Fragt Franziska Gaulke, 18, Abiturientin aus Hamburg.

Zuerst hatte ich die Idee, nach dem Abitur ein Auslandsjahr zu machen. Aber da muss man sich früh drum kümmern. Außerdem hat mein Vater mir abgeraten, weil er denkt, dass ich dann aus dem Lernfluss komme. Obwohl ich da eh schon raus bin. Jetzt ist es zu spät, etwas zu finden. Ich mache kein Jahr Pause vom Lernstress, sondern fange direkt im Herbst wieder damit an. Die Frage ist, welches Fach will ich studieren? Als kleines Kind träumte ich davon, Kunstreiterin zu werden. In der zehnten Klasse habe ich mein Betriebspraktikum bei einer Zeitschrift gemacht, aber das hat mich dann doch nicht so begeistert.

Ich habe viel mit meiner Mutter geredet, sie hat gesagt, was sie in mir sieht, welche Fähigkeiten ich ihrer Meinung nach habe. Ich mag Sprache. Ich interessiere mich für vieles und bin auch in vielem gut. Mit meinem Abi-Schnitt von 1,2 ist eigentlich alles möglich. Eines meiner Lieblingsfächer war Deutsch. Geschichte hat auch immer sehr viel Spaß gemacht. Ich könnte beides studieren – aber was mache ich hinterher mit so einem Abschluss?

In der Oberstufe bin ich auf Berufsorientierungsmessen gegangen, weil wir das von der Schule aus mussten. Zu Hause stapelte sich das Infomaterial über Unternehmen und Hochschulen. "Irgendwann arbeite ich den Stapel durch und entscheide mich endgültig", habe ich mir gesagt. Stattdessen habe ich alles vor mir hergeschoben, bis es fast zu spät war.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 41 vom 29.9.2016.

Zum Beispiel das duale Studium: Da hätte ich mich im vergangenen Sommer für bewerben müssen. Aber damals war ich noch nicht so weit, mich auf ein Studienfach festzulegen. Oder ein Auslandsstudium in England. Die Frist endete am 15. Januar. Am 1. Januar dachte ich, "Jetzt wird’s langsam mal Zeit", und habe mich noch schnell beworben. Ich habe eine vorläufige Zusage bekommen, müsste aber noch ein paar Sprachtests machen. Das wäre dann englisches und deutsches Recht, ein Doppelstudiengang am King’s College in London.

Für Jura sprechen die guten Berufschancen, deswegen habe ich letztes Jahr ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei gemacht. Das fand ich spannend und abwechslungsreich. Aber will ich das machen, bis ich 65 bin? Oder soll ich doch lieber Forstwirtschaft studieren? Würde mich das glücklich machen? Was will ich überhaupt mit meinem Leben bewirken?