1 (-) Franz Dobler: Schlag ins Gesicht
Tropen, 366 S., 19,95 €

München. Fallner ist Ex-Bulle, Ex-Ehemann, Ex-Bahnfahrer. Was nun? Bruder Hansen setzt ihn als Privatdetektiv auf eine Ex-68er-Schmuddelfilm-Darstellerin an, die einen Stalker an der Backe hat. DJ Dobler hat tarantinomäßig klasse gemixt: Filmzitate, Blondie-Tracks, Alltagssprache. Viel Prügel, wenig Blut. Spezial-Dobler-Sound.

2 (10) Malla Nunn: Zeit der Finsternis
Aus dem Englischen von Laudan & Szelinski; Ariadne bei Argument, 304 S.,13,– €

Johannesburg 1953. Ein Lehrerpaar, das schwarze Jugendliche gefördert hat, wird überfallen, eine Prostituierte gekidnappt. Drei Polizisten-Väter – weiß, schwarz, "als weiß durchgehend" – kämpfen für ihre Familien: mit- und gegeneinander, voller List und Gewalt. Band 5 der Emmanuel-Cooper-Reihe. Ungelogen großartig.

3 (1) Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Die Nacht von Rom
A. d. Ital. v. Karin Fleischanderl; Folio, 320 S., 24,– €

Rom. Papst Franziskus hat ein Heiliges Jahr ausgerufen. Kleriker, Immobilienhaie, Politiker, Bauunternehmer krabbeln wie Küchenschaben: Profit, Macht, Schwindel sind zu haben. Im Background der Kampf zweier Mafiosi um eine Frau und um Rom. Mafia capitale, zweiter Akt, famos illuminiert von zwei Insidern.

4 (-) Peter Temple: Die Schuld vergangener Tage
A. d. Engl. v. Hans M. Herzog; Penguin, 336 S., 10,– €

Melbourne und Umgebung. Der alte Ned wurde erhängt. Mac Faraday, nach einem Undercover-Leben als Drogenfahnder Schmied und Gartengestalter, bohrt herum. Wühlt Schmutz auf: Verbrecher fest verankert unter Politikern, Polizisten, upper ten. Anständige gegen fiese Kerle, mitreißend erzählt. Australiens Meister.

5 (-) Matthias Wittekindt: Der Unfall in der Rue Bisson
Edition Nautilus, 224 S., 16,– €

"Fleurville". Ein Autounfall bei Regen und Nebel, ein toter Mann. Irgendwas ist nicht geheuer. Seine Clique, arrivierte Freizeit-Mittelschicht, tarnt, täuscht, forscht: "Schuld am Tod eines Menschen, das ist erst mal nur ein Gefühl, das muss noch lange kein Straftatbestand sein." Moralische Zwischenzonen, feinstens erfasst.

6 (6) Alan Carter: Des einen Freud
Aus dem Englischen von Sabine Schulte; Edition Nautilus, 384 S., 19,90 €

Fremantle, Westaustralien. Die Boomregion Perth kocht. Bandenkriege zwischen Rockern und Vietnamesen, soziopathische Killer, Ex-Kindersoldaten, Kollegen, von denen er nicht weiß, ob er ihnen trauen kann – Cato Kwong, Detective chinesischer Provenienz, kriegt auch noch dauernd auf den Kopp. Klasse Cop-Novel.

7 (2) Friedrich Ani: Nackter Mann, der brennt
Suhrkamp, 223 S., 20,– €

"Heiligsheim". Das Opfer ist unerkannt zurück im Dorf. Ludwig Dragomir war einer der Jungen, die in den Wald hinterm Koglfeld mitgenommen wurden. Jetzt stellt er die Herren von damals mit seiner Scham. Ein Icherzähler mit zerstörtem Ich, sein Ziel: Vernichtung. Gratwanderung im Seelenland der Missbrauchsopfer.

8 (7) Benjamin Whitmer: Nach mir die Nacht
Aus dem Englischen von Len Wanner Polar Verlag, 292 S., 14,90 €

Colorado. Patterson Wells ist Katastrophenspezialist. Das eigene Desaster betäubt er mit Alk und Drogen: Sein Sohn starb infolge eines Arztfehlers. Unter Outlaws sucht er Ruhe und findet Hass. Als hingen sie an Fäden antiker Götter, fallen Väter und Söhne, Geliebte und Liebhaber übereinander her. Tolle Neuentdeckung.

9 (-) Candice Fox: Eden
Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger Suhrkamp, 476 S., 15,95 €

Sydney. Top-Polizistin Eden, eine Frau mit tödlichen Trieben, riskiert ihr Leben auf einer Hippie-Gangster-Farm. Partner Bennett sucht ebenfalls verschwundene Frauen: Hades, Gangster-Todesgott auf dem Müllberg, will wissen, was aus seiner Kinderliebe wurde. Finster, rabiat. Kraftvolle neue Frauenstimme aus Australien.

10 (4) Patrícia Melo: Trügerisches Licht
Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita Tropen, 320 S., 14,95 € São Paulo. TV-Star Fábbio Cássio spielt im echten Theater. Hauptrolle in einem Suizid-Drama. Und schießt sich auf der Bühne tot. Unfall, Selbstmord, Mord? Kriminalistin Azucena im Polit- und Verdächtigtenstrudel der Ermittlungen. Wer war’s? Sein und Schein – Hauptsache, Geld. "Brasiliens Nationalformel: +1 –1 = 0."