Blitze entstehen, wenn in einer Wolke zwischen verschiedenen Schichten oder zwischen einer Wolke und dem Boden eine elektrische Spannung besteht, die sich schlagartig entlädt. Also: Keine Wolke, kein Blitz. Trotzdem sind schon Menschen vom Blitz getroffen worden, die nichts ahnend unter blauem Himmel einen Spaziergang machten. Wie kann das sein?

Die Ladungen in einer Gewitterwolke entstehen dadurch, dass heiße Luft von unten aufsteigt und sich in höheren Luftschichten abkühlt, wodurch sich dort Eiskristalle und Hagelkörner bilden. Diese Eispartikel fahren wie in einem Fahrstuhl in der Wolke auf und ab, reiben sich aneinander und an der Luft und laden sich dabei auf. Gewöhnlich entstehen dadurch Schichten mit verschiedenen Ladungen: Der Boden ist positiv elektrisch geladen, der untere Teil der Gewitterwolke negativ, der obere Teil der Wolke wieder positiv.

Die meisten Blitze entladen sich innerhalb der Wolke. Die spektakulären Blitze, die in Häuser oder Bäume einschlagen, sind Entladungen zwischen den unteren Wolkenschichten und dem Boden. Sie finden also unmittelbar unter der Wolke statt.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 38 vom 8.9.2016.

Es gibt jedoch noch weitere Formen der Entladung: Ein Blitz kann zum Beispiel von der oberen Wolkenschicht in den Himmel gehen, so etwas nennt sich Jet. Er kann aber auch seitlich austreten. Anschließend wandert er in der Höhe erst einmal seitwärts, bevor er sich einen Weg zum Boden sucht. Und genau diese Seitwärts-Blitze schlagen dann nicht mehr unbedingt direkt unter einer Wolke ein. Im Jahr 2008 haben Forscher diese seltenen Phänomene ausführlich in der Zeitschrift Nature Geoscience beschrieben und ihre Entstehung erklärt.

Die Seitwärtsbewegung des Blitzes kann sich über mehrere Kilometer erstrecken, und am Einschlagsort kann durchaus gutes Wetter herrschen. So schlug in den USA ein Blitz in den Helm eines Radfahrers ein, der 16 Kilometer von der Gewitterwolke entfernt unter blauem Himmel radelte. Die Wolke war nicht einmal am Horizont zu sehen, sondern hinter einem Berg verborgen. In Florida wanderte so ein Blitz sogar 40 Kilometer weit. Keine harmlose Angelegenheit: Weil die Gewitterwolken als offensichtliche Vorboten der Gefahr fehlen, kommt der Blitz völlig unerwartet – eben aus heiterem Himmel.

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