicht gerade als besonders streng", lästert ein deutscher Automanager. Tesla Deutschland bestätigt lediglich, dass alle Genehmigungen von RDW stammen. Die "Komponenten" des Autopiloten erfüllten die geltenden EU-Regeln.

"Es wurde Kontakt mit der niederländischen Zulassungsbehörde aufgenommen", sagt das Bundesverkehrsministerium und verweist zudem auf die US-Aufsichtsbehörde. "Für eine Bewertung bleibt das Ergebnis der Untersuchung abzuwarten."

Das könnte – wie beim VW-Skandal – dauern. Doch schon jetzt verlangen die deutschen Autobauer ein hartes Vorgehen. Ein Manager sagt: "Wir erwarten, dass die Amerikaner jetzt genauso kritisch hinschauen wie bei ausländischen Fahrzeugen."