Eingekeilt zwischen Designmöbel-Showrooms, Systemgastronomie und Eigentumswohnungen steht er da, und der Asterix und Obelix-Prolog drängt sich auf: Der ganze Hafenrand gentrifiziert? Nein! Ein von unbeugsamen Punks bevölkerter Schuppen hört nicht auf, Widerstand zu leisten.

Na ja, Widerstand. Im Grunde sei es vor zwanzig Jahren darum gegangen, gute Konzerte zu machen und ein "Charakterhaus" zu erhalten, sagt Thomas Lengefeld, einer der Macher aus dem Hafenklang-Kollektiv. US-Hardcorebands, lokaler Punkrock, experimenteller Postrock, Drum & Bass vom Plattenteller: Bis heute steht das Hafenklang für die eher räudige Variante von Musik.

Das Hafenklang-Gebäude in der Großen Elbstraße war Mitte der Neunziger eines von vier Sahnestücken, die die Immobilienfirma Büll und Liedtke von der Stadt gekauft hatte – Adressen mit hohem stadtpolitischen Streitwert.

An der Reeperbahn 1 musste der alte Mojo-Club weichen, auf dem Mercado-Grundstück protestierten orthodoxe Juden gegen die Bebauung eines alten jüdischen Friedhofs, und eine Bürgerinitiative mobilisierte gegen den Abriss des Bismarckbads in Ottensen. "Überall bekamen Büll und Liedtke schlechte Presse", erinnert sich Lengefeld. "Vielleicht durften wir deshalb bleiben."

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 33 vom 4.8. 2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Eigentlich wollte der Investor auch das Hafenklang-Gebäude abreißen. "Die haben uns mehrfach angeboten: Kommt Jungs, wir bauen euch da eine schöne neue Disco hin!", so Lengefeld. Heute muss man sagen: Gut, dass die Punks hartnäckig geblieben sind. Denn das einstige Stallgebäude für die Zugpferde der Hafenbahn, erbaut 1860, ist eines der letzten Zeugnisse des alten Kiezes.

2006 sanierte Büll und Liedtke die Umgebung und umstellte den Club mit Neubaubüros – was dem verbliebenen alten Kasten heute etwas leicht Museales verleiht, als hätte sich die Tourismusbehörde das ausgedacht: "Schauen Sie her, meine Damen und Herren, die mit Aufklebern übersäte Eingangtür, die vollgetaggten Toiletten, den Barkeeper mit der Zahnlücke – das ist das abgerockte St. Pauli der Neunziger, extra für Sie aufbewahrt!"