Nach diesem Sieg komponierte Johann Strauss Vater als Opus 228 den Radetzky-Marsch, der dem Feldmarschall gewidmet war. Zum ersten Mal dirigierte ihn Strauss am 15. August 1848 bei einem Volksfest auf dem Wiener Wasserglacis. Die Siege Radetzkys sicherten nicht nur die Herrschaft Österreichs in Norditalien, sondern leiteten im ganzen Habsburgerreich die Konterrevolution ein.

Während in Wien und Berlin die Reaktion triumphierte, wurde im Februar 1849 in Rom und Florenz die Republik ausgerufen. In dieser Situation kündigte die Regierung von Piemont-Sardinien den Waffenstillstand mit dem Habsburgerreich auf. Die piemontesische Armee war 97.500 Mann stark, Radetzkys Operationsarmee 73.400 Mann.

Am 17. März verließen Radetzkys Hauptkräfte Mailand in östlicher Richtung und täuschten so einen Rückzug vor. Sie bogen dann aber ab und rückten in Gewaltmärschen auf Pavia vor. Die piemontesische Führung glaubte, Radetzky ziehe sich tatsächlich zurück, und sie werde bei ihrem Vormarsch nur auf schwache Kräfte stoßen. Doch am 20. März überschritt Radetzkys Armee bei Pavia den Mincio und spaltete die piemontesische Armee in zwei Teile. Am 23. März errang er bei Novara den entscheidenden Sieg. Der Rückzug der Piemontesen wurde zur panischen Flucht. Als Karl Albert nun um einen Waffenstillstand bat, bestand Radetzky darauf, dass Kronprinz Viktor Emanuel ihm als Geisel ausgeliefert würde. Karl Albert wusste dem nur zu begegnen, indem er abdankte. Der neue König unterschrieb dann am 24. März den Waffenstillstand.

Das Debakel von Novara löste bei den Regierenden in Sardinien-Piemont eine abergläubisch anmutende Furcht vor Radetzky aus. Nachdem der Waffenstillstand unterzeichnet war, sagte Ministerpräsident Massimo d’Azeglio, wenn er 700.000 Soldaten zur Verfügung hätte, Radetzky aber nur vier Mann und einen Korporal, dann würde er die Lombardei trotzdem nicht angreifen.

Gleichfalls im März schlug der General Julius Freiherr von Haynau einen Aufstand der Einwohner von Brescia mit großer Brutalität nieder und erwarb sich den Beinamen "Hyäne von Brescia". Radetzky deckte das Vorgehen seines Untergebenen. Der junge Kaiser Franz Joseph I. ernannte Radetzky nun zum "General-, Zivil- und Militärgouverneur" von Lombardo-Venetien. Der Marschall regierte fortan mit harter Hand.

Nach der Niederwerfung der Revolution flammte die alte Rivalität zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in Mitteleuropa von Neuem auf. Im Herbst 1850 schien ein Krieg möglich. Radetzky wurde nach Wien berufen, um den Oberbefehl über die Armeen von Österreich und seinen Verbündeten zu übernehmen. Die Kriegsgefahr zog aber vorüber, weil Preußen unter dem Druck Russlands einlenkte.

Ende des Jahres 1856 ließ Kaiser Franz Joseph I. dem mittlerweile im 91. Lebensjahr stehenden Radetzky nahelegen, seinen Rücktritt einzureichen. Am 23. Februar 1857 entband er den Marschall von seinen Funktionen als Generalgouverneur und als Kommandierender der 2. Armee. Seine letzten Monate verbrachte Radetzky in Mailand.

Als er am 5. Januar 1858 starb, hinterließ er den Vielvölkerstaat intakt. Aber die Nationalbewegungen hatten längst eine Sprengkraft entwickelt, die über die liberale Idee einer demokratischen Selbstbestimmung der Völker hinauswies. Als später der überhitzte Nationalismus die Reste des alten Europa im Ersten Weltkrieg zerstörte, nahm diese Geschichte nicht von ungefähr ihren Ausgang im Habsburgerreich. Daher rührt die Melancholie, die auch durch den Roman von Joseph Roth mit dem Namen Radetzky verknüpft ist: Fast 60 Jahre nach seinem Tod hatte der Feldmarschall die Schlacht seines Lebens verloren.