Das mit dem Paradies ist so eine Sache. Erwarten Sie nicht zu viel, wenn Ihnen mal jemand etwas von einem Einkaufsparadies erzählt, ein Spielwarenparadies empfiehlt oder ein Paradies für Schnäppchenjäger entdeckt haben will. Die Realität ist oft ernüchternd. Sie werden das schnell selbst erkennen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 46 vom 3.11.2016.

Schon Adam und Eva haben es im Paradies nicht lange ausgehalten. Offenbar war ihnen langweilig. Zwar gab es einen hübschen Garten mit reichlich Bio-Obst, aber das war es auch schon. Kein Wunder, dass ihnen die Schlange wer weiß was erzählen konnte. Schnell naschten sie noch einen Apfel vom Baum der Erkenntnis, dann war Schluss mit lustig. Und so wie einst Adam und Eva müssen sich Konsumenten auch heute entscheiden, ob sie zugunsten paradiesischer Zustände auf neue Erkenntnisse verzichten wollen. Oder ob sie sich lieber sagen: Zum Teufel mit dem Paradies, ich will jetzt wissen, was Sache ist!

Die Antwort hängt von der Qualität des Paradieses ab. Die aber sinkt seit Jahrtausenden und ist heute schlechter denn je. Samstags im Möbelhaus zum Beispiel: "Der/die kleine [hier Name einsetzen] möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden", brüllen die Lautsprecher regelmäßig. Alle paar Minuten will also jemand das Paradies verlassen. Haben Sie sich niemals gefragt, warum?

Schon bei Adam und Eva gab es am Paradies einiges auszusetzen. So brauchen Äpfel ein gemäßigtes Klima. Es kann also nachts durchaus mal kalt werden. Wer da nackt herumlaufen muss, fängt sich schnell eine Erkältung ein. An apple a day keeps the doctor away hilft nicht, weil der Konsum von Äpfeln verboten ist und es im ganzen Paradies auch keinen Arzt gibt, der vorbeikommen könnte. Würden Sie da wohnen wollen?

Orte, die sich als Paradies ausgeben, sollte man also lieber meiden. Zumal man auch in Einkaufsparadiesen auf Schlangen treffen kann, die falsche Versprechungen machen.