Nicht immer ist auch drin, was draufsteht. Die Erkenntnis gehört zum Leben als Verbraucher, und gewiss werden auch viele unserer Leser manchmal enttäuscht bemerkt haben, dass an dieser Stelle, wo es doch um das Peinlichste vom Peinlichen, die Weltklasse der Peinlichkeiten, gehen sollte, bisweilen nicht das Letzte, sondern nur das Vorletzte, vielleicht sogar Vorvorletzte geboten wurde – bloße Petitessen. Das ist in Hamburg anders. Hamburg ist eine Stadt, die sich wirklich nur dem Außerordentlichen öffnet, zum Beispiel letzte Woche dem Internationalen Festival der Smart-Community, mit 34 teilnehmenden Nationen. Die halbe Innenstadt wurde weiträumig abgesperrt, um Hunderten von quietschbunten Kleinstautos einen reibungslosen Corso zu erlauben. Bang wurde in dem einschlägigen Internetblog gefragt, ob der bisherige Rekord des portugiesischen Badestädtchens Cascais (mit 1427 Smarts) übertroffen worden sei. Wir meinen: Es braucht keine Zahlen, um den Weltrekord festzustellen. Wir meinen: Die stolze Hansestadt hat den Vogel der Diskriminierung schon abgeschossen. Ungerechter geht gar nicht mehr! Warum kriegt die Firma Mercedes Benz eine polizeilich abgeschirmte Werbe-Demo für ihr Autochen, aber Opel keinen Protestzug zur Durchsetzung des Astra spendiert? Warum werden die Elbvororte nicht mal für VW gesperrt? Der Konzern hat eine Soli-Aktion bitter nötig. Und überhaupt: Was soll diese Protektion der deutschen Autobranche? Ist das nicht superpeinlich, dieses selektive Schielen nach kriegswichtiger Produktion, Pardon, weltmarktführenden Produkten? Was ist mit den Keksen, die zum Teil auch auf der ganzen Welt geknuspert werden? Wir wollen jetzt, dass sich der Hamburger Senat zum Empfang der Leibniz-Community rüstet. Eine Parade überlebensgroßer Kekspackungen durch die HafenCity wäre das Mindeste. Danach sollte Toblerone aufmarschieren, Toblerone gibt es auf jedem Flughafen der Welt, in allen Stufen der Ranzigkeit. Eine gewaltige dreieckige Schokolade sollte im Lastwagenkonvoi, der wegen Überbreite nicht überholt werden kann, den größten Verkehrsstau der Nachkriegsgeschichte auslösen. Noch besser wäre, die Schokolade in nordischem Backstein als neue Residenz des Schweizerischen Generalkonsuls nachzubauen. Hamburg hat gezeigt, dass es den weltberühmten Autor, den unsere Leser als Finis kennen, für sich interessieren kann. Jetzt muss die Stadt aber auch mit neuen Blamagen nachlegen. Wir wollen die Peinlichkeitskönigin des Nordens krönen!

FINIS