Jemand, der täglich 20 Zigaretten raucht, inhaliert pro Jahr etwa eine Tasse Teer, und der lagert sich in der Lunge ab. Das jedenfalls liest man oft, und entsprechend schwarz und klebrig stellen sich viele eine Raucherlunge vor. Falsch, schreiben dagegen passionierte Raucher im Internet, das alles sei nur Teil der Anti-Raucher-Hatz, und die Bilder von den schwarz verfärbten Lungen auf den Zigarettenpackungen seien gefälscht. In Wirklichkeit könne ein Pathologe die Lunge eines Rauchers nicht von der eines Nichtrauchers unterscheiden.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 41 vom 29.9.2016.

"Schwärzliche Ablagerungen findet man ab einem gewissen Alter bei nahezu allen Menschen", sagt Arne Warth, Lungenexperte von der Deutschen Gesellschaft für Pathologie. "Der Pathologe kann hinterher nicht mehr sagen, ob die Veränderungen durch Rauchen, Einatmen von Schadstoffen am Arbeitsplatz oder allgemeine Luftverschmutzung entstanden sind", bestätigt sein Kollege Gunther Wiest, Lungenarzt am Asklepios Klinikum Harburg in Hamburg. Die Lunge wird von den Ablagerungen nicht komplett schwarz, sondern eher grau mit punktförmigen schwarzen Einlagerungen, man nennt das auch Anthrakose. Je mehr Ruß und Teer man eingeatmet hat, umso mehr von diesen Ablagerungen gibt es.

Diese "normalen" Lungen von friedlich entschlafenen Rauchern sind es aber nicht, die auf den Schockbildern gezeigt werden. Dort sind stark geschädigte Lungen zu sehen, von Krebs befallen oder von der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), unter der Raucher oft leiden. Das sind die Gefahren, die Rauchern drohen, und sie sind nicht übertrieben. "Die Bilder auf Zigarettenpackungen sind realistisch", sagt Wiest.

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