Michael Ballack

Immer wollten alle, dass er den Leader spielt, den Capitano, der alles wegbeißt. Das war noch die Zeit, als Deutschland glaubte, dass man sogenannte Leitwölfe benötige, um Weltmeister zu werden. Weltmeister wurde Deutschland erst, als der sächsische Leitwolf Michael Ballack schon in Altersteilzeit gegangen war. Dass er richtig Humor hat, bewies er danach: Da kritisierte er die DFB-Elf nach dem ohne ihn gewonnenen WM-Titel, weil ihr Persönlichkeit und Charakter fehlten, ein richtiger Leitwolf gewissermaßen.

Georg Baselitz

Es geht in Kunstmuseen selten lustig zu – und wenn doch, hängt da meist ein Werk von Georg Baselitz, geboren 1938 bei Kamenz. Baselitz lässt seine Bilder verkehrt herum hängen. Stehen Besucher davor, drehen sie sich oft irgendwann mit dem Rücken zur Kunst, zunächst heimlich, dann beugen sie den Oberkörper nach unten, dann gucken sie, durch die Beine hindurch, kopfüber auf das Bild. Ein herrlicher Anblick! Hintern, die auf Bilder zeigen. Und ein Wunder, dass das noch keiner gefilmt hat. Baselitz, denkt man sich, muss im Atelier sitzen und lachen über seinen Coup.

Claus Weselsky

Manchmal kommt es einem so vor, als würde Claus Weselsky, Chef der Lokführergewerkschaft GDL, stereotyp männliches Verhalten parodieren. Sein Vorgänger Manfred Schell bezeichnete Weselskys Führungsstil als "autoritär". Dabei sind dank Weselskys Bahnstreiks so viele lustige Dinge passiert! Der Autoverleiher Sixt ernannte ihn zum "Mitarbeiter des Monats". Ein Fernbusunternehmen taufte einen Bus "Claus Weselsky". Und bis heute reden alle über den Sachsen mit dem breiten Akzent, bei dem so viele Leute nur Bahnhof verstehen.

Stanislaw Tillich

Er ist der Protoyp des braven Sachsen, der aufrechte Ministerpräsident, aber ganz im Herzen ist Stanislaw Tillich auch lustig. Das sieht man daran, dass er immerzu schmunzelt. Wenn er Bürger trifft: schmunzelt er. Wenn er eine Rede hält: schmunzelt er. Er ist ein Schmunzelmann, der schmunzeln kann. Und man denkt sich: In unangenehmen Situationen, wenn mal wieder Journalisten böse Fragen stellen, ruft er sich bestimmt einen Witz von Ilse Bähnert in Erinnerung, dann ist – ah – alles nur halb so schlimm.

Till Lindemann

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT-im-Osten Ausgabe Nr. 34 vom 11.8.2016.

Man vergisst immer, dass er ein gebürtiger Sachse ist, Leipziger. Vielleicht, weil Till Lindemann nicht sächselt. Dabei entspricht er dem Klischee, das sich die Sachsen mühsam aufgebaut haben, ganz gut: Er schaut ganz ernst drein und ruft böse Sachen von Bühnen. Lindemann ist der Frontmann von Rammstein. Rammstein, das sind die, die immer von irgendwelchen Flammeninfernos singen. Aber in Wahrheit ist Lindemann richtig lustig. 2003 spielte er im Kinderfilm Amundsen der Pinguin mit und ließ sich von einem Vogel in den Finger beißen. Rammstein-Fans stehen morgens um acht Uhr auf, wenn eine Wiederholung im Fernsehen läuft, denn als Schauspieler ist er noch gefährlicher denn als Sänger – zum Totlachen nämlich.

Stefanie Kloß

Die Sängerin der Band Silbermond hat es sich zur Aufgabe gemacht, Werke verstorbener Denker zu vereinfachen, humoristisch anzuhauchen und in die Charts zu bringen. Mit einem Bandnamen, der klingt, als wäre Joseph von Eichendorff bester Laune im 21. Jahrhundert aufgetaucht. Mit Liedtiteln wie Das Ende vom Kreis, die sich anhören, als hätte Einstein angetrunken an einem Poetry-Slam teilgenommen. Und mit Zeilen wie "Meer sein", die nahelegen, Hemingway würde neuerdings als Animateur auf der Aida arbeiten.

Kati Witt

Kati Witt aus Chemnitz, Eiskunstlauf-Olympiasiegerin. Dass sie witzig ist, weiß jeder, der schon mal ihr schallendes Lachen gehört hat. Aber wussten Sie, dass es echte Kati-Witt-Witze gibt? Zum Beispiel den, in dem Erich Honecker Kati Witt trifft und sagt: "Für Ihre sportlichen Leistungen haben Sie einen Wunsch frei!" Und Kati antwortet: "Ich möchte, dass jeder DDR-Bürger einmal unbeschwert im westlichen Ausland Urlaub machen kann." Und Honecker sagt: "Sie Schlingel, wollen mit mir alleine sein!"

Inka Bause

Die Kunst jedes Komikers besteht darin, Dinge zu tun, die anderen absurd erscheinen. Zum Beispiel: in Alliterationen reden. Inka Bause, Tochter des DDR-Unterhaltungsstars Arndt Bause, hat es sich als Moderatorin von "Bauer sucht Frau" zur Angewohnheit gemacht, genau das zu tun. Irrwitzige Inka! Bause belebt beherzt ein stilistisches Mittel, das als geschmacklos gegolten hat. Köstlich! Konsument kichert.