Zugegeben: The Dwarfs Of East Agouza ist ein etwas sperriger Band-Name. Die "Zwerge", das sind: der Ägypter Sam Shalabi an der Gitarre, einer der umtriebigsten Geister der Musikszene Montreals. Der US-Amerikaner Richard Bishop, der lokale Musikformen aus aller Welt erforscht. Und der rising star der nordafrikanischen Avantgarde Maurice Louca an der Elektronik, der schon lange in dem Apartmenthaus im Kairoer Bezirk Agouza wohnt, in das auch die anderen beiden später einzogen, um dort gemeinsame Sessions zu veranstalten. Während sie das taten, zeigte dieses Haus ein magisches Glühen.

Bes ist ein pygmäischer Schutz-, Tanz- und Unterhaltungsgott aus dem Sudan und stiftet nun einem Album den Titel, dessen Musik gleichermaßen von Nord- wie Schwarzafrika beeinflusst ist. Ein Album, dem es an Perspektiven nicht mangelt: Zwischen Spaghetti-Western, Belly-Dance, arabischer Klassik, Krautrock und malischem Wüstenblues musizieren die Dwarfs Of East Agouza ergebnisoffen. Die hypnotischen Rhythmen klingen akustisch, kommen aber aus Maurice Loucas Sampler. Und von Sam Shalabis Gitarre werden sie staubig ornamentiert. Dazu spielt Richard Bishop minimalistische Bassläufe, die mit geringstem Aufwand die gesamte Melodie tragen. Eine Idee, die Holger Czukay einst bei Can prägte.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 43 vom 13.10.2016.

Ereignisse, die auf den ersten Blick nicht ins Ritual passen, verhindern das Abgleiten in die Trance. Ein unvermittelt kristalliner Techno-Klang paart sich mit einer Slide-Gitarre aus dem Mississippi-Delta; eine Hammond-Orgel à la Joe Zawinul befördert Miles Davis’ In a Silent Way in den Mittleren Osten. Das tut der Musik gut, denn es entstehen anregende Assoziationsketten. Auch der Archetyp des Spaghetti-Western-Soundtracks setzte auf Klangkombinationen: Mundharmonika, Pfeifen, verzerrte Gitarre, Chor und Orchester – wo gab es so etwas zusammen zu hören, bevor Ennio Morricone den Soundtrack zu Sergio Leones Once Upon a Time in the West schuf?

All diese frischen Eindrücke werden munter durcheinandergewirbelt. Auch durch die halbstündige, in sich geschlossene Komposition namens Museum of Stranglers, die Rhythmen zerlegt und sich in flimmernde Improvisationen versteigt, aber immer wieder innehält. Als würden die drei Protagonisten ihr Ideenwerk mal in Ruhe von außen betrachten wollen.

The Dwarfs of East Agouza: Bes (Nawa Recordings)