Vor 5.000 Jahren lebte ein chinesischer Kaiser. Sein Name war Shennong. Am liebsten, so erzählen es sich die Chinesen, trank Shennong heißes Wasser. Eines Abends soll er durch seinen Garten spaziert sein, müde von einem anstrengenden Tag, als ein Blatt der Teepflanze in seine Tasse wehte. Das heiße Wasser färbte sich golden und verströmte duftenden Dampf. Neugierig trank Shennong davon und fühlte sich sehr erfrischt. Der chinesische Kaiser hatte den Tee entdeckt.

Seitdem hat das Heißgetränk einen Siegeszug um die Welt angetreten. Nicht einmal große Könige vermochten es zu verbannen, wenngleich sie es versuchten. Friedrich II. etwa wollte im 18. Jahrhundert die Ostfriesen davon abbringen, Tee zu trinken. Grund dafür soll ein geplatztes Handelsabkommen mit China gewesen sein. Der König befürchtete wirtschaftlichen Schaden durch das "Drachengift aus China". Jahrelang stritten sich die Ostfriesen mit dem Staatsoberhaupt im "Teekrieg". Am Ende sah Friedrich ein, dass der Tee zu wichtig war für seine Untertanen.

"Die Menschheit hat sich in der Teetasse gefunden", schrieb der Kunstwissenschaftler Okakura Kakuzō in seinem Buch vom Tee. Der warme Trunk sei das Elixier der Seele. Nach einem japanischen Sprichwort hat eine Person "keinen Tee in sich", wenn sie für die Schönheit der Welt unempfänglich ist.

Noch dazu sagt man dem Tee von jeher heilende Kräfte nach. Sei er grün oder schwarz, aus Blüten, Kräutern oder Knollen gebraut: Tee vermag viele Leiden zu lindern. Welche Kraft tatsächlich in ihm steckt, verrät ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Streng genommen ist der echte Tee jener, dessen Zutaten von der Teepflanze Camellia sinensis stammen. Praktisch alle Teile des Gewächses lassen sich zum Aufguss nutzen: Knospen, Blüten, Stängel oder eben die Blätter, aus denen etwa der grüne und der schwarze Tee hergestellt werden. Die Produktionsweise unterscheidet sich darin, dass die Blätter für den grünen Tee nur trocknen, für den schwarzen dagegen mit Sauerstoff reagieren und so ihre dunkle Farbe erhalten.

In den Blättern sind Naturstoffe enthalten, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken sollen: die Flavonoide. Sie kommen in vielen Pflanzen vor und verleihen etwa Blüten ihre Farbe. Durch die Reaktion mit Sauerstoff während der Teeproduktion scheinen die Flavonoide größtenteils aus dem schwarzen Tee zu entweichen, im grünen liegen sie noch in höherer Konzentration vor. Studien deuten darauf hin, dass die Substanzen Entzündungen lindern und gegen bakterielle Infektionen helfen können.

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Mediziner an der Charité Berlin haben zudem herausgefunden, dass ein halber Liter starker grüner Tee kurzfristig die Gefäße elastischer macht und so möglicherweise Gefäßerkrankungen entgegenwirken kann. Die Forscher haben die Effekte bislang aber nur an 21 weiblichen Probanden getestet. Andere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Stoffe im Tee über längere Zeit den Blutdruck senken und das "böse" LDL-Cholesterin im Blut in Schach halten. Und jüngst zeigte eine Studie von US-Forschern an mehr als 6.000 Teilnehmern, dass Menschen, die eine bis drei Tassen Tee am Tag trinken, weniger verkalkte Arterien haben. Auch das kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Die Forscher haben jedoch nicht den generellen Lebensstil der Probanden überprüft, also ob die Teetrinker insgesamt gesünder leben und daher bessere Gefäße haben.

Werden dem Tee allerdings zu üppige Wunderwirkungen zugesprochen, schadet etwas Skepsis nicht. So gibt es Studien, die zeigen wollen, dass ein bestimmtes Flavonoid Tumore bekämpfen, Alzheimer und Parkinson verhindern und vor HIV schützen kann. Epigallocatechin-3-Gallat ist sein Name, kurz EGCG. Es kommt in grünem Tee vor. Forscher untersuchen seine Wirkung auf beinah alle Krankheiten, jedoch gehen die Versuche meist nicht über die Labormaus hinaus. Die Wirkung eines Tees gegen derart schwere Erkrankungen ist ohnehin schwer zu belegen. Höchstwahrscheinlich müssten die Wirkstoffe nämlich in sehr großen Mengen eingenommen werden, etwa als Konzentrat. Allein im Tee wäre die Konzentration wohl viel zu gering.