An jenem Abend im April war Barack Obama in seinem Cadillac vorgefahren. Er hatte sich die US-Flagge ans Revers geheftet und sagte wenig später, dass er sich über das 500-jährige Jubiläum des Reinheitsgebotes freue. Es war die Eröffnungsfeier der Hannover-Messe. Tanzende Roboter, Lasershow, ausgewählte Gäste: Sigmar Gabriel, Wirtschaftsminister, braun gebrannt; Matthias Müller, VW-Chef, blass; Angela Merkel, Kanzlerin, gelbes Jackett, und – Jens Meier, HSV-Fan aus Fischbek, Schuhgröße 45, Pumuckl-Frisur. Beruf: Chef des Hamburger Hafens.

Ein paar Wochen darauf steht Meier in einem dieser alten Lagerhäuser der Hamburger Speicherstadt, wo die Stockwerke Böden heißen und seine Hafenverwaltung ihren Sitz hat, die Hamburg Port Authority, kurz HPA. Er sagt, dass das mit Obama eine große Ehre gewesen sei. Und dass die Amerikaner ihn zum Event mit ihrem Präsidenten gebeten hätten, nicht die Deutschen.

Ein Detail, das ins Bild passt. Zumindest in jenes, das Jens Meier von sich zeichnen will. Auch, dass er nun über die Mondlandung spricht, gehört dazu. Die Deutschen, erklärt Meier, flögen erst zum Mond, wenn sie ganz genau wüssten, wo und wie sie dort landeten. Die Amerikaner hingegen legten einfach mal los und überlegten unterwegs, wie es weitergehen solle. Welche Sichtweise Meier bevorzugt, muss er nicht extra sagen. Meier gibt den Voranschreiter, den unerschütterlichen Optimisten.

Eine Rolle, die der Hamburger Hafen gerade gut gebrauchen kann. An ihm hängt jeder zehnte Arbeitsplatz der Stadt. Und der Hafen ist in der Krise. Schon eine ganze Weile.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 47 vom 10.11.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Im vergangenen Jahr wurden fünf Prozent weniger Waren verladen als im Jahr zuvor. Der Containerumschlag brach um zehn Prozent ein. Auch in der ersten Hälfte dieses Jahres ging es weiter abwärts. Kommende Woche wird es neue Zahlen geben, eine Art vierteljährliche Temperaturmessung beim Patienten Hafen, die man dieses Mal so genau begutachten wird wie selten zuvor: Ist der Tiefpunkt endlich erreicht? Oder kommt es noch schlimmer?

Meier glaubt, dass es bald wieder bergauf gehen könnte. Er gibt diesen etwas sperrigen Satz zu Protokoll: "Eine konstruktive und zukunftsgerichtete Denkweise ist eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Manager."

Hört sich gut an. Nur: Wie soll das mit dem Erfolg gehen in dieser verfahrenen Situation?

Da ist das jahrelange Warten auf die Elbvertiefung. Da sind die Konkurrenten in Rotterdam oder Wilhelmshaven, die das bieten, was Hamburg fehlt: viel Platz und tiefes Wasser für die großen Schiffe. Da entstehen neue Routen in die Ostsee, an Hamburg vorbei. Da sind der maue Welthandel, die Sanktionen gegen Russland und ein schwächelndes China, Hamburgs wichtigste Handelspartner.

Der Hamburger Hafen muss neue Wege finden, wenn er sich weiterhin behaupten will. Und er muss der Welt klarmachen, dass er dazu in der Lage ist.

Dafür ist Meier da, der Optimist. Er hat längst eine Botschaft, die klar und einprägsam ist. Eine, mit der er auf die Zukunft des Hafens wettet. Scheitert Meier, könnten die Kais und Kräne eines Tages nur noch Industriekulisse sein. Hat Meier Erfolg, könnte der Hafen diesen großen Umbruch überleben, ein Vorbild des Wandels werden. Meiers Slogan lautet: Der Hamburger Hafen ist smart.

Konkret heißt das: Wir haben hier mitten in der Stadt zwar viel zu wenig Platz für einen Hafen, all die Schiffe, Laster und Container, aber dafür nutzen wir ihn so schlau wie keiner sonst. Wir haben tolle Computerprogramme, die dafür sorgen, dass alles im Fluss ist und nirgends Lücken bleiben, ein bisschen wie bei Tetris. Das ist auch gut für die Umwelt, und das passt zu uns, denn wir haben sowieso ganz viele grüne Projekte am Start.

Wer würde das nicht gut finden? Wer würde nicht nach Hamburg kommen wollen, um sich all das anzusehen?