DIE ZEIT: Herr Hoffmann, wollen Sie wirklich, dass der Ceta-Handelsvertrag bald starten kann?

Reiner Hoffmann: Aber selbstverständlich.

ZEIT: Was ist passiert? Vor ein paar Tagen haben Hunderttausende Menschen gegen die Handelspolitik, gegen das europäisch-amerikanische TTIP-Abkommen und das europäisch-kanadische Ceta demonstriert. Gewerkschaften haben das mitorganisiert. Und der DGB hat einen Protestbrief an die EU-Kommission geschickt.

Hoffmann: Stimmt. Der Vertrag muss auch noch an vier entscheidenden Punkten korrigiert werden. Dann aber bietet er die Chance, den globalen Handel fairer zu gestalten. Wir waren nie grundsätzlich gegen Handelsverträge, haben aber klare Spielregeln gefordert, um die Globalisierung zu gestalten. Deswegen sagen wir: Wir wollen Ceta, aber in korrigierter Form.

ZEIT: Klingt spitzfindig. Viele Demonstranten sind da klarer. Sie sehen in Ceta den schmutzigen kleinen Bruder von TTIP und sagen: Das kann nicht gut werden!

Hoffmann: Das ist völlig verkehrt. Da wird viel zu wenig differenziert, worüber mit den Amerikanern bisher verhandelt und was mit den Kanadiern erreicht wurde.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 43 vom 13.10.2016.

ZEIT: Wo liegt der entscheidende Unterschied?

Hoffmann: Beispielsweise sind die umstrittenen privaten Schiedsgerichte durch Ceta vom Tisch.

ZEIT: Vor denen können ausländische Unternehmen Staaten auf Schadensersatz verklagen, wenn sie ihre Investitionen als geschädigt betrachten. Diese Möglichkeit bieten heute weltweit 3.000 Abkommen. Warum sind diese Schiedsgerichte durch Ceta vom Tisch?

Hoffmann: Sie werden im Ceta-Vertrag durch ein neu zu schaffendes öffentliches Gericht ersetzt. Dessen Konstruktion ist zwar noch nicht perfekt, beispielsweise muss die Unabhängigkeit der Richter noch besser verankert werden. Aber die Reform ist ein richtiger Schritt.