Pünktlich am 31. August war der Sommer zu Ende. Der städtische Schwimmbadbetreiber Bäderland schloss die Freibäder, obwohl die Fans etwa des Kaifu-Freibads bei Sonnenschein am Zaun standen und fassungslos den Kopf schüttelten. Aber die Saison 2016 ist vorbei. Manche wittern da überkommene Amtsbürokratie und planen Protest: "Freies Schwimmen für Freischwimmer!" Andere halten das starre Ende des Freiluftbadebetriebs für einen groben ökonomischen Fauxpas: Hatte Bäderland nicht erst beklagt, dass sich in der abgelaufenen Saison 20 Prozent weniger Badegäste in den Freibecken tummelten? Und wären die angekündigten heißen Spätsommertage nicht die Gelegenheit, zumindest einen kleinen Teil des Verlusts wieder reinzuholen – wenn man nur etwas flexibler bei den Öffnungszeiten wäre?

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 38 vom 8.9. 2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Doch so unflexibel ist Bäderland gar nicht. Immerhin ließ man vier Freibäder – Bondenwald, Billstedt, Rahlstedt und Neugraben – noch das vergangene Wochenende über geöffnet, damit Badegäste das angesagte tolle Wetter nutzen konnten. So toll war es dann aber gar nicht, und das hatten wir in den letzten Wochen schon mehrmals: angesagtes Megawetter (quasi als Entschädigung für den miesen Sommer), aus dem dann ein ganz nettes, aber keinesfalls sensationelles Okaywetter wurde.

Und jetzt, mag die Sonne auch tagsüber mal scheinen, sei kein Freibadwetter mehr, sagt Bäderland-Sprecher Michael Dietel: "Wir haben nachts Temperaturen um die zwölf Grad. Und die Liegewiesen sind nass." Die Liegewiesen nämlich sind den meisten Freibadgängern wichtiger als die Schwimmbecken. So erklärt sich übrigens auch das Besucherminus im Sommer. Obwohl dieser temperaturmäßig der wärmste seit Langem war: Bei Regen legt sich selbst ein Hamburger nur ungern aufs Handtuch.

Was aber, wenn die Bombastisches-Wetter-Prognosen dann einmal doch zutreffen, wenn auf der Wiese der Po garantiert trocken bleibt – kann man dann nicht doch spontan die Freibäder wieder aufmachen? Das sei nicht so einfach, sagt Michael Dietel: "Wir schalten am Ende der Saison die Wasseraufbereitung ab." Jene Anlagen also, die in den Freibädern ständig die Wasserqualität messen, das Wasser permanent reinigen und mit wohldosierten Chlorgaben gegensteuern, falls einem Kleinkind die Schwimmwindel leckt – oder gar eine Ente landet.

Sei ein solches System abgeschaltet, brauche es Tage, bis das Wasser wieder einwandfrei sei, bis die Gesundheitsbehörde den Betrieb freigegeben und bis man die Bademeister zusammengezogen habe. "Trotzdem", so Dietel, "wir beobachten permanent, ob es sich doch lohnt, zumindest ein Bad zu öffnen." Und wenn sich, während Sie diese Zeilen lesen, die neueste Wetterprognose ausnahmsweise wirklich bewahrheitet hat und es heiß ist, ohne Vertun – schauen Sie mal zum Freibad im Stadtpark ...