Zeit für Tee © Laszlo Balkanyi

Das Palastviertel

The Tasting Table

Im Palastkeller der Familie Keglevich lagert ungarisches Gold: Die Weinbar The Tasting Table beherbergt Budapests größte Sammlung von Vintage-Tokajern. Aber auch Rotweintrinker werden hier glücklich. Die Sommeliers erzählen zu jedem Wein Geschichten. Etwa wie die Bürger von Eger sich 1552 gegen ein Heer von 40.000 Osmanen wehrten. So tapfer, als hätten sie Bikavér – Stierblut – getrunken. Rund zwölf Euro kostet eine Exkursion inklusive dreier Gläser Wein; weitere zwölf Euro kostet die Käseplatte dazu. Alle zwei Wochen richten die Besitzer der Bar, der Weinexperte Gábor Bánfalvi und seine Frau Carolyn, eine amerikanische Food-Journalistin, im Gewölbe ein großes Abendessen aus. Warmherzigere Gastgeber kann man sich kaum wünschen.

Bródy Sándor u. 9, tastingtablebudapest.com

Stadtbibliothek Ervin Szabó

Diese Bibliothek ist in der vielleicht schönsten Residenz des Palastviertels untergebracht: dem Anwesen der Familie Wenckheim. Hinter den alten Kutscherhaustüren im Erdgeschoss des neobarocken Baus befindet sich die Cafeteria. Der Gästeausweis (circa 1,60 Euro) erlaubt einem den Zutritt zum vierten Stock. Der ist – im Gegensatz zu anderen Teilen des Gebäudes – noch in ganzer Pracht erhalten: Kristallspiegel, vergoldeter Stuck, Kronleuchter. Bester Leseplatz: die holzgetäfelte Bibliothek mit ihren geschwungenen Treppen und dem mächtigen Kamin. Beste Lektüre: Der Englische Patient. Die Familie von Ladislav Almásy, dem Patienten, wohnte im Palast gegenüber. Nicht wundern, wenn es aus den umstehenden Ohrensesseln schmatzt: Das sind knutschende Studenten. Sie nennen die Bibliothek auch "Offline-Tinder".

Szabó Ervin tér 1, fszek.hu

Károlyi Park

Der Károlyi Park, der älteste der Stadt, liegt im angrenzenden 5. Bezirk (Belváros). Rosskastanien und Flügelnüsse spreizen ihre Zweige über kurvige Wege. Rentner flanieren Zigarre rauchend im Schatten des Blattwerks. Auf den Bänken sitzen junge Eltern in der Sonne, während die Kinder den Sandkasten vor dem Springbrunnen umgraben. Direkt vor dem Tor gibt es ein schickes kleines Café, in dem man unter bunten Lämpchen und mit Blick auf die geschwungenen Beete eine hausgemachte Rosmarin-Pfirsich-Limonade oder ein Glas Wein trinken kann.

Cukrászda

Strudel – gefüllt mit Mohn, Kirschen oder Kraut – ist eine lokale Spezialität und hält den Streit mit Österreich wach: Wer hat ihn erfunden? Die Ungarn behaupten jedenfalls, nur mit ungarischem Weizen würde der Teig so pergamentdünn, wie er gehört. In der winzigen Budapest Cukrászda stehen die Kunden Schlange, um Torten und dicke Strudelstücke zu kaufen.

Bródy Sándor u. 23/a, budapestcukraszda.hu

Mikszáth-Kálmán-Platz

Mit seinen Cafés und Bars erinnert der Mikszáth-Kálmán-Platz an eine italienische Piazza. In den Achtzigern hingen im Zappa Caffe die Punks ab, heute eher Craft-Beer-Trinker und Studenten, die sich zum Mittagsmenü für sechs Euro treffen. Das Lumen nebenan ist bekannt für wechselnde Ausstellungen und nette Kellner. Wer zu seinem Riesenomelett einen Smoothie will, bekommt ihn in der neuen Saftbar eine Tür weiter. Auch schön: der Blick in den Hinterhof des Minoo House Hostel. Dort hat unter denkmalgeschützten Holzbalkonen eine Freiluft-Burgerbraterei eröffnet.

Freitreppe

Die Sonne schafft es selten, ihre Strahlen zwischen den Altbauten im 8. Bezirk hindurchzuzwängen. Die Studenten holen sich ihre Lichtdusche deswegen auf der weitläufigen Freitreppe des Nationalmuseums.