Die Corner war früher mal eine einfache Straßenecke auf St. Pauli. Inzwischen aber ist die Kreuzung, an der die Straßen Neuer Pferdemarkt, Beim Grünen Jäger, Wohlwill- und Thadenstraße zusammenlaufen, keine schnöde Ecke mehr. Sie ist ein großer Biergarten mit Selbstbedienung. Digga, lass’ mal cornern!

Früher traf man sich an Bushaltestellen, Tankstellen oder Parkplätzen von Supermärkten. Man trank, schnackte. Nun ist’s die Straßenecke. Bushaltestellen, Tankstellen und Supermärkte haben Mülleimer, die Entsorgung des Abfalls war früher kein Problem. Und heute? Auch direkt an der Kreuzung beim Grünen Jäger gibt es einen Mülleimer, der reicht aber nicht mehr aus, seit der Bürgersteig zur Bar wurde. Und so klagen die Anwohner über den Müll. Selbst die Stadtreinigung twitterte im vergangenen Sommer: "Schattenseiten des guten Wetters: Durch #Cornern und #Abhängen nimmt Verschmutzung in #Schanze u #SanktPauli stark zu".

Warum gibt es nicht mehr Mülleimer an der Corner?

"Das Cornern ist ja ein relativ neues Phänomen", sagt Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung. Grundsätzlich stünden Mülleimer immer dort, wo viele Menschen unterwegs seien. "Wir können aber nicht immer gleich überall Papierkörbe aufstellen, wo gerade mal mehr los ist." In der Mönckebergstraße, klar, Menschenmassen, steht alle paar Meter ein Mülleimer. Genauso am Hauptbahnhof. Aber eine Kreuzung im Wohngebiet mit Müllkörben zupflastern?

Auf einem Plan der Stadtreinigung mit Kreisen, Dreiecken und vielen blauen Linien ist zu erkennen: Rings um die Corner gibt es vier Mülleimer, jeder wird fünfmal pro Woche geleert. Auch die angrenzenden Gehwege werden fünfmal wöchentlich gereinigt. "Papierkörbe helfen nur, wenn sie benutzt werden", sagt Fiedler. "Die Reeperbahn und Nebenstraßen werden bis zu zweimal täglich und einmal in der Nacht gereinigt – trotz Papierkörben."

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 34 vom 11.8. 2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Es gibt zwischen Schanze und Kiez also nicht weniger Mülleimer als anderswo im Wohngebiet, das gilt auch für die Corner. Die Mülleimer stehen aber nicht alle direkt dort, wo die Feierabendbiere aufploppen und die Schokoriegel gegessen werden.

Das hat in dieser Woche auch die Stadtreinigung eingesehen. Zweite Mail von Reinhard Fiedler: "Wir haben im Bereich Grüner Jäger noch zwei große Papierkörbe aufgestellt." Jetzt stehen direkt an der Ecke zwei Mülleimer, im größeren Umkreis sind es zwölf. "Die Papierkörbe werden auch am Wochenende kontrolliert und gegebenenfalls geleert."

Die Neulinge sollen erst mal bleiben.

Es sei denn die Massen ziehen weiter und die Corner wird wieder zu einer ganz normalen Straßenecke. Dann ziehen auch die Mülleimer um.