Von Wadenkrämpfen werden drei Gruppen von Menschen besonders häufig geplagt: Sportler, die ihren Körper stark beanspruchen, ältere Menschen und schwangere Frauen. Die letztgenannten beiden Gruppen haben die unangenehmen Krämpfe vor allem in der Nacht.

Krämpfe können viele Ursachen haben, eine von ihnen ist ein Mangel an Mineralstoffen. Damit sich Muskeln zusammenziehen, müssen Kalzium-Ionen in das Innere der Fasern hineinströmen. Um die Kontraktion zu beenden, muss dieser Strom blockiert werden – was Magnesium bekanntermaßen tut. Die naheliegende Schlussfolgerung ist: Mangelt es an Magnesium, kann sich der angespannte Muskel nicht wieder entspannen, also verkrampft er. Weshalb Magnesiumpräparate aus dem Reformhaus oder der Apotheke Abhilfe versprechen.

Tatsächlich mangelt es den drei genannten Gruppen häufig an Mineralien. Der Sportler schwitzt sie aus, die Seniorin trinkt und isst zu wenig, und bei der Schwangeren ist der gesamte Stoffwechsel durcheinander, auch der Mineralhaushalt. Der Rat, Magnesium einzunehmen, klingt also vernünftig, nur er hat einen entscheidenden Schönheitsfehler: Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit nicht erwiesen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 47 vom 10.11.2016.

Eine Untersuchung der American Academy of Neurology zitierte 2010 zwei Studien, die beide keine Wirkung von Magnesiumpräparaten gegen Muskelkrämpfe nachweisen konnten. Ein Artikel in der Cochrane Library fand 2012 sieben Studien, vier an älteren Menschen und drei an Schwangeren. Ergebnis: Es sei "unwahrscheinlich", dass die Präparate älteren Menschen helfen, bei den Schwangeren seien die Studien widersprüchlich, und es bestehe noch Forschungsbedarf. Zu Sportlern scheint es überhaupt keine Untersuchungen zu geben.

Eine dünne Indizienlage also, wie bei vielen frei verkäuflichen Nahrungszusätzen. Generell sollte jeder darauf achten, seinem Körper genügend Mineralstoffe zuzuführen, und Sportler können bei hoher Belastung ihren Vorrat durch solche Präparate schneller wieder auffüllen. Dauerhaft muss sie aber niemand schlucken.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.’’

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts’’

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio