Wie wird man Wirtschaftsprüfer?

Wer als Wirtschaftsprüfer arbeiten möchte, muss ein Examen vor der Wirtschaftsprüferkammer ablegen. Etwa 600 Frauen und Männer haben sich dieser Prüfung im vergangenen Jahr gestellt. Sie umfasst sieben schriftliche Klausuren und eine mündliche Prüfung. Alle Klausuren müssen innerhalb von zwei bis drei Wochen abgelegt werden und dauern jeweils vier bis sechs Stunden. Zu den Inhalten zählen das wirtschaftliche Prüfungswesen, die Unternehmensbewertung, das Berufsrecht, die Angewandte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie Wirtschafts- und Steuerrecht. Im vergangenen Jahr haben etwas mehr als 52 Prozent das zeit- und kostenintensive Examen bestanden. Für die Anmeldegebühr und die Vorbereitungskurse werden laut Institut der Wirtschaftsprüfer bis zu 15.000 Euro fällig. Empfohlen wird mindestens ein Jahr Vorbereitung in Block- und Intensivkursen in Instituten und Akademien für Wirtschafts- und Steuerrecht. Die Prüfung darf zweimal wiederholt werden.

Was sollte ein Wirtschaftsprüfer mitbringen?

Neugier, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Affinität zu Zahlen – diese Eigenschaften sollten bei keinem Wirtschaftsprüfer fehlen. Damit allein aber wird noch niemand zum Examen zugelassen. Das Gesetz verlangt von den Kandidaten ein Hochschulstudium und mehrere Jahre Praxiserfahrung – etwa als Mitarbeiter bei einem Wirtschaftsprüfer oder in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Ein bestimmtes Studienfach ist für die Zulassung zum Examen nicht vorgesehen. 84 Prozent aller Kandidaten haben ein betriebswirtschaftliches Studium abgeschlossen. Gute Voraussetzungen bringen aber auch Absolventen anderer Studiengänge mit – wie Jura, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsrecht oder Wirtschaftsingenieurwesen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 41 vom 29.9.2016.

Durch den Abschluss bestimmter Studienfächer lässt sich das Examen verkürzen, da einige Klausuren aus dem Studium anrechenbar sind. Dazu zählt zum Beispiel der Master in Wirtschaftsprüfung, der von den Studenten berufsbegleitend absolviert werden kann und von acht Hochschulen in Deutschland angeboten wird (unter anderem in Frankfurt, Hamburg, Köln und Lüneburg). Auch andere Bachelor- oder Masterstudiengänge eignen sich, um Prüfungsleistungen anrechnen zu lassen und das Examen zu verkürzen. Das Institut für Wirtschaftsprüfer hat auf seiner Internetseite www.wirtschaftspruefer.de eine Liste mit Studiengängen veröffentlicht.

Was macht ein Wirtschaftsprüfer?

Zum 1. Juli 2016 waren in Deutschland rund 14.500 zugelassene Wirtschaftsprüfer gemeldet. Sie kontrollieren Jahres- und Konzernabschlüsse oder die Kreditwürdigkeit von Unternehmen. Außerdem können sie bei Steuerfragen, einer drohenden Insolvenz oder bei der Organisation von Firmen beraten. Einsteiger beginnen mit einem Verdienst von durchschnittlich 42.000 Euro, das Gehalt kann sich im Laufe der Jahre bis zu einer sechsstelligen Summe steigern. Aufgrund ihrer hohen Qualifikation sind Wirtschaftsprüfer zunehmend auch in der Industrie geschätzte Experten. Insgesamt steigt der Bedarf an Wirtschaftsprüfern. Der Altersdurchschnitt jener, die im Beruf stehen, liegt bei über 55 Jahren. In nächster Zeit werden viele Wirtschaftsprüfer aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Wo arbeitet ein Wirtschaftsprüfer?

Wer das Examen erfolgreich bestanden hat, ist danach meist freiberuflich tätig und kann in einer Kanzlei oder in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeiten. Besonders beliebt sind die sogenannten Big Four, die vier umsatzstärksten Gesellschaften – Deloitte, Ernst & Young, PricewaterhouseCoopers und KPMG – dominieren die Branche. Sie beschäftigen weltweit mehr als 200.000 Mitarbeiter.