Ihr Lächeln war ein Skandal. Es empörte die Besucher, die 1787 das Selbstporträt der Malerin Élisabeth Vigée-Lebrun in einer Ausstellung sahen. Das Bild zeigt die Französin mit ihrer Tochter Julie – und mit leicht geöffnetem Mund. Darin blitzen weiß ihre Zähne. Was für ein Fauxpas! Vigée-Lebrun wurden schlechte Manieren unterstellt, Wahnsinn und sogar revolutionäre Umtriebe, schreibt der Historiker Colin Jones in seinem Buch The Smile Revolution in Eighteenth Century Paris. Warum sonst hatte sie ihren Mund nicht konventionsgemäß geschlossen gehalten? Mona Lisa hatte das ja auch geschafft.

Der geschlossene Mund galt zu jener Zeit als ästhetisches Gebot. Er demonstrierte die Dominanz des Geistes über die Gefühle. Aber es gab auch einen profaneren Grund: Die Mundhöhlen im 18. Jahrhundert waren oft zahnleer und stanken. Die reichen europäischen Großstädter aßen schon damals mehr Zucker, als gut für sie war. "Das führte zu schlechteren Zähnen als zu beinahe jeder anderen Epoche der Menschheitsgeschichte", schreibt Jones.

Wie Madame Vigée-Lebrun ihre Zähne in so gutem Zustand hielt, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass sich Ende des 18. Jahrhunderts die moderne Zahnheilkunde als medizinische Disziplin entwickelte. Anstelle der "Zahnbrecher", die kranke Stummel oft mit großem Spektakel aus dem Kiefer herausbrachen, bemühten sich erste Zahnärzte wie der Franzose Pierre Fauchard um die Gesundheit der Zähne. Wer doch welche verlor und es sich leisten konnte, bekam Prothesen aus strahlend weißem Porzellan. Fauchard empfahl zudem Goldfüllungen für kariöse Zähne und versuchte ein Bewusstsein für die optimale Zahnbürstenhärte zu schaffen.

Dieser Artikel gehört zu ZEIT Doctor aus der ZEIT Nr. 46 vom 3.11.2016.

Vorläufer dieser Bürsten gab es schon in der vorchristlichen Zeit, als die Menschen im Orient zur Zahnpflege auf faserigen Zweigen kauten. Zähneputzen hat also eine uralte Tradition. Nur die jeweils empfohlene Technik ändert sich stetig. Der momentan aktuelle Stand nach Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer: "Zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta, systematisch auf allen Flächen, von Rot nach Weiß, mit wenig Druck." Das klingt erfrischend unkompliziert. Tatsächlich braucht es nicht viel, seine Zähne schön und gesund zu halten. Es funktioniert auch mit einer Handzahnbürste so gut wie mit einer elektrischen, Letztere erfordert nur weniger Aufwand.

Der heute recht entspannten Haltung vieler Fachleute stehen ältere Empfehlungen zur besten Putztechnik gegenüber, wie sie viele noch von Ärzten, Eltern, Lehrern oder aus Büchern kennen. Anhänger der Vibrationsmethode etwa empfehlen, die Borsten in einem Winkel von 45 Grad am Zahnfleischrand anzusetzen und leicht rüttelnde Bewegungen auszuführen. Darauf soll eine auswischende Bewegung der Zahnbürste vom Fleisch zum Zahn folgen. Die genaue Anleitung umfasst sieben Punkte.

Alles klar? Natürlich nicht. Wer, bitte, kann das zweimal täglich korrekt umsetzen? Die gute Nachricht: Man muss es auch nicht. Anspruchsvolle Techniken wie die Vibrationsmethode schützen die Zähne nicht besser als ganz einfaches, "fegendes" Bürsten, haben John Wainwright und Aubrey Sheiham vom University College London gezeigt. Das ganze Brimborium sei überflüssig. Zu diesem Schluss kamen die beiden Forscher, nachdem sie in zehn Ländern die Empfehlungen von Zahnärzten, Fachgesellschaften, Zahnbürstenherstellern und Lehrbuchautoren verglichen hatten. Dabei stießen sie auf ein gewaltiges Durcheinander an Expertentipps. Was sie nicht fanden, waren eindeutige Belege dafür, dass eine der komplizierten Techniken dem gewöhnlichen Putzen überlegen wäre.