Frust gibt es auf beiden Seiten. "Hier kommen die Asis aus ganz Hamburg hin", sagt ein Polizist. "Und wir haben zu wenig Personal, um wirklich was dagegen zu machen." Andere Beamte erzählen, dass die Jugendlichen sich einfach nicht an Platzverweise hielten. Wer bestraft werde, sei eine Woche später wieder da. "Viele jugendliche Straftäter verstehen unsere milden Strafen nicht als Wink mit dem Zaunpfahl", sagt Freddi Lohse von der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Die sind aus ihren Heimatländern härteres Durchgreifen gewöhnt, denen fehlt es an Respekt."

Heimatländer. Ist die Unruhe am Jungfernstieg also auch ein Flüchtlingsproblem?

Unter den Krawallmachern seien auch Flüchtlinge, heißt es von der Polizei. Vor einigen Wochen haben die Beamten einen jungen Ägypter festgenommen, der mehrfach am Jungfernstieg junge Männer mit einem Messer angegriffen hat. Einem Mädchen fasste er an die Brüste und in den Genitalbereich. Als sie sich wehrte, schlug er ihr mit der Faust ins Gesicht. Laut Polizei ist das ein krasser Ausnahmefall. Ein Polizist vor Ort sagt: "Natürlich gibt es auch unter den Flüchtlingen Idioten. Aber die meisten Idioten hier sind leider Hamburger."

"Was wir dort abends beobachten, ist kein Problem des Jungfernstiegs, sondern ein Problem unserer Stadt", sagt deshalb Architekt André Poitiers. Und er fügt hinzu: "Wir sollten nicht in erster Linie darüber nachdenken, wie man die jungen Leute hier vertreibt." Dass die Flüchtlinge zum Jungfernstieg kämen, sei eine Chance: "Hier können sie beobachten, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Das ist die Integration, die in abgelegenen Flüchtlingsunterkünften eben nicht stattfindet."

Poitiers will nicht, dass sein Werk von Chaoten zerstört wird. Er sieht aber auch, dass die Polizei allein nicht die Lösung sein kann. Es müsse viel mehr Streetworker geben, die mit den Jugendlichen arbeiten. Und der Platz müsse attraktiver für andere Menschen gemacht werden, vielleicht mit mehr Veranstaltungen, sagt der Architekt.

Wer mit den Geschäftsleuten, Gastronomen, Sicherheitsleuten, sogar Polizisten am Jungfernstieg spricht, hört diese Ideen immer wieder: mehr Sozialarbeit, mehr Kultur, mehr Hamburger. Geht es nach ihnen, dann soll der Jungfernstieg zum größten Integrationsprojekt der Stadt werden.

Nun müssen die Hamburger nur noch diese Frage beantworten: Wollen sie den schönsten Platz der Stadt auch wirklich dafür hergeben?