Mütter lieben ihre Kinder. Doch würden sie sich nochmals für Kinder entscheiden? Manche Frauen blicken auf ihr Leben zurück und sind nachdenklich. Wäre ich ohne meine Kinder vielleicht glücklicher, mehr bei mir selbst? Hätte ich jetzt eine Führungsposition? Ginge es mir wirtschaftlich viel besser? Hätte ich ein erfüllteres Liebesleben, einen anderen Partner? Orna Donaths 2015 erschienenes Buch Regretting Motherhood hat eine Diskussion über "bereuende Mütter" ausgelöst. Um Väter geht es in dieser Diskussion nicht.

Für die Vermächtnisstudie fragten wir mehr als 3.000 Menschen, darunter gut 1.000 Mütter und 600 Väter, zunächst nach dem, was ihnen selbst wichtig ist. Wir fragten dann aber auch, was sie den nächsten Generationen empfehlen würden. Was sollte wichtig sein? Die Ergebnisse zeigen: Den Eltern sind ihre Kinder sehr wichtig. Und wie. 95 Prozent der Mütter und 93 Prozent der Väter stimmen mit höchstem Nachdruck der Aussage zu: Die Kinder sind mir wichtig. Bei der Frage, was Eltern den kommenden Generationen mitgeben wollen, ging die Zustimmung zu der Aussage, dass Kinder im Leben wichtig seien, im Vergleich zu diesen Zahlen allerdings zurück: Bei den Müttern um 13 Prozentpunkte, bei den Vätern um fünf.

Der Vergleich zeigt, dass Mütter etwas zögerlicher sind. Verbirgt sich dahinter ein Bedauern?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 38 vom 8.9.2016.

Zunächst belegt der Vergleich zwischen Menschen mit und ohne Kindern, dass der Unterschied zwischen der Einstellung von Eltern heute und dem, was Eltern beim Thema Kinder weitergeben möchten, tatsächlich auf die Frage zurückzuführen ist, ob sie selbst Eltern sind: Frauen ohne Kinder und – noch stärker – kinderlose Männer finden, der kommenden Generation sollten Kinder wichtiger sein, als sie ihnen selbst waren. Sie bereuen also das Gegenteil – keine Kinder bekommen zu haben. Es herrscht ein starker Kinderwunsch bei jenen, die die Erfahrungen, Anstrengungen und Widersprüche einer Elternschaft noch nicht kennengelernt haben – insbesondere bei Männern. Wer weiß, was es bedeutet, Kinder zu gebären und aufzuziehen, neigt zur Vorsicht.

Elternschaft

Quelle: Vermächtnisstudie, 3104 realisierte Fälle im Sommer 2015 © ZEIT-Grafik

Sodann haben wir in der Studie die Unterschiede innerhalb der Gruppe der Eltern untersucht: Welche Eltern äußern also eher Bedauern als andere? Wir prüften zahlreiche Einflussfaktoren wie Alter, Herkunft, Bildung, Einkommen, Kinderzahl und die Zusammensetzung des Freundeskreises. Das Ergebnis: Eltern, insbesondere Väter in den neuen Bundesländern und Migranten der ersten Generation, sind bei den "Bedauernden" unterdurchschnittlich vertreten. Wer aber bedauert am ehesten? Es sind Akademiker. Ein hoher Bildungsabschluss und Kinder scheinen bei vielen eine Kombination, die zur Reue in der Kinderfrage drängt. Es scheint einfach nicht recht zu passen. Das gilt vor allem für Mütter.

Arbeitsteilung im Haushalt

Quelle: Vermächtnisstudie, 3.104 realisierte Fälle im Sommer 2015 © ZEIT-Grafik

Was lehren uns diese Zahlen? Es geht um Vereinbarkeit, Vorbilder und fehlende Traditionen. Wir müssen endlich verstehen, dass Frauen, vor allem gut gebildete, erwerbstätig sein wollen. Kind oder gute Arbeit? Vor diese harte Entscheidung gestellt, empfehlen manche Frauen, lieber zu arbeiten, sich und ihr Können zu zeigen. Und einen Auftrag geben uns Frauen auch mit. Sie betonen, wie wichtig eine faire Teilung der Haus- und Familienarbeit ist und sein sollte. Hier aber ziehen Männer (und insbesondere Väter) wenig mit, wie unsere Daten belegen. Um später nicht durch das Wörtchen "wenn" und den Konjunktiv ihre Aufgabe infrage zu stellen, müssen Männer sich aufmachen, hin zu weniger Arbeitszeit und mehr Familienarbeit. Unternehmen, Tarifpartner, der Staat und wir alle sollten sie nicht bremsen.