Seinen ersten Flugsimulator entwickelte er mit neun, seine erste Firma gründete er mit 23. Er nannte sie Bigpoint und verdiente mit Online-Games wie "Farmerama" Millionen. Heute hat Heiko Hubertz, 40, genug Geld, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Tut er aber trotzdem. Warum eigentlich?

DIE ZEIT: Herr Hubertz, Sie gehören zu den elf reichsten Hamburgern, belegen Platz 457 auf der Liste der reichsten Deutschen.

Heiko Hubertz: Oh Gott, ist das so?

ZEIT: Verfolgen Sie solche Ranglisten?

Hubertz: Nein.

ZEIT: Sie sind mit Computerspielen im Internet Millionär geworden. Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie realisiert haben, dass Sie genug Geld besitzen, um nie wieder arbeiten zu müssen?

Hubertz: Ich habe schon als Jugendlicher zu meinen Eltern gesagt: Mit 30 will ich nicht mehr arbeiten müssen. Das habe ich dann aber nicht geschafft.

ZEIT: Sie haben sechs Jahre länger gebraucht.

Hubertz: Irgendwann konnte ich nicht mehr nur in meinem Unternehmen entscheiden, wie es laufen soll, sondern mir privat alle Wünsche erfüllen.

ZEIT: Das heißt?

Hubertz: Ich hatte alles und musste überlegen: Was ist jetzt mein Ziel? Geht es darum, das noch größere Haus zu haben? Das noch schönere Auto? Ich bin auch kurz in diese Richtung abgedriftet, wenn ich ehrlich bin.

ZEIT: Was haben Sie sich geleistet?

Hubertz: Mir sind besondere Erinnerungen wichtig. Dafür gebe ich gern Geld aus. Ich war beim Finale der Europameisterschaft 2008, Deutschland gegen Spanien, in Wien. Oder als ich meinen Geburtstag in Las Vegas gefeiert habe: Das war unvergesslich.

ZEIT: Erzählen Sie doch mal.

Hubertz: Ich habe damals in den USA gelebt. Zu meinem Geburtstag wollte ich etwas Besonderes machen. In den Kinos war der Film Hangover gelaufen, in dem Freunde eine verrückte Partynacht in Las Vegas rekonstruieren. Ich wollte also meinen Geburtstag in Las Vegas feiern, mit allem, was im Film vorkommt.

ZEIT: Am Anfang des Films läuft ein Tiger durch ein Hotelzimmer ...

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 35 vom 18.8. 2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.


Hubertz: Ja, bei uns ist ein Dompteur nach seiner Show mit einem weißen Tiger an einer Eisenkette in unsere Partysuite gekommen.

ZEIT: Was kostet so ein Spaß?

Hubertz: Für ein solches einmaliges Erlebnis superwenig. Mit Versicherung unter 5000 Dollar. Einer meiner besten Freunde hat sich meinen Namen auf den Arm tätowieren lassen. Ein anderer hat seine Freundin geheiratet, er wurde von einem Typen in Darth-Vader-Kostüm getraut. Beides passiert so ähnlich im Film. Meine Freunde sind nicht vermögend. Sie sind für viel Geld nach Vegas geflogen, da wollte ich ihnen was bieten.

ZEIT: Haben Sie sich verändert, jetzt, da Sie ausgesorgt haben?

Hubertz: Ich bin kurz in ein Loch gefallen. Ich musste herausfinden, warum ich jeden Tag ins Büro gehe. Für die Mitarbeiter? Für die Anerkennung? Nach vielen Gesprächen mit Freunden und meiner damaligen Freundin wurde mir klar: Ich habe einfach Spaß an meiner Arbeit. Solange ich mich freue, morgens da hinzugehen, weiß ich, warum ich das mache.

ZEIT: Nach dem Verkauf von Bigpoint war Schluss mit Ihrer damaligen Freundin.

Hubertz: Das stimmt. Wir sind auf Weltreise gegangen. Vorher waren 90 Prozent unserer Gespräche auf das Unternehmen bezogen. Wir hatten Bigpoint zusammen aufgebaut, sie war mitverantwortlich für den Erfolg. Für sie war es trotzdem wichtig, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Für mich waren an diesem Punkt Familie und Kinder wichtig. Das gemeinsame Ziel fehlte plötzlich. Wir haben uns dann in Peking getrennt.