1. Ich engagiere mich gesellschaftlich. Ich opfere einen Teil meiner Zeit für Feuerwehr, Hospiz, Flüchtlingsarbeit. Denn unsere Demokratie lebt vom Engagement des Einzelnen, der sich freiwillig und ehrenamtlich einsetzt.

2. Ich gehe immer wählen und stelle mich auch selbst zur Wahl. Als Stadträtin oder als Elternvertreter in der Schule. Den verschiedenen Ansichten und Bedürfnissen eine Stimme zu verleihen und auch für andere zu sprechen ist die Aufgabe eines Bürgers in der Demokratie.

3. Ich schaffe Netzwerke und Diskussionsforen. Wer Straßenfeste veranstaltet, die Nachbarschaft pflegt und anderen zuhört, verhandelt Politik nicht als Privatsache. Auch das Private ist politisch.

4. Ich informiere mich. Ich höre, lese oder sehe Nachrichten, kaufe gute Zeitungen (zahle für sie auch im Internet), damit erhalte ich die selbstbewusste und kritische Presse, die unsere Demokratie vor autoritären Einflüssen schützt. Ich zahle die Beiträge für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Überzeugung. Denn er gehört keinem Konzern oder Konsortium, sondern den Bürgern.

5. Ich kämpfe für die Datensicherheit und für ein zivilisiertes Netz. So bleibt meine Privatsphäre erhalten, und wir User regeln die Sitten im Netz untereinander.

6. Ich verfolge die politischen Debatten im Bundestag, über die Europäische Union und die Weltlage an sich. Ich weiß, wer meine Volksvertreter sind, und lerne die Staatsdiener in den Ministerien und Ausschüssen schätzen. Denn: Sie arbeiten und sprechen für mich.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 33 vom 4.8.2016.

7. Ich zeige Zivilcourage, gehe auf Demonstrationen gegen linken und rechten Extremismus und streite mich freudig und überall mit denen, die mit demokratischen Mitteln die Demokratie abschaffen wollen.

8. Ich unterstütze die Institutionen: zahle etwa meine Steuern ohne Murren. Nur eine Demokratie, die nicht in eine prekäre Lage abrutscht, kann Sicherheit und soziale Balance garantieren. Ich setze mich dafür ein, dass auch die Reichen angemessen besteuert werden. Obszöner Reichtum zerstört den sozialen Zusammenhalt.

9. Ich trete für die Solidareinrichtungen dieser Gesellschaft ein. Ich versichere mich freiwillig gesetzlich und lasse mir nicht wegen irgendwelcher Ermäßigungen Daten zu meinem Gesundheitszustand entlocken. Dafür werden nämlich andere zur Kasse gebeten – und am Ende natürlich auch ich selbst.

10. Ich trete in die Kirche ein oder in eine aufgeklärte Glaubensgemeinschaft anderer Religionen: auch als Agnostiker. Diese Gemeinschaften halten die Gesellschaft zusammen, sie lehren die Tugenden des Umgangs: Höflichkeit, Freundlichkeit, Herzlichkeit. Sie bewahren mich vor dem Irrweg, alles besser zu wissen.