Gerne wirft man den Deutschen eine allgemeine Technikfeindlichkeit vor. Nach den historischen Protesten gegen Atom- und Gentechnik ist es derzeit die Sorge um den Datenschutz, der die Deutschen wie Gegner technischer Neuerungen erscheinen lässt. Will man jenseits solcher Verallgemeinerungen wissen, wie und wo Technik akzeptiert wird oder nicht, muss man zwischen verschiedenen Lebensbereichen unterscheiden. Wie die Vermächtnis-Studie zeigt, gibt es kein generelles Akzeptanzproblem gegenüber technischen Neuerungen. Ablehnende Haltungen finden sich hingegen bei sehr konkreten ethischen Fragen.

Technik Haushalt

Quelle: Vermächtnisstudie, 3.104 realisierte Fälle im Sommer 2015 © ZEIT-Grafik

Die mehr als 3.000 repräsentativ ausgewählten Personen wurden nicht nur danach gefragt, wie sie heute leben. Hinzu kam die Frage, wie nachfolgende Generationen leben sollten. Und schließlich wurde erfragt, wie es aus Sicht der Befragten in Zukunft tatsächlich sein wird. Im Vergleich der Antworten sieht man, inwieweit die Menschen ihre heutigen Einstellungen und Verhaltensweisen von den kommenden Generationen bewahrt sehen wollen ("Vermächtnis"). Und, ob dies, nach ihrer Einschätzung, tatsächlich so kommen wird.

In der soziologischen Forschung zur Akzeptanz von Technik weiß man schon länger um die große Offenheit der Deutschen gegenüber Technik im Alltag. Dies spiegelt sich auch in den Daten der Vermächtnis-Studie wider. 39 Prozent der Befragten geben an, ihr Haushalt sei so ausgestattet, dass sie mithilfe technischer Geräte Zeit sparen. In ihrem "Vermächtnis" steigt der Wert auf über 50 Prozent. Die nachfolgenden Generationen sollen, wenn es nach den Befragten geht, mehr zeitsparende Technik im Haushalt einsetzen, als sie es selbst heute tun. Geht es darum, wie es in Zukunft tatsächlich sein wird, steigt der Wert auf 62 Prozent. Die ansteigende Linie zeigt zweierlei. Zunächst drücken die Befragten aus: Die Technisierung des Haushalts war und ist eine gute Entwicklung. Nachfolgende Generationen sollen mehr zeitsparende Technik nutzen, als wir es heute tun. Dass in Zukunft wohl noch mehr zeitsparende Technik im Haushalt genutzt werden wird, als sie es sich wünschen, deutet hingegen auf eine Überforderung hin. Die Menschen sorgen sich, ob die grundsätzlich erwünschten Veränderungen nicht zu schnell vonstattengehen könnten.

Lebensverlängernde Technik

Quelle: Vermächtnisstudie, 3.104 realisierte Fälle im Sommer 2015 © ZEIT-Grafik

Gefragt wurde in der Vermächtnis-Studie auch nach den Haltungen zum Einsatz lebensverlängernder Technik. Hier geht es um die Rolle von Technik in Bezug auf eine existenzielle ethische Frage. Das Bild sieht ganz anders aus als bei der Frage nach Technik im Alltag. Eine Mehrheit von 77 Prozent lehnt lebensverlängernde Technik ab, wenn ihr Einsatz mit Würdelosigkeit einhergeht. In ihrer Empfehlung für die nachfolgenden Generationen sagt dies mit 69 Prozent ein etwas kleinerer Anteil der Befragten, dennoch bleibt eine breite Mehrheit.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 41 vom 29.9.2016.

Zu verstehen sind die Einstellungen jedoch erst im Blick auf das Alter der Befragten (untere Abbildung). Je älter die Menschen sind, desto skeptischer zeigen sie sich gegenüber lebensverlängernder Technik. Auffällig ist, dass unter den Jüngeren die Gruppe jener, die den Verzicht ablehnen, mit Blick auf ihr "Vermächtnis" nicht wächst. Sie bleibt eine Minderheit von fünf Prozent. Bei den Älteren wächst die Entschiedenheit mit Blick auf ihre Nachwelt: 80 Prozent der Über-65-Jährigen empfehlen als "Vermächtnis" an kommende Generationen klar, lieber auf lebensverlängernde Technik zu verzichten.

Die Studie zeigt, dass nur die wenigsten Menschen eindeutige Einstellungen zur Nutzung von Technik haben. Es gibt nicht "die Technik". Entscheidend ist ihre Bedeutung in spezifischen sozialen Situationen.