Wer wissen will, wie groß das Misstrauen gegenüber Facebook ist, der muss nur: Facebook besuchen. Und sich die offizielle Seite der deutschen Vertretung des Konzerns anschauen. Dort findet sich ein kurzer Film des Unternehmens, in dem eine junge Frau mit Notebook auf dem Schoß fragt: "Posts löschen? Keine Ahnung, ob das wirklich geht." Die Antworten der Nutzer unter dem Video sind ziemlich skeptisch. Einer schreibt: "Jetzt mal ehrlich! Man kann nichts bei fb löschen." Mehr als 600 Likes. Ein anderer meint: "Löschen bedeutet ja eigentlich ausblenden für facebook." 165 Likes. Und wieder einer: "Es ist nur unsichtbar, aber ganz sicher nicht gelöscht!"

Das Video ist Teil einer großen Versöhnungsaktion: die erste große Imagekampagne von Facebook in Deutschland. Mit ganzseitigen Anzeigen wirbt das Onlinenetzwerk in diesen Tagen in Zeitschriften und Zeitungen (auch in der ZEIT), im Fernsehen, auf Leinwänden im öffentlichen Raum. Der Internetgigant, der mit Onlinewerbung Geld verdient, gibt plötzlich Geld für Werbung außerhalb des Internets aus; nach Angaben eines Sprechers einen einstelligen Millionenbetrag. Das ist bemerkenswert.

Und es ist bitter nötig. Denn viele der 29 Millionen aktiven Facebook-Nutzer in Deutschland sind unzufrieden. Aktuellen Umfragen des Portals Statista zufolge findet nur jeder zehnte, dass Facebook die Interessen seiner Nutzer ernst nimmt; es gilt außerdem als intransparenter und unsympathischer als Google, Amazon und Apple. Zuletzt machte Facebook im Wochentakt Negativschlagzeilen – weil es zu lasch mit Hasskommentaren umgeht (weswegen nun Staatsanwälte wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Volksverhetzung gegen Gründer Mark Zuckerberg ermitteln) und weil es doch Daten von WhatsApp verwendet (was dessen Gründer bei dem Verkauf an Facebook für alle Zeiten ausgeschlossen hatte).

Mit seiner Kampagne will Facebook seinen Nutzern nun Ängste nehmen und hat dafür 850 Nutzer aus Deutschland befragt. Zum Beispiel jene junge Frau, die in dem Video wissen will, ob das mit dem Post-Löschen wirklich geht. Der Verdacht, dass Facebook Inhalte nicht restlos entfernt, auch wenn Nutzer es wünschen, steht schon lange im Raum – mindestens seit der Datenschutzaktivist Max Schrems zeigen konnte, dass sich in seinen Facebook-Daten auch gelöschte Inhalte finden. Die Daten sind zwar fünf Jahre alt, aber Schrems ist nach wie vor überzeugt, "dass keine Sau weiß und prüfen kann, was Facebook auf seinen Servern macht".

Bei Facebook will man die Vorwürfe von Schrems nicht kommentieren, ein Sprecher sagt nur: "Das war 2011 – inzwischen ist 2016." Heute sei es so: Die Inhalte verschwinden sofort, sobald man sie löscht, niemand kann sie mehr sehen, auch Facebook nicht. Nach spätestens 90 Tagen sollen sie ganz von den Servern beseitigt sein.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 47 vom 10.11.2016.

Auch andere Sorgen thematisiert Facebook in der Kampagne – etwa, wer sehen kann, was man postet. In dem Netzwerk lässt sich das einstellen, es lassen sich Personen ein- oder ausschließen – Freund ist also nicht gleich Freund. Viele Nutzer wüssten das nicht, die Aufklärung sei nötig.

Facebooks Aktion ist deswegen ein richtiger Schritt und ist doch nur ein erster. Um Vertrauen zurückzugewinnen, muss es auch Hasskommentare und Datenschutz zum Thema machen – und die Frage, wie Menschen Inhalte löschen können, die sie nicht selbst gepostet haben, die sie aber schädigen. "Macht doch mal ein Video, das erklärt, wie ich rassistische oder sexistische Hasskommentare anderer löschen kann", hat ein Nutzer unter die Aktion gepostet, "selbst macht Ihr’s ja leider nicht. Auch nicht auf Aufforderung."