Gechlorte Hühner, Genmais und Fleisch von mit Hormonen behandelten Tieren – große politische Debatten wie die Diskussionen um das Freihandelsabkommen TTIP werden vom Thema Essen geprägt. Es zeigt sich: Nahrungsaufnahme kann zum Politikum werden. Die Ergebnisse der Vermächtnisstudie zeigen, dass das Essen in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert besitzt. Und sie weisen darauf hin, was die Bürger von den Politikern auch bei diesem Thema erwarten: dass sie handeln und entscheiden.

Die Studie hat die Bedeutung von Essen in drei Dimensionen erfasst: "Wie wichtig ist es Ihnen persönlich, auf gutes Essen zu achten?", "Wie wichtig sollte es allen Menschen in Zukunft sein, auf gutes Essen zu achten?" Und schließlich, "Von Ihren Wünschen abgesehen: Was denken Sie, wie wichtig wird es den Menschen in Zukunft tatsächlich sein, auf gutes Essen zu achten?" Gefragt wurde nach gutem Essen, aber auch nach angrenzenden Themen wie der Bedeutung der Nahrungsmittelproduktion. Die Ergebnisse zeigen den enorm hohen Stellenwert von gesundem Essen: Knapp 90 Prozent der über 3.000 Befragten empfehlen kommenden Generationen mit höchstem Nachdruck, auf gutes Essen zu achten, und 74 Prozent unterstreichen die zukünftige Bedeutung einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion. Unter ihnen finden sich Arme wie Reiche, Menschen mit niedriger wie mit hoher Bildung.

Ganz anders die tatsächliche Situation heute. Menschen mit hoher Bildung und gutem Einkommen achten sehr genau auf die Art der Nahrungsmittelproduktion. Menschen mit geringer Bildung und geringem Einkommen tun dies weniger. Ihnen ist dabei selbstkritisch bewusst, dass sie unterhalb der eigenen Ideale bleiben, schließlich wünschen sie sich (siehe oben) für die kommenden Generationen höhere Standards.

Auf die Nahrungsmittelproduktion achten

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Was nun bedeutet dies für die Politik? Sie sollte zur Kenntnis nehmen, dass Menschen aufgrund ihrer sozialen Realität daran gehindert werden, sich ihren Vorstellungen gemäß zu ernähren.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 37 vom 1.9.2016.

Kann davon nun eine Aufforderung zu staatlicher Lenkung ("Dirigismus") abgeleitet werden? Nein! Den Menschen vorzuschreiben, was sie essen sollen und kaufen dürfen, wird von nur drei Prozent der Befragten befürwortet. 85 Prozent der Befragten sprechen sich allerdings dafür aus, dass die Politik dafür sorgt, dass Bürgerinnen und Bürgern vollständige und verständliche Produktinformationen zugänglich sind. Durch mehr Transparenz wird den Verbrauchern die Wahl ermöglicht, was sie kaufen können: Diese Möglichkeit, durch das eigene Kaufverhalten Einfluss auszuüben, wird eher von Menschen wahrgenommen, die in Städten leben, einen heterogenen Freundeskreis unterhalten und insgesamt davon ausgehen, ihr Leben aktiv selbst gestalten zu können. Menschen mit niedrigerem Einkommen hingegen befürworten eher stärkere Kontrollen der Lebensmittelkonzerne. Der Supermarktbesuch soll für sie nicht zum Ampel-Test werden, sondern zum sorgenfreien Einkaufserlebnis.

Lebensmittel und Politik

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