Sonnenschein. So nannte Sue Klebold ihren 17-jährigen Sohn Dylan immer liebevoll. Dylan, der Fröhliche, der mit dem goldblonden Haar. "Sunshine", ja, das passte gut zu dem Jungen. Doch dann kam der 20. April 1999. Der Tag, der Sue Klebolds Leben für immer zerstörte. Plötzlich war da kein Sonnenschein mehr, sondern nur noch ein langer, dunkler Schatten, den ihr Sohn hinterlassen hatte: Dylan Klebold ermordete an diesem Tag zusammen mit einem Freund 13 Menschen in der Columbine High School, anschließend richteten sich die jungen Täter selbst. Sue Klebold wurde über Nacht die Mutter eines der bekanntesten Amoktäter der USA. Sie wurde die Mutter eines – so das Time Magazine – "Monsters".

Dieser Artikel stammt aus Christ & Welt, den Extraseiten der ZEIT für Glaube, Geist und Gesellschaft.

17 Jahre lang lebte Klebold fortan im Stillen. Mit der Last dieses Erbes, unter dem ihre Ehe zerbrach. Zermürbt von der Frage: Wie konnte das alles passieren? Jetzt, mit 67, ist Sue Klebold wieder aufgetaucht. Mit Antworten. Sie hat ihren Frieden gefunden und ein Buch geschrieben mit dem Titel Liebe ist nicht genug. Klebold will sich versöhnen. Mit ihrem Sohn, mit der Welt da draußen, aber vor allem will sie sich selbst verzeihen. Sie gibt Einblicke in das Seelenleben einer Mutter, die verstanden hat: Ihr Sohn war psychisch krank, er brauchte dringend Hilfe, und in dem Punkt habe sie versagt, weil sie das Leid nicht sah. Aber: Die Taten ihres Sohnes sind nicht die ihren. Die Verantwortung nach fast zwei Jahrzehnten von sich zu weisen macht das Blutbad nicht ungeschehen. Das Leben von Sue Klebold wird jedoch erträglicher.