Immer wieder wird vor den wachsenden Unterschieden im Umgang mit dem Internet zwischen Digital Nativesund Digital Immigrants, zwischen Jung und Alt gewarnt. Zu Recht, zumindest wenn man auf das Hier und Heute blickt. Fragt man Menschen aber danach, wie es in Zukunft sein sollte, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Jung und Alt haben zwar ähnliche Vorstellungen. Doch das bedeutet für sie jeweils Unterschiedliches.

Die Vermächtnisstudie ermöglicht den Vergleich dreier Dimensionen. Die Menschen wurden gefragt, wie sie heute leben, wie die nachfolgenden Generationen leben sollten und wie das Leben aus der Sicht der Befragten in Zukunft tatsächlich sein wird.

Der Vergleich zeigt zum einen, was die Menschen aus ihrem heutigen Leben an die folgenden Generationen weitergeben möchten – ihr Vermächtnis. Zum anderen kann man erfahren, was die Menschen erwarten: Wird das, was sie sich für die Zukunft wünschen, aus ihrer Sicht auch wirklich eintreten?

Schauen wir zunächst auf das Hier und Heute, um die Generationen in ihrer Haltung zur Digitalisierung zu verstehen. Deutlich zeigen sich Unterschiede nach Alter, so etwa bei folgender Frage: "Wie sehr gilt für Sie, dass Sie sich, wenn Sie sich krank fühlen, eher im Internet über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten informieren, als dass Sie zum Arzt gehen?" Während die über 65-Jährigen Dr. Internet zu 79 Prozent ablehnen, sind es bei den 14- bis 17-Jährigen nur 46 Prozent.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 44 vom 20.10.2016.

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei emotionalen Aspekten digitaler Kommunikation. Immerhin ein Viertel der Jugendlichen sagt, dass sie sich dank des Internets nie allein fühlen. Bei den Älteren sind das nur sechs Prozent. Eine noch größere Differenz zeigt sich bei der Frage, ob man seine Gefühle meist über elektronische Medien mitteilt. Für die Älteren ist das kein Thema: Fast 90 Prozent lehnen diese unpersönliche Form der emotionalen Äußerung ab. Bei den Jugendlichen stimmen ebenfalls nur neun Prozent zu. Doch fast 50 Prozent antwortet indifferent; man bejaht, ohne sich wirklich zu bekennen.

Internet statt Arzt

Quelle: Vermächtnisstudie, 3104 realisierte Fälle im Sommer 2015 © ZEIT-Grafik

Die unterschiedlichen Einstellungen zum Umgang mit digitalen Medien finden sich besonders bei den Empfehlungen der verschiedenen Altersgruppen an die nachfolgenden Generationen. Durch die Antworten zieht sich ein Muster: Die Älteren empfehlen, digitale Medien stärker zu nutzen – die Jüngeren hingegen wollen, dass vieles wieder so wird "wie früher". Sie sind dafür, zum Arzt zu gehen, anstatt Symptome zu googeln (obere Abbildung). Sie plädieren dafür, mehr per Hand zu schreiben, als sie selbst es heute tun, und Gefühle öfter persönlich und nicht per Smartphone mitzuteilen.

Empfehlen Sie nachfolgenden Generationen, Kinder so früh wie möglich an das Internet heranzuführen?

Quelle: Vermächtnisstudie, 3104 realisierte Fälle im Sommer 2015 © ZEIT-Grafik

Deutlicher noch zeigen sich die Unterschiede zwischen den Generationen, wenn es darum geht, ob man Kinder früh an das Internet heranführen sollte (untere Abbildung). Nur 12 Prozent der 14- bis 17-Jährigen sprechen sich klar dafür aus. Die Hälfte lehnt es eindeutig ab. Die über 65-Jährigen erscheinen hier sehr viel aufgeschlossener. Ein Drittel von ihnen rät dazu, Kinder früh mit dem Internet vertraut zu machen, nur ein Viertel ist dagegen.

Was die Generationen für die Zukunft empfehlen, unterscheidet sich deutlich weniger als die Vorstellungen, die ihr Leben heute prägen. In dieser Hinsicht besteht kein grundsätzlicher Konflikt zwischen Jung und Alt.

Beide Altersgruppen distanzieren sich in ihrem Vermächtnis von ihrer augenblicklichen Praxis: Die Älteren sind offen für den technischen Fortschritt, wenn es um digitale Kommunikationsmittel geht. Dabei werden sie ihren Ansprüchen oft nicht gerecht, weil sie im Umgang mit der Technik nicht mithalten können. Die Jungen hingegen nutzen digitale Medien selbstverständlich – meist mehr, als ihnen selbst lieb ist.