Die Fragestellerin dieser Woche berichtet von einem Klassentreffen nach vielen Jahren, bei dem ihr auffiel, dass die Augenfarbe einer Freundin sich von einem strahlenden Blau zu einem hellen Braun verändert habe. Die Freundin selber konnte die frühere Farbe nicht mehr bestätigen – ist ein solcher Farbwechsel möglich?
Unsere Augenfarbe wird bestimmt durch einen einzigen Farbstoff, Melanin. Die meisten hellhäutigen Babys werden mit blauen Augen geboren, das bedeutet: Ihre Regenbogenhaut, die Iris, enthält kaum Melanin. Bis zum Alter von einem Jahr hat sich dann bei den meisten Menschen die endgültige Augenfarbe herausgebildet. Je mehr Melanin die Iris enthält, umso mehr geht die Augenfarbe von Blau zu Grün, Hellbraun oder Dunkelbraun über. Und bleibt dann meist ein Leben lang konstant.
Allerdings gibt es tatsächlich Menschen, bei denen sich im Lauf der Jahre die Farbe wandelt. Diese Erkenntnis war ein Nebenprodukt der Louisville-Zwillingsstudie (Archives of Ophthalmology: Bito et al., 1997). Eigentlich war das Ziel dieser Studie, die mentale Entwicklung von fast 500 Zwillingspaaren von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter zu untersuchen. Nebenbei hatte man auch körperliche Merkmale notiert, unter anderem die Augenfarbe auf einer 15-teiligen Skala. Und innerhalb von sechs bis neun Jahren änderte sich die Farbe bei einigen der Zwillinge um zwei Stufen oder mehr, in die eine oder andere Richtung. Die Forscher schlossen, dass bei zehn bis fünfzehn Prozent der hellhäutigen Menschen ein solcher Farbwechsel im Lauf des Lebens vorkommt (dunkelhäutige Menschen haben fast immer braune Augen).
Die Geschichte ist also plausibel. Die Pigmentierung der Augen kann sich über die Jahre wandeln, das ist völlig unbedenklich. Wenn sich die Farbe allerdings sehr schnell verändert, könnte das ein Zeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein.
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Kommentare
Terence Hill hat heute noch blaue Augen.
ein tiefer Erkenntnisgewinn, vielen Dank.
Würden Sie die mir bitte alle Noch-Blauäugigen aufzählen?
Ein sehr interessanter Artikel.
In der Augendiagnose werden seit 150 Jahren die Veränderung der Farbe und Struktur von Iriden erfasst. Da existiert Wissen zum Thema des Artikels, das in Büchern oder Heilpraktiker*innen verfügbar ist.
Scharlatanerie. Hat man bei mir als Kind auch versucht. Ursache war eine Milchallergie. Die Empfehlung des Heilpraktikers nach Irisdiagnose war (ausser den Globuli, Pulvern und Injektionen, die ihm die Kasse vollmachten) viel Milch trinken.
Auf soclhe Quacksalberei kann man gut verzeichten.
Meine Augenfarbe wechselt nach "katzengrün" wenn ich Heuschnupfen habe - und auch wieder zurück. Zumindest war das früher so. Heute werfe ich bei den ersten Anzeichen ein Cetirizin ein.
Bei einer schnellen Suche auf Google fand ich einige Beschreibungen dieser farblichen Veränderung - allerdings ohne eine (medizinische) Erklärung dazu.