Das mit Hamburg und der AIDAprima hatte eigentlich gut angefangen. Beim diesjährigen Hafengeburtstag wünschte Till Schweigers Tochter diesem "schönen Schiff" (weiß, Kussmund, Kulleraugen) immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und ließ die Champagnerflasche am Bug zerschellen. Applaus. Schiffshorn. Feuerwerk.

Nur vier Monate später bestätigt die Rostocker Reederei, was bereits geraunt wurde: Zum Winter 2017/18 verlässt das schöne neue Kreuzfahrtschiff den Hamburger Hafen und wird auf den Kanaren stationiert.

Ausgerechnet die AIDAprima. Das Schiff, das der Naturschutzbund erst kürzlich zu dem (immerhin) am wenigsten umweltschädlichen Kreuzfahrtriesen Europas kürte. Das Schiff, das mit Platz für rund 3.300 Passagiere jeden Samstag für Auslastung am neuen Kreuzfahrtterminal in Steinwerder sorgt. Und ausgerechnet jetzt, da schon die amerikanische Reederei NCL ihre Norwegian Jade künftig seltener als erhofft nach Hamburg schickt. War es das schon wieder mit dem Hamburger Kreuzfahrtboom?

Die Angst, dass irgendwann weder Containerschiffe (altes Problem) noch Kreuzfahrtriesen (befürchtetes neues Problem) den Hamburger Hafen ansteuern wollen, ist groß. Anders lässt sich die Aufregung um die Verlegung der AIDAprima kaum erklären. Gerechtfertigt ist sie nicht.

Das Kreuzfahrtgeschäft wächst nach wie vor. Die Auftragsbücher der Werften sind voll. Wer heute eines der schwimmenden Hotels bestellt, bekommt es wohl frühestens Mitte der 2020er Jahre. Und der Boom wird noch eine Weile anhalten, wovon auch Hamburg weiter profitiert.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 40 vom 22.9. 2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Ende 2016 wird der Hafen 170-mal von Kreuzfahrtschiffen angelaufen worden sein. 700.000 Passagiere werden ihre Rollkoffer über eines der drei Terminals gezogen haben. Das sind 180.000 mehr als im vergangenen Jahr und wesentlich mehr als erwartet. Für 2017 rechnet die Stadt mit 800.000 Passagieren und 200 Anläufen.

Ab März 2018 wird statt der AIDAprima die baugleiche AIDAperla wöchentlich nach Hamburg fahren. Unterm Strich will die Reederei Hamburg im kommenden Jahr sogar häufiger anlaufen. Und erst am Wochenende hatte das Schweizer Container- und Kreuzfahrtunternehmen MSC bekannt gegeben, zwei weitere große Cruise-Schiffe über Hamburg fahren zu lassen.

Das Wohlergehen des Hamburger Hafens hängt nicht an der AIDAprima. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Es hängt ohnehin nur zu einem kleinen Teil an den Kreuzfahrten.

Die Branche bringt Hamburg 1.500 Arbeitsplätze und 270 Millionen Euro Wertschöpfung, hat die Handelskammer 2013 errechnet, mittlerweile dürfte es etwas mehr sein. Das Verhältnis zum lauten, dreckigen Geschäft mit Containern, Kohle und Kränen ist dennoch bezeichnend: Insgesamt schafft der Hamburger Hafen in der Region 150.000 Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von mehr als zehn Milliarden Euro.

Die öffentliche Wahrnehmung der Branche steht in keinem Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Dazu trägt auch die Stadt in ihrer Selbstvermarktung bei. Man weckt überzogene Erwartungen.

Es ist schön, dass Hamburg Deutschlands wichtigster Kreuzfahrtstandort ist, denn in München oder Köln wäre das Geschäft auch etwas schwierig. Ja, die Deutschen sind nach den USA die zweitgrößte Kreuzfahrernation der Welt, nur reden wir von mehr als elf Millionen amerikanischen und weniger als zwei Millionen deutschen Kreuzfahrern. Und: Kein europäischer Hafen schafft es überhaupt in die Top 5 der Welt.

Vielleicht muss das öfter mal gesagt werden. Damit die Aufregung beim nächsten Mal ein bisschen kleiner wird.