Anmutig steht sie da. Schlank, ruhig, unbeeindruckt von ihrer Umgebung. Nichts Klobiges ist an dieser Standuhr, nichts, was zweifeln lassen könnte an der Notwendigkeit ihrer Größe.

Es ist die Gelassenheit des Alters, die aus der Ende des 18. Jahrhunderts in London gebauten Uhr (Auktion am 4. September bei Schloss Ahlden, Schätzpreis: 900 Euro) spricht. Armbanduhren, klein wie eine Münze, wirken gegen sie verkniffen, die digitale Anzeige auf dem Telefon wie ein trauriges Zeugnis übertriebener Effizienz.

Hier steht der Luxus. Ein ganzer Schrank für die Uhrzeit, ein Möbelkunstwerk aus Eiche, das man nirgendwohin mitnehmen, das man noch nicht einmal allein verrücken kann. Feine Messingzeiger, große Ziffern und schwere Glocken im Bauch zelebrieren das Vergehen der Stunden, es ist ein Festival der Haptik, bei dem jede Minute des Tages gefeiert wird. Mit der Hand über das alte Holz fahren, auf den Klang der vergangenen Stunde warten, sich vorstellen, wie viele Kinder schon versucht haben, ins Innere des Schrankes zu kriechen – diese Uhr ist eine Einladung zum Verweilen.

Filigrane Pflanzenmuster hat der Uhrmacher John Flook aus London um das Ziffernblatt herum gezeichnet, kleine Türmchen verzieren den Schrank an den oberen Enden. Obwohl die Zeit genauso schnell vergeht wie auf jeder anderen Uhr, scheint sie doch bedächtiger vorbeizuziehen. Die Standuhr ist damit eine Anti-Sanduhr. Keine hektisch verrinnenden Körnchen verbreiten Panik und Hetze. Die Vergänglichkeit kommt sanft daher. Man könnte auch sagen: tröstlich.