Er sammelt die Wäsche ein

Sein Lohn: 1.000 Euro netto monatlich für den Teilzeitjob

"Man staunt ja, wie viel Wäsche einige haben. Gestern habe ich 13 Kilo aus dem dritten Obergeschoss im Hinterhaus geschleppt. Einer hat mal 60 Hemden abholen lassen. Wer hat denn 60 Hemden?

Meine Schicht beginnt um 6.15 Uhr und endet um 13.15 Uhr. Ich fahre so 25 Kunden ab. Die Firma hat mich vor Kurzem leider auf Teilzeit gesetzt und mehr Fahrer eingestellt. Statt 1.800 Euro netto kriege ich nur noch gut 1.000 netto. Jetzt räume ich nachmittags noch Regale ein. Meine Frau ist morgens beim Augenarzt, nachmittags arbeitet sie auf 450-Euro-Basis. Wir wollen ja was zurücklegen. Einmal im Jahr möchten wir gern nach Las Vegas fliegen. Da haben wir geheiratet.

© Jonas Holthaus/Die Zeit

Ich liebe es, Auto zu fahren. Klingt bescheuert, aber du musst brennen für den Scheiß. Ich habe schon alles gemacht: Paketbote war am schlimmsten. Da hatte ich nach einem Monat 103 Überstunden, unbezahlt. Dann bin ich sieben Jahre lang Pizzataxi gefahren. Mein schönstes Kundenerlebnis: Eine Frau öffnet im Bademantel, sagt: 'Schatz, gib mir mal Geld.' Sie streckt den Arm aus. In dem Moment rutscht der Mantel runter, und sie steht vor mir, wie der Chirurg sie geschaffen hat, viel Silikon. Da freue ich mich natürlich. Und ihr Mann schreit aus der Wohnung: 'Der kriegt nichts mehr, der hatte schon optisches Trinkgeld.'

Ich sehe tolle Häuser, 300 oder 400 Quadratmeter. Vor der Tür ein Lamborghini und ein Ferrari, Schwimmbad im Haus, in der Küche ein Pokertisch. Wahnsinn! Aber ich denke: Die Reichen haben hart dafür gearbeitet. Trotzdem sollten sie sich vernünftig benehmen. Einmal kam ich etwas zu spät zu einem Premiumkunden, der ein Zeitfenster von einer halben Stunde gebucht hatte. Ich habe gefragt, ob er mir den Fahrstuhl runterschickt. Da sagt er: 'Du bist zu spät, lauf die Treppe!'"

Er schleppt die Pakete

Sein Lohn: Etwa 18 Euro pro Stunde

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 46 vom 3.11.2016.

"Dieses Haus hier bekommt besonders viele Pakete. Seit fünf Jahren liefere ich für DHL aus. Früher gab es ein Sommerloch, und vor Weihnachten war besonders viel los. Jetzt ist das ganze Jahr über Weihnachten. Manche lassen sich mittlerweile sogar Glühbirnen kommen. Auch Wein wird immer öfter bestellt, das ist ein Trend.

Für mich ist das gut, ich arbeite selbstständig. Das heißt: mehr Pakete, mehr Geld. Viele denken ja, wir sind bei der Post angestellt, aber ich bin Subunternehmer, der Lieferwagen gehört mir. Ich habe mal einen Künstler beauftragt, ein Graffito auf meinen gelben Wagen zu sprühen, einfach 'DHL', in einem coolen Schriftzug. Als die Post das erfuhr, musste ich es übermalen.

© Jonas Holthaus/Die Zeit

Nur die Hälfte der Besteller ist da, wenn wir kommen, meistens Muttis mit kleinen Kindern. Jetzt, wo wir das neue iPhone ausliefern, treffen wir mehr Leute zu Hause an, das ist für die wie Weihnachten, die freuen sich total. Ich mag diese Arbeit.

Auch bei uns in der Branche gibt es schwarze Schafe, die zu faul sind, das Paket zum Kunden zu bringen. Aber die halten sich nicht lange. Eigentlich müssen wir überall klingeln, aber ich arbeite mit Erfahrungswerten. Das heißt, wenn ich weiß, dass eine Nachbarin immer da ist und ein anderer immer arbeitet, klingle ich natürlich bei ihr.

Ab 31,5 Kilo darf ich das Paket nicht transportieren, Arbeitsschutz. Dann muss der Kunde es in der Basis abholen. Bei Schwangeren oder Muttis mit Kindern bringe ich natürlich alles hoch. Es zahlt sich aus, nett zu sein. Wenn die Bewohner mich mögen, bekomme ich Weihnachtsgeld, oder sie nehmen etwas für die Nachbarn an, das hilft mir auch."

Sie fegen das Treppenhaus

Ihr Lohn: 1.200 Euro netto monatlich

"Wir machen alles, was anfällt. Garten, Treppenaufgänge, kleinere Reparaturen, auch Winterdienst. Das Gute an der Arbeit ist: Du planst dir deinen Tag selbst, und die Zeiten sind familienfreundlich. Wir sind um 7 Uhr am ersten Objekt und um 16 Uhr fertig. Wir bekommen Tariflohn, 1.200 Euro netto im Monat, das ist weniger, als viele hier an Miete zahlen. Aber ich bin trotzdem nicht neidisch auf die. Ich wohne gern, wo ich wohne. Da ist es grün, nicht so teuer. Gelernt habe ich Fliesenleger, ein Kollege ist Schlosser. Aber kaum war ich fertig, ging es mit dem Beruf den Bach runter. Ich habe es als Kurierfahrer versucht, das war schlimm. Immer nur Stress, und am Ende hatte ich weniger raus als jetzt.

© Jonas Holthaus/Die Zeit

Wir haben auch mal ein Haus an einer Partymeile gehabt, ständig alles voller Urin und Kot, da fragt man sich schon, was das für Menschen sind. Hier haben die meisten gelernt, Guten Tag zu sagen. Auch wenn es natürlich überall Querulanten gibt, die mit der Stoppuhr am Fenster stehen, um zu gucken, wie lange man putzt, und sich später bei der Firma zu beschweren.

Trinkgeld ist seltener geworden, zu Weihnachten vielleicht mal. Die alten Leute haben immer etwas gegeben, aber die gibt es hier ja gar nicht mehr. Und die anderen? Na ja, wer 2.000 Euro Miete für die Wohnung zahlt, der hat wohl nichts mehr übrig."